Steffen Hildenbrand ist aufs Internet angewiesen - privat, vor allem aber beruflich. Er hat zwei Internetanschlüsse und zusätzlich mobiles Datenvolumen, um über den Monat zu kommen. "Gerade für junge Familien ist die Stadt schön, aber wenn man etwas mit modernen Medien zu tun hat, ist Bad Brückenau nichts für einen, der keine Nerven hat", sagt der junge Mann, der viel auf sozialen Netzwerken unterwegs ist, Imagefilme für Unternehmen dreht oder live im Internet dabei ist, wenn seine Auftraggeber ihn für diesen Service buchen.


Standortfaktor Internet

In seiner Heimatstadt aber tut sich Hildenbrand schwer. Eine "Livesendung über Internet ist leider nicht möglich". Auch bei seinen Videoprojekten stößt er regelmäßig an Grenzen, etwa wenn eine Leitung über Stunden belegt ist, nur weil er einen fünf Minuten-Clip hochlädt. Hildenbrand überlegt, sich selbstständig zu machen. Bad Brückenau jedenfalls scheidet als Standort schon mal aus. Auch andere kämpfen um jedes Megabit. "Wir haben immer gemerkt, wenn eine Tagung im Dorint war", berichtet Thomas Dill aus Wernarz. Der Ortsteil wird über das Staatsbad versorgt. Der Geschäftsmann gewöhnte sich an, datenintensive E-Mails nachts zu versenden, wenn weniger Leute das Internet nutzen. Irgendwann reichte es ihm, er wechselte den Anbieter.

Das Stadtgebiet wird hauptsächlich von zwei Anbietern versorgt: Telekom und Vodafone, ehemals Kabel Deutschland. Anfang Januar trat die Telekom an die Stadtverwaltung heran und kündigte an, die Infrastruktur im Stadtgebiet großflächig zu verbessern. Der Ausbau erfolgt eigenwirtschaftlich, das heißt, er kostet der Stadt keinen Cent. Die Stadtverwaltung habe den Plänen zugestimmt, berichtet Leo Romeis, Fachbereichsleiter Finanzen. Bis Oktober soll die neue Technik funktionieren.


Wege werden aufgegraben

Dabei setzt die Telekom auf FTTC-Ausbau. Die effizientere Glasfaserleitung wird bis zu den Kabelverzweigern, die oft als graue Kästen am Straßenrand stehen, verlegt. Von dort führt das vorhandene Netz aus Kupferkabeln bis in die Haushalte. Dafür werden die Leitungen unter Geh- und Radwegen zum Teil neu verlegt wie beispielsweise an der Ernst-Putz-Straße zwischen Stadt und Staatsbad. Auch manches Privatgrundstück ist betroffen, Eigentümer seien bereits von der Telekom informiert worden, berichtet Romeis. Konkret geht es um die gesamte Stadtmitte, in Römershag wird im Alexanderweg, Forstweg und Talweg ausgebaut sowie im Staatsbad die Valentin-Becker-Straße. Volkers bleibe außen vor, weil die Telekom dort bereits ausgebaut habe, erklärt Romeis. Wernarz werde über den Kabelverzweiger im Staatsbad versorgt.

Erst wenn die Kabel in der Erde liegen, wird sich zeigen, was die neue Technik hergibt. "Es ist sicherlich davon auszugehen, dass sich die Leistung erhöhen wird", sagt Romeis. Noch aber gibt es keine Aussagen der Telekom, welche Bandbreite in Zukunft garantiert werden kann. Das Unternehmen gab bis Redaktionsschluss keine Stellungnahme dazu ab. "Was wirklich am Ende am letzten Haus ankommt, kann und darf ich nicht beantworten. Das ist Sache der Telekom", macht Romeis klar und bittet darum, die Mitarbeiter der Stadtverwaltung mit dieser Frage zu verschonen.


Ausbau geht schleppend voran

"Grundsätzlich ist es ja schön, wenn es mit dem Breitbandausbau vorangeht", sagt Benjamin Wildenauer, der für die SPD-Fraktion im Stadtrat sitzt. Einen Ausbau mittels FTTC bewertet er aber weder als ausreichend noch als zeitgemäß. Schon mehrfach legte er seinen Kollegen im Stadtrat dar, dass schnelles Internet ein maßgeblicher Faktor für Unternehmen sei, sich anzusiedeln. Deshalb lautet seine zentrale Forderung: Glasfaser bis ins Haus. Gerade eine Stadt, die ihre Stärke bei Kur und Gesundheit sehe, könne so gezielt Firmen im IT-Bereich werben, die weder dreckig noch laut sind.

Noch aber geht der Ausbau schleppend voran. Unberührt von den aktuellen Ausbauplänen ist die Tatsache, dass die Stadt seit 2015 dabei ist, mit Hilfe eines Förderprogramms Versorgungslücken zu schließen. Das Vorgehen ist aufwendig, wird aber mit 80 Prozent gefördert.Bis Juni werden auch der Bereich um das Schulzentrum Römershag sowie Schillerstraße und Goetheweg und Teile der Düsseldorfer Straße ausgebaut sein. Für alle anderen Stadtgebiete war der Breitbandausbau nicht förderfähig, denn dort stehen - zumindest theoretisch - Übertragungsraten von mindestens 30 Megabit pro Sekunde zur Verfügung.