Es sah zunächst nicht danach aus, die Kulturszene in der Kurstadt in der Corona-Krise wiederzubeleben, aber es gelang - zumindest in einem kleinen Rahmen. Die Schüler der August-Kömpel-Musikschule gaben zum Abschluss des Schuljahres noch ein Konzert. Lehrer Christian Hirschler bedankte sich bei allen Mitwirkenden. Obwohl Corona direkten Unterricht zeitweilig unmöglich gemacht hatte, haben alle in der kurzen, verbliebenen Unterrichtszeit dazugelernt.

In den Räumen der Galerie Form+Farbe waren im Publikumsbereich kleine Tische aufgestellt, an denen die Künstler mit ihren Eltern Platz nahmen. Während einer Konzertpause wurde gelüftet. "Wenn das die Auflagen sind, ist es zwar nicht toll, aber möglich", sagt Hirschler. Ihm war es wichtig, seinen Zöglingen noch in diesem Schuljahr eine Konzerterfahrung zu ermöglichen. Das Konzert wurde nicht beworben, da die Zuhörerzahl entsprechend der Räumlichkeiten begrenzt werden musste.

Im Frühjahr hatte Christian Hirschler den totalen Leerlauf erlebt - die Ausgangsbeschränkungen in der akuten Phase der Corona-Krise ließen Klassenzimmer und Probenräume in der Musikschule verwaist zurück. Auch der Lehrer wartete sehnsüchtig auf die Lockerungen und die Rückkehr seiner Band-Schüler. Das Band- und Konzertprojekt "Young Beats" hatte sich schnell und deutlich als Volltreffer erwiesen: "Das ist genau das, was die Schüler und ich brauchen", meint Hirschler. Er hatte 2006 das Projekt initiiert und stieß damit auf offene Ohren bei Daniela Wagner, der Leiterin der Musikschule. "Schüler und auch Erwachsene haben das Bedürfnis, Musik in der Gruppe zu machen", erklärt er. Das war der Grund, warum zunächst eine Band genehmigt wurde. Inzwischen leitet Hirschler vier Jugendbands plus eine Band mit erwachsenen Mitgliedern.

Gerne bewilligte Musikschulleiterin Daniela Wagner das Projekt, stellt es doch "eine Ergänzung zum Unterrichtsangebot und ein besonderes Ensemble-Angebot im Bereich Rock und Pop" dar. Aber auch der Trägerverein der Musikschule musste sein Okay geben, er regelt die Finanzierung des musikalischen Betriebs. Teils kann die Musikschule durch die Unterrichtsgelder das Band- und Konzertprojekt unterstützen. Der andere Teil wird durch die Eigeninitiative der Schüler und ihrer Eltern abgedeckt. Sie übernehmen die Bewirtung bei den Konzerten des Kammerorchesters und tragen so zur Finanzierung des Projekts bei.

Die Kinder haben sich laut Hirschler im Bandprojekt auch persönlich weiterentwickelt. Waren sie bei ihren ersten Auftritten ängstlich und blockiert, präsentierten sie sich ein paar Konzerte später gelöst und selbstbewusst. "Ich hatte nicht damit gerechnet", sagt Hirschler. Mittlerweile ist die Konzert-Komponente das Wichtigste für den Lehrer: "Konzerterlebnisse bringen Kinder weiter. Sie kommen größer raus, als sie reingegangen sind." Die Konfrontation mit den eigenen Ängsten, dem eigenen Mut, dem Publikum, Versagen und Erfolg trage enorm zur Persönlichkeitsentwicklung bei.

Außerdem sei die Vorbereitung auf ein Konzert langfristig zu sehen. Die Detailarbeit um ein Stück zu verbessern, bei einer Sache zu bleiben, durchhalten - "Das kann nur zu Erfolg führen", meint er. "Wie lerne ich, wie löse ich Probleme, wie arbeite ich? Das sind die eigentlichen Lernziele?" Das gilt für Solisten wie für Bandmitglieder gleichermaßen. Und: "Jeder muss einfach die Energie vor Publikum spüren." Ein Konzert sei mit dem Üben zuhause nicht vergleichbar, auch wenn das Üben für ein Konzert unerlässlich bleibt.

Auch die Schüler hätten einen konzertlosen Ausklang des Schuljahres nicht toll gefunden: "Wir wollen auch zeigen, was wir können", sagt Jonas. Seine Mutter Claudia ergänzt: "Sie haben auf das Konzert richtig hin gefiebert". Dana wäre enttäuscht gewesen, wenn Üben und die viele Vorbereitung auftrittslos geblieben wären.

Die familiäre Kleinkunst-Atmosphäre war neu, die jungen Schüler hatten schon vor mehr Publikum gespielt. Doch mit weniger Zuhörern waren Dana und Fiona auch weniger aufgeregt. Letztendlich war es "egal, wie viele Leute im Publikum sitzen. Hauptsache, ich kann Musik machen", sagt Fiona. Das gelang den Jung-Musikern Inci, Dominik, Jonas, Celine, Anne, Kevin, Paul, Laura, Fiona, Johann, Dana, Emilio, Julian, Sascha und Fabian. Ihnen war begeisterter und ehrlicher Applaus sicher.

Und ja: es wurden Fehler gemacht. Ein Einsatz kam zu spät, Töne lagen daneben, Textpassagen wurden vergessen - was soll´s? Der Freude und auch dem Kunstgenuss tat es keinen Abbruch. Sowohl Schüler, als auch Lehrer und das Publikum haben das Konzert nach der langen veranstaltungsfreien Zeit genossen.

INFO: Für die Teilnahme am Konzert- und Bandprojekt "Young Beats" gibt es nur die Voraussetzung, Schüler der Musikschule zu sein, egal welches Fach gewählt wird. Informationen gibt es bei Daniela Wagner unter Tel.: 09741/3541 und per E-Mail.: musikschule-brk@t-online.de.