Während sich Serhij K. in Italien noch gegen seine Auslieferung wehrte, war in Polen Ende September 2025 sein mutmaßlicher Komplize Wolodymyr Z. gefasst worden. Er saß zeitweise in Untersuchungshaft, am Ende lehnte die polnische Justiz den deutschen Auslieferungsantrag aber ab. Polens Regierungschef Donald Tusk hatte zuvor betont, es liege nicht im Interesse seines Landes, den Mann anzuklagen oder an einen anderen Staat auszuliefern. Die politische Führung Polens war stets gegen den Bau der Pipeline.
Wie Kroatien zu den Nord-Stream-Anschlägen steht
Vor dem Hintergrund der damals gescheiterten Auslieferung stellt sich nun die Frage, ob Kroatien Wolodymyr Z. nach Deutschland überstellen wird. Kroatiens konservativer Ministerpräsident Andrej Plenković, der die Außenpolitik des EU-Landes an der Adria allein bestimmt, hat sich nie konkret zu den Nord-Stream-Anschlägen geäußert. Seine Regierung trug allerdings die Entschließung des Europäischen Rates vom Oktober 2022 mit, wonach das Gremium die «Anschläge auf die kritische Infrastruktur wie die gegen die Nord-Stream-Pipelines scharf verurteilt».
Die Haltung von Plenković zu Nord Stream änderte sich nach der russischen Invasion in der Ukraine merklich. Davor vermied er Kritik an der Nordsee-Pipeline, wollte wohl auch die Linie der damaligen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) nicht infrage stellen. Nach Beginn des Kriegs gegen die Ukraine, den er bis heute scharf verurteilt, drang er jedoch darauf, dass sich Europa von russischen Energieimporten unabhängig machen müsse. Kroatien nahm Anfang 2021 den Flüssiggas-Terminal auf der Insel Krk in Betrieb, womit sich das Land weitgehend und ab etwa 2024 vollständig von russischen Gasimporten abkoppelte.
Wann über die Auslieferung entschieden wird
Die Festnahme von Wolodymyr Z. auf der Grundlage eines Europäischen Haftbefehls lässt erwarten, dass seine Auslieferung nach Deutschland relativ zügig erfolgen wird. Der Verdächtige hat die Möglichkeit, seine Auslieferung vor dem Gespanschaftsgericht in Pula zu bekämpfen. Nach kroatischer Rechtslage muss das Verfahren - einschließlich eventueller Berufung - innerhalb von 60 Tagen abgeschlossen sein.
Nach dem rechtskräftigen Urteil muss die Übergabe innerhalb von zehn Tagen erfolgen. Weil es sich um einen Europäischen Haftbefehl handelt, hätte die Zagreber Regierung - wenn sie etwa wie die polnische mit den Anschlagsbeteiligten sympathisieren würde - kaum eine Handhabe, um in das Verfahren einzugreifen. Es wird aber auch nicht erwartet, dass sie das anstreben würde.
Wadephul: Justiz hat «absolut freie Hand»
Außenminister Johann Wadephul (CDU) fürchtet keine Belastung der deutsch-ukrainischen Beziehungen. Er sagte bei einem Besuch in der Schweiz, es sei Aufgabe aller Ermittlungsbehörden, das mit Nachdruck zu verfolgen und auch die notwendigen Maßnahmen zu ergreifen. Er verwies auf die Gewaltenteilung in Deutschland. «Ich respektiere das, was die Justiz dort macht, und wenn erforderlich, wird es strafrechtliche Konsequenzen geben ohne Ansehen der Person. Das gilt ja nicht nur für Inländer, sondern auch für Ausländer», sagte er.
Und: «Ich kann nur sagen, dass die deutsche Justiz da absolut freie Hand hat. Und ich bin auch jederzeit bereit und in der Lage, das in der Ukraine zu erläutern.»