Genüsslich bläst Adam Reusch aus Rupboden in seine Pfeife. "Vorsicht bitte am Bahnsteig; der Rhönexpress fährt zu seinem neuen Standort", fügt der 85-Jährige feierlich hinzu. Dann zieht die Seilwinde kurz an und lässt den Triebwagen langsam vom Tieflader auf die Schienen gleiten.

Einen Würdigeren hätte es nicht geben können für die Rückkehr eines "Uerdinger Schienenbusses" auf die stillgelegte Sinntalbahn. Reusch arbeitete vom 17. August 1957 bis 30. Juni 1992 als "Diensthabender Beamter" am Bahnhof Rupboden.

Den letzten Schienenbus verabschiedet

Er erlebte die Zeit bis 1967, als der Güterverkehr unter Dampf fuhr. Als sein Bahnhof wegen der langen, parallelen Gleise als idealer Kreuzungsort für Militärzüge galt, die von Jossa nach Wildflecken oder in die Gegenrichtung fuhren. Als die Station Rupboden ein "Bahnhof für alles" war - mit Fahrkartenverkauf und Wartebereich, mit Gepäck- und Expressgutabfertigung sowie kleinem Weichenstellwerk.

Die Schienenbusse gab es schon, als Reusch anfing. Er war es, der den letzten regulären Triebwagen im Personenverkehr im Mai 1988 "verabschiedete". Keine 150 Meter entfernt wohnt er in einem alten Bahnhäuschen. Ein echter Eisenbahner. "Natürlich hat mich das gefreut, dass man mit 85 Jahren noch in so eine Funktion gestellt wird", sagt er stolz.

Von Auftritt erst kurz zuvor erfahren

Von seinem Glück erfuhr Reusch übrigens erst am Donnerstagmorgen. Da rief ihn der frühere Bürgermeister Wilhelm Friedrich an. Der alte Bahnhofsvorsteher hatte alles für den Termin parat: Mütze, Pfeife und "ZP9", die Signalkelle.

Der Triebwagen, den der einstige Bahnhofsvorsteher begrüßte, wird nie auf der Sinntalbahn fahren. Die etwa 32 Kilometer lange Strecke zwischen Jossa und Oberwildflecken ist seit 2002 stillgelegt, die Gleise entfernt. Seit 2019 verläuft dort - zumindest bis Wildflecken - der "Rhönexpress-Bahnradweg". Und der soll noch attraktiver werden.

Ideengeber wollten Geschichte der Sinntalbahn bewahren

Roland Fischer hatte mit Thomas Hüfner die Idee, einen Schienenbus von der Art, wie er auf der Strecke fuhr, herzuholen. "Als feststand, dass der Radweg entsteht, wollten wir etwas zur Geschichte hinterlassen, das hierher passt."

Sie nahmen Kontakt zu den Betreibern der bei Volkach verkehrenden Mainschleifenbahn auf. 2017 sah Fischer den Triebwagen im Würzburger Eisenbahnmuseum das erste Mal. Er war 1956 in Eschwege gebaut worden und diente der Mainschleifenbahn als Ersatzfahrzeug. Ob der Schienenbus jemals auf der Sinntalbahn gefahren ist, weiß Fischer nicht.

Damals fehlte das Geld, um den Waggon zu erwerben. Doch jetzt, als Projekt der Gesamtgemeinde, gelang es.

Glückliche Fügung vor dem Jahreswechsel

Dabei spielte den Organisatoren das Glück in die Karten. Plötzlich wollte man in Würzburg das Gefährt loswerden; Fischer vermutet aus Platzgründen. Der Gemeinderat machte den Weg für die Anschaffung frei; das Amt für Ländliche Entwicklung stellte eine hohe Förderung in Aussicht. Die Kosten für Kauf, Transport und spätere historische Ausgestaltung werden im fünfstelligen Bereich liegen. Die Transportfirma erwirkte noch vor Jahreswechsel eine Genehmigung (danach wäre es viel teurer geworden).

Und so luden Schwerlastkräne das gute Stück am Donnerstagmorgen auf einen Tieflader; der brachte es über Karlstadt, Gemünden, Hammelburg und Bad Brückenau nach Rupboden. Dort erfolgte das Abladen vor rund 50 Zuschauern eher unspektakulär per Seilwinde. Bürgermeister Matthias Hauke sieht in dem Waggon ein "Aushängeschild für die Strecke", das viele anlocken werde.

Anstrengendes Kapitel

"Bitte noch nicht einsteigen", sagt Reusch, als der Wagen auf den Schienen steht. Für Fischer endet das anstrengende Kapitel der Beschaffung. Die Ausgestaltung als Museum folgt. Eine gastronomische Nutzung zusammen mit dem Bahnhof ist angedacht. Bis dahin bleibt der etwas in Mitleidenschaft gezogene, fensterlose Schienenbus als Schutz vor der Witterung mit einer Plane verhüllt.