An der Brücke zur Musikschule im Georgi-Kurpark blüht es in voller Pracht. Ein Strauch zieht alle Blicke auf sich: Buddleja davidii, besser bekannt als Schmetterlingsflieder. Besonders in diesem insektenreichen Jahr eindrücklich zu beobachten sind die vielen Schmetterlingsarten, Hummeln und Bienen, die er anlockt.

Nicht umsonst ist er beliebt in den Gärten, ist er dort doch leicht zu pflegen und breitet sich dort kaum aus. So zumindest die Meinung vieler Hobbygärtner. Doch der Buddleja ist keine einheimische Pflanze, sondern ein sogenannter Neophyt aus dem asiatischen Raum, der eine starke Ausbreitungstendenz hat.

"Allerdings merken das Hobbygärtner auf den meist nährstoffreichen Erden nicht, denn die Pflanze mag besonders Mager- und Trockenböden", schreibt eine Leserin der Saale-Zeitung. Das ist derzeit am Ortseingang von Bad Brückenau zu sehen. Der NABU Nordrhein-Westfalen macht auf seiner Internetseite auf die Gefahr aufmerksam: Die Ausbreitung könne sich auf die Artenvielfalt auswirken.

In Schweiz verboten

Zudem gibt es es die Vermutung, dass die Pflanze trotz starker Lockwirkung nur wenig Nektar zur Verfügung hat und Schmetterlingsarten der Pflanze verfallen. In der Schweiz steht die Buddleja gar auf der Schwarzen Liste. Auf dieser Liste sind invasive Neophyten zu finden, die "Schäden in den Bereichen Biodiversität, Gesundheit und Wirtschaft anrichten", heißt es auf Internetseiten der Schweizer Umweltorganisationen. Besonders an Pionierstandorten verdränge sie heimische Arten. Dem deutschen Bundesamt für Naturschutz hingegen sind bisher laut Internetseite keine negativen Auswirkungen auf Pflanzen und Tierwelt bekannt.

Markus Bott, Bauhofmitarbeiter in Bad Brückenau, ist für die Pflege der städtischen Anlagen zuständig. Eine Ausbreitungstendenz des Buddljea kann er aber nicht erkennen. "Das ist in keiner Weise mit dem Riesenbärenklau oder dem Kreuzkraut zu vergleichen", fügt er hinzu. Seine Erfahrung basiert auf mittlerweile 30-jähriger Tätigkeit als Gärtner.

Für Marianne Scheu-Helgert, Bereichsleiterin Bayerische Gartenakademie an der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau in Veitshöchheim, überwiegen die Vorteile der Anpflanzung von Buddleja den Nachteilen. Eine Ausbreitung, besonders auf Brachflächen und Bahngeländen bestätigt sie. Allerdings: In der freien, naturnahen Landschaft habe er es deutlich schwerer, sich durchzusetzen.

Auch können für die gelegentlich veröffentlichten Beobachtungen, dass Schmetterlinge dem Schmetterlingsflieder verfallen oder gar kleinere Insekten zu Schaden kommen "von wissenschaftlich fundierten Beobachtern bisher nicht bestätigt werden", fügt Scheu-Helgert hinzu.

Wenig Nektar

Ein weiteres Argument gegen den Buddleja im Garten hört die Expertin immer wieder. Die Blüten würden Nikotin oder Coffein enthalten. "In Wirklichkeit enthält Buddleja mäßige Gehalte spezifischer Glycoside, vor allem in Samen und etwas auch in Blättern", sagt sie. Der Gehalt an Nektar von Sommerflieder sei in der Tat mäßig. Übrigens sei der Nektargehalt vieler Blüten generell bei Trockenheit geringer.

Um eine Ausbreitung aus dem eigenen Garten zu hindern, sollten die Samenstände und generell das Schnittgut aus dem Garten ordnungsgemäß über die Biotonne oder den kommunalen Grüngutsammelplatz entsorgt werden - soweit nicht im eigenen Garten kompostiert wird. Bei der Eigenkompostierung können zwar einige Samen überleben, das Entfernen weniger neuer Sommerfliederpflanzen im Garten dürfte aber kein Problem sein, schätzt die Expertin ein.