Mitarbeiter "sehr aufgebracht": Supermarkt-Kette mit mehr als 70 Filialen insolvent

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Eine Supermarkt-Kette aus Bayern, die es seit 1947 gibt, musste jetzt Insolvenz anmelden. Viele der 3000 Mitarbeiter sind nun laut Verdi voller Angst und Unsicherheit.

Die bayerische Supermarktkette Feneberg hat nach eigenen Angaben beim Amtsgericht Kempten ein sogenanntes Schutzschirmverfahren beantragt. "Ziel ist es, das Unternehmen wirtschaftlich nachhaltig neu aufzustellen – bei laufendem Geschäftsbetrieb", teilte das zum Edeka-Verbund gehörende Allgäuer Familienunternehmen Feneberg Lebensmittel GmbH mit.

Alle Supermärkte blieben geöffnet. Feneberg verfügt über mehr als 70 Filialen in Süddeutschland und dem österreichischen Kleinwalsertal, hauptsächlich im Allgäu und der Bodenseeregion. Mit rund 3000 Angestellten erzielt das Unternehmen einen Jahresumsatz von über 500 Millionen Euro, hieß es.

Update vom 16.01.2026: Verdi spricht nach Insolvenz von "jahrelangem Missmanagement"

Die Gewerkschaft Verdi übt nach dem Bekanntwerden der Insolvenz von Feneberg heftige Kritik. Wie der BR berichtet, sei diese eine Folge von "jahrelangem Missmanagement" bei der Supermarktkette. Die Mitarbeiter des Familienunternehmens befänden sich "in einer Schockstarre aus Angst und Unsicherheit", wird eine Vertreterin von Verdi zitiert. Laut der Allgäuer Zeitung  hatte das Unternehmen bereits 2019 mit wirtschaftlichen Problemen zu kämpfen und damals zeitweise die Gehälter gekürzt. 

Der Sanierungsgeschäftsführer Stefan Leibold hat in einem Gespräch mit dem BR mehrere konkrete Gründe für die Schieflage genannt. Demnach sei jetzt der Verkaufsprozess gestartet. Ob Filialen geschlossen werden müssen, würden letztlich die Gläubiger entscheiden. Hohe Kredite und Pensionsrückstellungen hätten zu Schulden in Höhe von etwa 200 Millionen Euro geführt, wird der Spezialist zitiert.

Kunden wanderten vermehrt zu den Discountern, deutlich seltener landeten Bio-Produkte im Einkaufswagen, so Leibold weiter. Die Kette verkauft unter der Eigenmarke "VonHier" regional erzeugte Lebensmittel - hergestellt "im Umkreis von 100 Kilometern um den Firmensitz in Kempten", wie Feneberg auf seiner Website erläutert. Außerdem gehören zum Sortiment Fertiggerichte unter dem Namen "Gourmella" wie veganes Curry und Bio-Gulasch. Laut BR soll nun um jeden der rund 3000 Arbeitsplätze gekämpft werden. Leibold zeigte gegenüber dem BR Verständnis für die Mitarbeiter, die unter anderem über die aktuell nicht mehr einlösbaren Gutscheine "sehr aufgebracht" seien. 

Erstmeldung vom 13.01.2026: "Bedauern die Umstände": Wie geht es mit der Supermarkt-Kette Feneberg nach Insolvenz weiter?

Ein Schutzschirmverfahren ermöglicht es im Insolvenzrecht Betrieben, die in finanziellen Schwierigkeiten, aber noch nicht zahlungsunfähig sind, sich zu restrukturieren. Die Familie Feneberg hat Stephan Leibold in die Geschäftsleitung geholt, der zuvor bereits bei einem Feneberg-Tochterunternehmen als Sanierungsexperte tätig war.

"In den letzten Jahren wurde bei Feneberg vieles angestoßen, allerdings nicht alles konsequent zu Ende gebracht", sagte Leibold. Spezialisten der Stuttgarter Kanzlei Grub Brugger unterstützen zudem die Sanierung, die im Laufe des Jahres 2026 abgeschlossen werden soll. Das Unternehmen erwirtschaftet laut Südwest Presse (SWP) einen Jahresumsatz von mehr als 500 Millionen Euro. Es handelt sich laut SWP  um einen der größten selbstständigen Akteure im Lebensmittelhandel in Süddeutschland.

Trotz des Optimismus der Sanierungsspezialisten gibt es bereits jetzt ein Ärgernis für viele Kunden. "Bitte beachten Sie, dass aufgrund des aktuellen Schutzschirmverfahrens keine Gutscheine eingelöst werden können", erklärt Feneberg auf seiner Website. Wer noch über Guthaben verfüge, muss sich deshalb mit bestimmten Informationen an eine spezielle E-Mail wenden. "Wir bedauern die Umstände im Rahmen des Schutzschirmverfahrens", heißt es. 

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Vorschaubild: © KI-generiertes Symbolbild/Gemini