Eine Vorentscheidung könnte in der Sitzung der CDU-Gremien nächste Woche Montag fallen. Vorher will Merz zunächst Gespräche mit den Landesvorsitzenden der CDU, aber auch mit der CSU führen. Ziel ist es, möglichst bis dann zu einem gemeinsamen Vorschlag der Unionsparteien zu kommen, der aber auch mit der SPD abgestimmt sein sollte, die man für eine Mehrheit zwingend braucht.
Einzelne CDU-Kreisvorsitzende mit Sympathien für Aigner
Die Frage ist nun, ob sich die CDU mit dem Vorschlag der kleineren Schwesterpartei CSU anfreunden kann oder versucht, eine Frau aus den eigenen Reihen durchzusetzen.
Einzelne Kreisvorsitzende zeigten Sympathien für Aigner. «Ich würde das mit unterstützen, wenn das der Vorschlag wäre», sagte der Dresdener Kreischef Ingo Flemming. Auch der Bundestagsabgeordnete Bastian Ernst, Kreischef in Oldenburg-Land, meinte schon der Konferenz, Aigner wäre «in jederlei Hinsicht eine sehr geeignete Bundespräsidentin».
Christian Carmienke, Kreisvorsitzender im niedersächsischen Lüchow-Dannenberg, sprach sich ebenfalls für die bayerische Landtagspräsidentin aus. «Man hätte diesen Vorschlag frühzeitig aufgreifen und gemeinsam vorantreiben sollen, statt eine lange Debatte entstehen zu lassen», sagte er.
Merz legte sich monatelang nicht fest
Merz hatte schon im August 2025 Sympathien für eine Frau an der Staatsspitze erkennen lassen. «Ich kann mir das sehr gut vorstellen, dass wir 2027 eine Frau zum ersten Mal in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland zur Bundespräsidentin wählen. Das wäre gut», sagte er damals.
Er legte sich danach aber monatelang nicht fest. Im April brachte dann CSU-Chef Markus Söder Aigner ins Gespräch und die Debatte über die Steinmeier-Nachfolge damit in Gang. So richtig in Fahrt kam sie aber erst mit dem CSU-Parteitag am vorletzten Wochenende, bei dem Aigner gefeiert wurde.
Keine Palast-Revolution der Kreisvorsitzenden
Die Ansage des Kanzlers zur Präsidenten-Frage war zwar die große Nachricht bei der Konferenz in Berlin. Die Kreischefs interessierten sich aber eher für andere Themen: Es ging um den Zustand der Koalition und das Verhalten der Sozialdemokraten, das von vielen in der Union als Blockade empfunden wird. Es wurde nach Teilnehmerangaben aber auch Kritik an nicht eingehaltenen Wahlversprechen und an der Kommunikation der Parteiführung laut.
«Da ist Dampf im Kessel», sagte der CDU-Chef des Kreises Oberhavel, Frank Bommert. Zu einem echten Aufstand der Basis kam es aber nicht. «Wer auf Palast-Revolution gehofft hat, wird enttäuscht», sagte ein Kreisvorsitzender aus dem Südwesten der dpa.
Teilnehmer berichteten, dass die Auseinandersetzung zu Beginn der Tagung mit Generalsekretärin Franziska Hoppermann deutlich heftiger war als später mit Merz. Der Kanzler nahm sich für die Diskussion doppelt so viel Zeit wie ursprünglich geplant - drei Stunden statt 90 Minuten. Er sei mit der Kritik «relativ souverän» umgegangen, hieß es.
Merz mit Blick auf AfD: Koordinatensystem wird nicht verändert
Merz sagte in seiner Rede nach Teilnehmerangaben, im nächsten Jahr müsse eine Grundentscheidung getroffen werden, wo die CDU zu verorten sei. «Aber eins ist gewiss: Wir werden das Koordinatensystem der CDU nicht verändern», sagte er mit Blick auf die Abgrenzung zur AfD.
Zur Lage in der Koalition sagte Merz, dass der Koalitionspartner SPD in großen Fragen anderer Meinung sei als die Union. Aber die Schnittmenge sei groß genug, um das Land in schwierigen Zeiten zu führen.