Der anhaltende Regen lässt nicht nur das Grundwasser ansteigen, sondern bringt in Verbindung mit Wärme und Wind vor allem den Schnee vergangener Tage zum Schmelzen. Momentan seien alle Flüsse in Franken zwar noch aufnahmefähig, doch am Wochenende können vor allem kleinere und mittlere Flüsse das Hochwasserstadium erreichen, warnen die Fachleute.

"Der Schnee schmilzt auch in der Hochrhön", sagt Leonhard Rosentritt, Leiter des Wasserwirtschaftsamtes in Bad Kissingen. "Doch Grund zur Sorge vor extremem Hochwasser gibt es nicht." Zum Redaktionsschluss am Donnerstagabend stand der Wasserpegel noch unter zwei Meter über Normalnull, also deutlich unter der Meldestufe 1 mit einem Pegelstand von 2,50 Meter. "Am Wochenende könnten wir in der Fränkischen Saale aber die Meldestufe 2 erreichen oder überschreiten", vermutet Rosentritt dennoch. Damit würde dann der Pegelstand um drei Meter erreicht, wie es in fast jedem Winter mal der Fall ist. Bei dieser Stufe sind keine Wohnhäuser gefährdet, "aber leichte Ausuferungen der Saale dürfte es geben", weiß der Fachmann. Die Saale-Auen und das Flugplatz-Gelände stehen dann etwas unter Wasser. "Im Luitpoldpark könnten sich die Spaziergänger nasse Füße holen." Auch der Rosengarten könnte bei Überschreiten der Meldestufe 2 betroffen sein.

"Nur eine Vorwarnung"

Auf diesen Fall, dass der Rosengarten von Hochwasser bedroht ist, sind die Verantwortlichen bei der Stadt längst vorbereitet. "Vorerst haben wir nur eine Vorwarnung für Hochwassergefahr", informiert Alexander Pusch, Leiter Abwasserbetrieb und Hochwasserschutz der Stadt. Doch da am Wochenende Meldestufe 2 erreicht werden kann, wird er vorsorglich am heutigen Freitag in den Durchlässen der Hochwasserschutzmauer die Stützen für die später nachzurüstenden Tore einbauen lassen. "Die Durchgänge in den Rosengarten bleiben aber vorerst für die Spaziergänger noch offen." Nur am Tor nahe dem Hallenbad wird noch auf die Torstützen verzichtet, um dort die Durchfahrt für Rettungsfahrzeuge freizuhalten. Dieses Tor wird erst bei höherem Pegelstand geschlossen.

Sollte das Hochwasser entgegen der aktuellen Wetterprognose weiter steigen, stehen in der städtischen Hochwasserschutzhalle an der Kläranlage Fahrzeuge bereit, die bereits mit den silbernen Dammbalken, den mobilen Teilen der modularen Hochwasserschutzwand, beladen sind. Pusch: "So können wir erste Sofortmaßnahmen mit so wenig Personal und Aufwand wie nur möglich je nach Situation und Erfordernis ausführen."

Teams arbeiten versetzt

Für den Hochwasserschutz stehen der Stadt insgesamt 250 Stützen zur Verfügung, die regelmäßig schon vor dem ersten Frost eingesetzt werden, sowie 2300 Dammbalken. Jetzt zur Corona-Zeit hat Alexander Pusch beim Aufbau der Schutzwand ein spezielles Problem: Wegen der gebotenen Abstandswahrung müssen seine Teams räumlich und zeitlich versetzt arbeiten, um körperliche Nähe zu vermeiden. Dies und noch mehr ist Bestandteil des ausgefeilten Hochwasserschutzplanes, für dessen ordnungsgemäße Durchführung er verantwortlich ist. Doch am kommenden Wochenende wird dieser Einsatz nicht notwendig werden, ist er sich mit dem Leiter des Wasserwirtschaftsamtes einig. Selbst wenn das Saale-Wasser wider Erwarten höher steigen sollte, beruhigt Pusch: "Wir sind dem Hochwasser immer einen Schritt voraus."