Im Leben braucht es immer eine kleine Portion Glück - die hatte Anita Haub, als sie 2014 in den Gemeinderat gewählt wurde. Eigentlich war Werner Herterich in das Amt gewählt worden. Der hatte aber abgelehnt, weil er damals noch Vorsitzender des Heimatvereins war. "Dann war die Entscheidung zwischen mir und einer anderen Frau. Also haben wir gelost - und ich habe gewonnen", erzählt die 68-Jährige. Nun schließt sich der Kreis: Zum Ende des Jahres hört Anita Haub aus gesundheitlichen Gründen im Gemeinderat auf. Werner Herterich wird sie ersetzen.

Ein Bekannter habe sie damals angesprochen, ob sie sich vorstellen könne, auf die Liste des Bürgerblocks zu gehen. Sie hatte die nötige Zeit und das politische Interesse für das Amt.

"Wichtig ist, dass man gut vorbereitet ist. Wir haben uns vor den Sitzungen immer getroffen und alles durchgesprochen", erzählt sie. Am Anfang war die Nüdlingerisogar immer zu den Grundstücken gefahren, um guten Gewissens über Bauangelegenheiten entscheiden oder noch mal eine Nachfrage stellen zu können.

In ihrer letzten Sitzung verlor sie noch ein paar Worte. Die Arbeit sei interessant und vielseitig. Sie habe Einblicke in gesetzliche und verwaltungstechnische Zusammenhänge bekommen. "Und man stellt im besten Fall Weichen für eine lebenswerte Zukunft im Ort." Die Lehrgänge habe sie genossen. "Da habe ich auch gelernt, es ist enorm wichtig, immer über den Tellerrand hinauszuschauen. Und ein Satz, den man nie verwenden sollte, lautet: Das haben wir schon immer so gemacht."

Das sei ganz wichtig, verrät sie im späteren Telefonat: "Immer den längeren Zeitraum im Blick haben. Wie kann sich das in der Zukunft auswirken, was ist zu beachten. Und wo müssen wir jetzt schon was tun."

Frieden noch nicht gefunden

Als ehemalige Sprecherin der Bürgerinitiative für eine Umgehungsstraße hat Anita Haub ihren Frieden mit der Entscheidung noch nicht gefunden. Die Kommune habe die Planungen jahrzehntelang in der Schublade gehabt, damals sei die Zeit gewesen, die Umgehungsstraße in die Verkehrswegeplanung zu bekommen. Die findet nur alle 15 Jahre statt. "Auf Facebook bin ich auch persönlich angegriffen worden." Das ging unter die Haut. Gerne hätte sie das ein oder andere einfach im Gespräch geklärt. "Ich akzeptiere andere Meinungen ja, aber da ist vieles schief gelaufen."

Sie dankte ihrer Fraktion. "Ich finde, wir waren ein tolles Team." Der Ersatz für ein Abschiedsessen mit dem Gremium war eine kleine Tüte mit Brotzeit und an die Vorlieben der Mitglieder angepasste Getränke. Ihre Arbeit im Obst- und Gartenbauverein wird sie fortführen. Dort hat sie mit den Kindern im Schulgarten angesät, Experimente gemacht oder Insektenhotels gebaut.

Bürgermeister Harald Hofmann bedauert, dass Anita Haub ihr Amt niederlegt: "Frau Haub hat im Gemeinderat ihre Positionen immer mit einer sachlichen und fairen Argumentation vertreten. Das rechne ich ihr persönlich sehr hoch an."