Idyllisch liegt das Grundstück mit den großen Obstbäumen am Ortsausgang von Breitenbach. Schattenspendende Bäume, schützende Hecken, eine große Wiese und ein herrlicher Fernblick zeichnen das Areal aus. Im unteren Teil hat der Imkerverein Bad Brückenau vier Freiständer aufgestellt. Sie gehören zum neuen Lehrbienenstand des Vereins. Anfang des Jahres hatte der Imkerverein einen öffentlichen Aufruf gestartet. Gesucht wurde im Altlandkreis Bad Brückenau ein geeignetes Grundstück, um einen Lehrbienenstand aufstellen zu können. Eine Reihe an Angeboten gingen beim Imkerverein ein, doch am Ende war es Christian Benkert, ein leidenschaftlicher Imker, der das Grundstück am Ortsrand von Breitenbach ausfindig machte.

Schon früher ein Bienenstand

Schon in früherer Zeit gab es auf diesem Grundstück einen Bienenstand, das alte Haus steht  wie verwunschen unter den Bäumen. Mit dem Eigentümer wurde der Verein schnell einig, und so wird die Obstwiese nun wieder Bienenvölkern zur Verfügung stehen. 600 Quadratmeter hat der Imkerverein Bad Brückenau gepachtet. Die Wiese bei Breitenbach ist einer von zwei Standorten. Ein weiteres, kleineres Grundstück hat der Imkerverein in der Nähe von Eckarts gepachtet. Dort stehen allerdings nur zwei Bienenhäuser. Vier Freiständer wurden in Breitenbach aufgestellt. Bei Freiständern handelt es sich um nicht begehbare, schrankähnliche Konstruktionen für die Unterbringung der Bienenkästen. Bis zu vier Völker können in einem Freiständer einziehen. Sie bleiben während des ganzen Jahres auf der Wiese und dienen der Aus- und Fortbildung von  Vereinsmitgliedern sowie Imkerkollegen und natürlich der Schulung von Jungimkern.

Mitgliederzahl fast verdoppelt

Der Imkerverein Bad Brückenau wuchs in den vergangenen fünf Jahren von 40 auf 75 Mitglieder an. "Wir haben uns beinahe verdoppelt", freut sich Karin Schmidt über das Interesse an der Imkerei "Es sind überwiegend Menschen Mitte 30, die sich für Imkerei interessierten." Sie erklärt sich das gestiegene Interesse an der Imkerei mit einem steigenden Interesse für Natur- und Umweltschutz, Ernährung, bewusster Lebensweise und bewusstem Konsum. "Beruf, Haus, Kinder und nun ist Zeit für ein Hobby." Aber warum ausgerechnet Imkerei? Der Bienenfachwart und Bienensachverständige Christian Benkert lacht: "Ein bisschen verrückt muss man schon auch sein. Wir können unsere Tiere nicht streicheln und der Jahresurlaub eines Imkers richtet sich nach der Imkersaison." Lohn der Mühe sei nicht nur köstlicher Honig sondern auch die Gewissheit , aktiven Naturschutz zu betreiben.

Die Bestäubungsleistung der Honigbienen in der Landwirtschaft sei ein wichtiger und nicht zu unterschätzender Faktor, einerseits für die Biodiversität wie auch aus wirtschaftlicher Sicht. Eine Honigbiene habe einen Flugradius von drei Kilometern. Ein Imker habe zudem einen anderen Blick für die Natur und gestalte seinen Garten in der Regel auch bienenfreundlich mit Blühflächen rund ums Jahr.

Gewinn erst nach fünf Jahren

Allerdings sei Imkerei auch ein Hobby, das Investitionen erfordere. "In den ersten fünf Jahren bleibt nichts übrig" berichtet Karin Schmidt aus eigener Erfahrung. Jonas Jäger (Detter) fing als 13-Jähriger mit der Imkerei an. Seitdem habe ihn die Leidenschaft für dieses Hobby nicht mehr losgelassen. Mit einer Art "innerer Einkehr" vergleicht er die Arbeit mit den Bienen. Es sei der perfekte Ausgleich zum Beruf. "Ich kann vom Alltag abschalten, es ist ein schönes Hobby."

Eva Reichert-Nelkenstock (Zeitlofs) hat vor vier Jahre mit der Imkerei begonnen. "Ich wollte schon immer Bienen haben, aber nicht im Garten wegen unserer vier Kinder. Jetzt sind die Kinder aus dem Haus und ich habe am Probeimkern teilgenommen." Ihr erstes Bienenvolk hat Reichert-Nelkenstock geschenkt bekommen. "Ich bin für die Unterstützung sehr dankbar.

Schulungen ab 2022

Schulungen am Lehrbienenstand bei Breitenbach sollen mit festen Terminen ab 2022 stattfinden. Dabei wird es um alle Themen rund um die Imkerei gehen, um Haltung, Vermehrung und Züchtung von Honigbienen sowie mit der Produktion von Honig und weiterer Bienenprodukte. Aber auch das Erkennen von Krankheiten spiele natürlich eine Rolle. Die Honigernte finde allerdings nicht auf dem Grundstück statt, sondern bei Karin Schmidt oder weiteren Vereinsmitgliedern zu Hause, wo die Hygieneauflagen beachtet werden können.

Hanse-Haus ist Sponsor

Der Lehrbienenstand soll einerseits dazu dienen, Fachwissen zu vermitteln , aber auch Schulen und Kindergärten als Ausflugsziel offenstehen, um Kinder und Jugendliche schon früh mit Umwelt- und Naturschutzthemen hautnah in Kontakt zu bringen. Dank der Großzügigkeit der Firma Hanse-Haus und des Regionalbudgets des Amtes für ländliche Entwicklung und der Brückenauer Rhönallianz konnte der Lehrbienenstand angeschafft werden. Neben den Freiständern gibt es noch eine kleine Gerätehütte für Imker-Untensilien und Schulungsmaterial. Für das nächste Frühjahr plant der Verein mit bienenfreundlichen Pflanzen eine Musterfläche anzulegen. Derzeit betreuen die Imker des Imkervereins Bad Brückenau über 400 Bienenvölker, das sind mehr als 20 Millionen Bienen. Darüber hinaus engagiert sich der Imkerverein Bad Brückenau bei der Anlage und dem Erhalt von Blühflächen, bei Projekten in Schulen und Kindergärten sowie bei Regionalmärkten und Veranstaltungen. Kontakt:  Vereinsvorsitzende, Frau Karin Schmidt an, Tel. 09741 6142 oder Email info@imkerverein-bad-brueckenau.de .