"Ich versichere ihnen, heute Abend ist alles live", begrüßte Bandleader Peter Wölke, in dessen Händen Moderation und Gesamtleitung der Veranstaltung lagen, das Publikum. Der Startschuss für eine atemberaubende Reise durch die internationale Musicalgeschichte war gefallen. Was dann in den nächsten rund zweieinhalb Stunden folgte, das war großes Entertainement von seiner besten Seite.

Mit Maria Jane Hyde, Lynelle Jonsson, Matthias Stockinger und Mark Polak traten vier renommierte Interpreten in Bad Brückenau auf, deren Zuhause sonst die großen Musical-Bühnen im In- und Ausland sind. Perfekt begleitet wurden die Gesangssolisten bei ihren Darbietungen von den Musikern der "Rainbow Band".


Der Funke sprang schnell über

Der sprichwörtliche Funke zum Publikum sprang schnell über. Denn schließlich kennt fast jeder seit vielen Jahren die Songs aus "Westside Story", "Starlight Express", "König der Löwen" oder "Tanz der Vampire". Drama, Kult, Gefühl und Spaß wechselten in rascher Folge ab, die ganze Bandbreite des Genres wurde zu Gehör gebracht und durch passende Lichteffekte stilvoll in Szene gesetzt. Das Repertoire erstreckte sich von klassischen Melodien über Balladen sowie Pop und Rock bis hin zum Schlager.

Moderator Wölke verstand es immer wieder geschickt, Daten und Fakten aus der internationalen Musical-Geschichte einzustreuen, die bei den Zuhörern noch nicht so bekannt waren. Da kam dann auch die eine oder andere Anekdote aus Peter Wölkes eigenem Künstlerleben zur Sprache.

Darüber hinaus wurde das Publikum im Kursaal Zeuge einer eindrucksvollen Premiere. Es gab Ausschnitte aus "The Jersey Boys" zu sehen und zu hören. Dieses Stück, das die Geschichte einer Boygroup erzählt, wird momentan in Deutschland noch nicht an einem der bekannten Spielorte aufgeführt.


Optische Ausrufezeichen

Das abwechslungsreiche Programm bot aber keineswegs nur akustische Höhepunkte, sondern setzte auch interessante optische Ausrufezeichen. Besonders beeindruckend gestaltete sich dabei der schnelle Kostümwechsel aller vier Akteure, die mehrfach binnen kürzester Zeit in eine Vielzahl ganz unterschiedlicher Rollen schlüpften. Als Beispiel sei hier nur die Verwandlungen der Nonnen aus "Sister Act" in die temperamentvollen Gospelsänger von "Oh Happy Day" genannt. Diese turbulente Szene hielt dann die Gäste auch nicht mehr auf den Stühlen. Da wurde mitgeklatscht und mitgesungen, die Begeisterung kannte keine Grenzen.


Warum nach Hamburg reisen?

Schon in der Pause war aus den Reihen des Publikums nur positive Resonanz zu hören. "Da muss ich ja nicht mehr nach Hamburg oder Stuttgart, Wien oder London reisen, wenn ich solch ein Spektakel in Bad Brückenau erleben kann", brachte es eine Besucherin auf den Punkt, die schon viele Musical-Darbietungen im In- und Ausland gesehen hat.

Mit Reminiszenzen an "Motown", das berühmteste Plattenlabel der Welt, und an die unverwüstlichen Songs der Bee Gees ging es in den zweiten Teil des fulminanten Show-Abends, bei dem in einigen Passagen auch durchaus stillere Töne angeschlagen wurden. Breiter Raum wurde dabei dem Komponisten Andrew Lloyd Webber gewidmet. Der Brite gilt nicht nur in Fachkreisen als "Musical-Papst", der vor vielen Jahrzehnten dieses Genre mit bis dahin unbekannten Elementen völlig neu belebt hat.


Von Liza Minelli bis Elvis Presley

Die Welt der Stars wurde noch einmal ganz präsent, als die Solisten in die Rollen international renommierter Show-Größen schlüpften. Lynelle Jonsson als Céline Dion. Maria Jane Hyde als Liza Minelli oder Mark Polak als Elvis Presley hatten ihre großen Vorbilder mit Energie und Leidenschaft gekonnt verinnerlicht. Die Stimmung kochte noch einmal über, als alle Akteure das große Finale mit einem temperamentvollen Medley aus dem Musical "We will rock you" gestalteten. Da war es nur konsequent, dass die Interpreten nicht ohne die lautstark geforderte Zugabe von der Bühne gelassen wurden.