Wallfahren begeistert die Menschen. Rund 100 Christen pilgerten von Eltingshausen zur Talkirche bei Münnerstadt, um in Gebeten, Texten und Liedern sich mit Lob, Dank und Bitten Gott anzuvertrauen und die Gemeinschaft im Unterwegssein zu erleben.
Vor drei Jahren hatten sich erstmals Gläubige auf den 15 Kilometer langen Weg gemacht. Initiator war Joachim Danz. "Damals war die Pfarrstelle in der Pfarreiengemeinschaft Immanuel verwaist.
In Absprache mit Pfarradministrator Edwin Ziegler bereiteten wir das Angebot vor. Der Zuspruch ermutigte uns im Pfarrgemeinderat, den Versuch zu wagen. Die Strecke ist nicht zu lang und auch für Kinder und Ältere zu schaffen." Die Resonanz aus dem Ort und der Umgebung sei recht gut gewesen. "Selbst eine Musikgruppe kam zustande, um das Singen unterwegs zu fördern", erinnert sich Danz.
Daneben habe sich herausgestellt, dass vielen Bewohnern unbekannt war, dass durch Eltingshausen von der Terzenbrunnkapelle kommend der fränkische Marienweg zur Talkirche verläuft, den Pfarrer Josef Treutlein einst über die Diözese entwickelt hat.
Der Pfarrgemeinderat machte damals mit, um in der Kirchengemeinde neue Impulse zu setzen. Vorsitzende Sabine Werner setzte sich für die weitere Organisation mit Fahnen und Lautsprecher ein und übernahm die Leitung der Musikanten.


Musikanten marschieren mit

Im Vorjahr stieg die Teilnehmerzahl bereits auf 80 Personen. "Das hat uns ermutigt, weiter für die Wallfahrt zu werben. Als Termin hat sich der erste Sonntag im September zum Fest Maria Geburt bewährt. Wir freuen uns, dass sich aus den Nachbarorten viele Wallleut anschließen", wertete Sabine Werner und wies darauf hin, dass diesmal bereits zehn Musikanten, unter ihnen Bürgermeister Franz Kuhn, mitspielten.
Bei bedecktem Himmel brachen die Pilger von der Pfarrkirche St. Martin mit dem Lied "Beim frühen Morgenlicht" auf. Voran trug Helmut Körner eine Marienfahne, die früher Bittprozessionen begleitete und zuletzt viele Jahre in einem Schrank in der Sakristei fast verborgen hing.


Stationen der Besinnung

Bei einem ersten kurzen Halt an einem Bildstock im Wiesenweg griff Wallfahrtsleiter Joachim Danz mit dem Evangelium vom barmherzigen Vater das Thema des Heiligen Jahres in der katholischen Kirche auf und regte an, über die Rollen des Vaters und der beiden Söhne auf dem weiteren Weg nachzudenken.
An weiteren Haltepunkten und unterwegs ergänzten das Gleichnis vom barmherzigen Samariter, die Rolle des Moses in der Ost- und der römischen Kirche, Ausschnitte aus den Ordensregeln der Benediktiner und das Engagement von Mutter Teresa, die an diesem Tag in Rom heilig gesprochen wurde, die Intention der Wallfahrt. Nach der Rast am Talhof kamen alle, obwohl es ab der Schwarzen Pfütze zu regnen begann und ab Waldsiedlung heftiger schüttete, wohlbehalten an. Auf den letzten Kilometern schloss der Himmel seine Schleusen, und die Sonne zeigte gar noch.


Einst eine Einsiedelei

"Die Talkirche, umgeben von herrlicher Natur, ist ein Kleinod, das viele Menschen wie bei Hubertusmessen oder Familienfeiern schätzen. Der Ort geht auf eine Einsiedelei zurück. Der letzte Eremit war ein Eltingshäuser namens Johann Melchior Werner, der Ende des 18. Jahrhunderts hier lebte.
Die Kirche mit ihrer barocken Ausstattung wurde vor genau 300 Jahren eingeweiht", informierte Danz zur Gebetsstätte, in der die Teilnehmer eine Andacht feierten. In seiner Betrachtung wertete er die Barmherzigkeit als zentrales Thema im Christentum. In der Bergpredigt fordere Jesus dazu auf, barmherzig zu leben. Beispielhaft habe Maria im festen Vertrauen auf Gott viele Zeichen gesetzt, die Haltung im Alltag zu praktizieren. "Diesem Ansatz von unten sollten wir uns anschließen wenn es gilt, Einsamen, Armen, ungerecht Behandelten, vom Schicksal Heimgesuchten, Mutlosen und Unverstandenen zu helfen", ermutigte Danz die Wallfahrer. Eingeflochten waren Bittgebete, die in den Tagen zuvor in einem Sammelkasten in der Kirche eingegangen waren.


Im kommenden Jahr wieder dabei

Zum Ausklang trafen sich die Teilnehmer im Jugendheim, um bei sich Kaffee und Kuchen, organisiert vom Pfarrgemeinderat, auszutauschen. "Im nächsten Jahr sind wir wieder dabei", war vielfach zu hören, "und wir werden im Freundes- und Bekanntenkreis werben, ebenfalls mit zu pilgern."