Die Pflegesituation im Freistaat Bayern ist angespannt: Mit den Corona-Fallzahlen nimmt auch die Anzahl der Quarantänemaßnahmen in Pflege- und Seniorenheimen sowie in Einrichtungen für Menschen mit Behinderung zu. Der Personalmangel wird so weiter verschlimmert und bringt so manche Einrichtung an ihre Grenzen. Der Ärztepräsident warnte zuletzt vor der Überlastung des deutschen Gesundheitssystems.

Auch im Landkreis Ansbach sind Pflege- und Seniorenheimen sowie Einrichtungen für Menschen mit Behinderung von der Corona-Pandemie betroffen. Hier hat sich die Lage so zugespitzt, dass sich das Landratsamt mit der Bitte um Hilfe an die Öffentlichkeit gewandt hat.

Ansbacher Pflegeeinrichtungen bitten um Hilfe

Quarantänemaßnahmen sind demnach ein notwendiges Mittel zur Eindämmung von Neuinfektionen und zum besseren Schutz der Pflegebedürftigen. Seitdem diese Maßnahmen jedoch immer häufiger notwendig werden, spitzt sich die Personalsituation weiter zu. Zur Entspannung der Lage und zur Unterstützung der vorhandenen Pflegekräfte werden nun Frauen und Männer mit einer Berufsausbildung im pflegerischen Bereich gesucht.

Dr. Franziska Lenz, Leiterin des Gesundheitsamtes für den Landkreis Ansbach und der Stadt Ansbach appelliert an die Bevölkerung: „Wenn Sie über eine pflegerische Ausbildung verfügen, momentan aber nicht in diesem Bereich tätig sind, dann unterstützen Sie uns bei der Bewältigung dieser für uns alle sehr belastenden Situation. Für Ihre Bereitschaft und Ihr Engagement danken wir Ihnen.“

Der Aufruf richtet sich an Pflegepersonal für Kranken- und Altenpflege, Pflegeassistenten und -helfer, medizinische Angestellte und Betreuungspersonal für Menschen mit Behinderung. Wer helfen möchte, kann sich unter der Telefonnummer 0981/468-7410 bzw. 7411 oder per E-Mail an pflegepool@landratsamt-ansbach.de melden.

Corona-Infektionen in mehreren Senioren- und Pflegeheimen

Doch nicht nur in Ansbach breitet sich das Coronavirus in Pflegeheimen aus. Eine Einrichtung im unterfränkischen Ochsenfurt (Landkreis Würzburg) hat es beispielsweise schwer getroffen. Am Dienstag (02.11.2020) meldete das Landratsamt 76 positive Befunde von Bewohnern und Mitarbeitern. Das betroffene Haus stehe unter Quarantäne. Als Gegenmaßnahme wurden die positiv getesteten von den negativ getesteten Personen getrennt.

Bereits im Frühjahr erging es dem Seniorenheim St. Nikolaus in Würzburg ähnlich. Schon damals hatte die Region schmerzlich erfahren müssen, wie schnell sich das Coronavirus in Heimen ausbreiten kann: In zwei Senioreneinrichtungen starben innerhalb von etwa zehn Wochen insgesamt 40 Bewohner an Covid-19. Weitere bekannte Fälle dieser Art gab es in der Region unter anderem in den Seniorenheimen in Etzelskirchen (Kreis Erlangen-Höchstadt) und in Langenzenn (Landkreis Fürth).

Die Vereinigung der Pflegenden (VdPB) in Bayern kritisierte in der vergangenen Woche, dass es seit dem Frühjahr keine Verschnaufpause für das Pflegepersonal gegeben hätte. "Die ohnehin dünne Personaldecke führt schon heute dazu, dass Pflegende trotz Infektion weiterarbeiten müssen, um die Versorgung zu gewährleisten", heißt es in einer Mitteilung der VdPB. "Es steht zu befürchten, dass sie diese massivere zweite Coronawelle nicht mehr durchstehen werden."

Bayerns Staatsregierung widerspricht währenddessen der Auffassung der Vereinigung der Pflegenden. Wie ein Ministeriumssprecher am Montag mitteilte, sehe das Gesundheitsministerium bislang noch keinen Engpass beim Pflegepersonal.

Krankenhäuser warnen vor personellem Engpass

Anders als manche Pflegeheime, sind bayrische Krankenhäuser derzeit noch in der Lage, besonders betroffene Patienten gut zu versorgen. Wie Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) jedoch anmerkte, müsse klar sein, dass ausreichende personelle Kapazitäten nötig seien, um vorhandene Intensivbetten auch tatsächlich belegen zu können. Ihr Ministerium stehe mit Bundesgesundheitsminister Jens Spahn in Kontakt. 

Sollte keine Lösung für den Personalmangel gefunden werden, so droht nach Einschätzung der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) ein Ausfall von rund 20 Prozent der Intensivbetten. ms/mit dpa