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Minderjährige als Verdächtige: BKA meldet Höchststand bei Mord und Totschlag


Autor: Stefan Lutter, Agentur dpa

Berlin, Freitag, 06. Februar 2026

Die Zahl minderjähriger Tatverdächtiger bei Mord und Totschlag ist laut BKA so hoch wie nie zuvor. Experten warnen vor komplexen Ursachen und fordern Prävention.


Die Gewaltkriminalität unter Minderjährigen sorgt erneut für Schlagzeilen. Aktuell steht nach dem gewaltsamen Tod des 14-jährigen Yosef im nordrhein-westfälischen Dormagen ein 12-jähriges Kind unter Tatverdacht, zuletzt wurden weitere Details zu den möglichen Hintergründen des Tötungsdelikts bekannt.  In diesem Zusammenhang meldet das Bundeskriminalamt einen besorgniserregenden Trend: einen neuen Höchststand bei jungen Tatverdächtigen im Bereich Mord und Totschlag. Die Statistik zeigt, dass Kinder und Jugendliche in Deutschland immer häufiger mit schweren Verbrechen in Verbindung gebracht werden.

Hinter den Zahlen stehen komplexe Zusammenhänge: Psychische Belastungen, familiäre Schwierigkeiten und gesellschaftliche Faktoren spielen eine zentrale Rolle. Die Diskussion um eine niedrigere Strafmündigkeit spaltet Experten, während das BKA verstärkte Prävention und Hilfsangebote für Betroffene fordert. Gewalttrend Minderjährige – ein Thema, das Politik und Gesellschaft herausfordert.

Minderjährige als Tatverdächtige bei Mord und Totschlag: Das BKA meldet einen neuen Höchststand

Das Thema Gewaltkriminalität unter Kindern und Jugendlichen sorgt immer wieder für Aufmerksamkeit. Laut der polizeilichen Kriminalstatistik des Bundeskriminalamts (BKA) für das Jahr 2024 wurde ein neuer Höchststand bei minderjährigen Tatverdächtigen bei Mord und Totschlag erreicht.

Die Zahl der Kinder, die als Tatverdächtige bei Gewaltverbrechen geführt werden, stieg um 11,3 Prozent auf 13.755 Fälle. Bei Jugendlichen wurde ein Anstieg um 3,8 Prozent auf 31.383 Fälle gemeldet.

Die Statistik zeigt , dass der Anteil von Kindern und Jugendlichen an allen Tatverdächtigen bei Gewaltkriminalität in Deutschland weiter zunimmt. Kinder machen mittlerweile 7,0 Prozent aller Tatverdächtigen aus, Jugendliche sogar 15,9 Prozent. Damit sind Minderjährige bei schweren Gewalttaten stärker vertreten als in den Vorjahren, so das BKA.

Ausgewählte Fälle aus den vergangenen Jahren

Einige besonders erschütternde Fälle der vergangenen Jahre sind in Erinnerung geblieben:

Auch Franken wurde von einem besonders dramatischen Fall erschüttert: Im unterfränkischen Lohr am Main erschoss ein damals 14-Jähriger Anfang September 2023 einen Gleichaltrigen. Der Täter wurde im August 2024 zu achteinhalb Jahren Jugendstrafe verurteilt.

Psychische Belastung und weitere Risikofaktoren

Das BKA weist darauf hin, dass die psychische Belastung bei Kindern und Jugendlichen seit einigen Jahren deutlich zunimmt. Diese Belastung kann zusammen mit weiteren Faktoren die Wahrscheinlichkeit für Gewaltstraftaten steigern.

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Zu den wichtigsten Risikofaktoren gehören demnach:

  • Wirtschaftliche Unsicherheiten
  • Mit Gewalt verbundene Männlichkeitsnormen
  • Familiäre Belastungen wie häusliche Gewalt
  • Probleme im sozialen Umfeld und fehlende Unterstützung

Familiäre Schwierigkeiten, Vernachlässigung oder Gewalt werden immer wieder als Auslöser für Straftaten von Kindern und Jugendlichen genannt, so die Kriminalpolizei. Auch soziale Isolation und fehlende Perspektiven spielen eine Rolle.

Strafmündigkeit - und was Experten fordern

Das Strafgesetzbuch sieht vor, dass Kinder unter 14 Jahren grundsätzlich als schuldunfähig gelten. In den letzten Jahren wurde immer wieder diskutiert, das Alter für Strafmündigkeit zu senken – insbesondere nach besonders extremen Fällen, in denen Kinder als Täter oder Tatverdächtige auffielen.

Die Debatte wird in der Politik und Gesellschaft kontrovers geführt. Viele Experten warnen davor, dass eine Absenkung der Strafmündigkeit keine Lösung für die Ursachen jugendlicher Gewalt sei. Stattdessen wird gefordert, Prävention und Hilfsangebote weiter auszubauen, so die Kriminalpolizei. Die Zunahme der Gewalt unter Minderjährigen stellt Gesellschaft und Politik vor neue Herausforderungen. Experten betonen:

  • Präventionsprogramme an Schulen und in Jugendzentren müssen gestärkt werden.
  • Früherkennung von psychischen Problemen und familiärer Gewalt ist entscheidend.
  • Zusammenarbeit von Polizei, Jugendhilfe und Sozialarbeitern sollte intensiviert werden.

Öffentliche Debatte um Ursachen und mögliche Konsequenzen

Das BKA fordert eine stärkere Vernetzung und mehr Ressourcen für Präventionsarbeit, um Kinder und Jugendliche vor Gewalt und Straftaten zu schützen. Besonders schwere Fälle werden in den Medien oft intensiv diskutiert und begleiten die öffentliche Debatte um Ursachen und mögliche Konsequenzen. Dabei wird auf die Notwendigkeit hingewiesen, die Hintergründe kindlicher und jugendlicher Gewalt differenziert zu betrachten und emotionale Reaktionen nicht vorschnell in Gesetzesverschärfungen umzusetzen.

Viele Medien berichten zudem über die psychologischen Folgen für betroffene Familien und fordern mehr Unterstützung für Opfer und Angehörige. Die steigende Zahl minderjähriger Tatverdächtiger bei Mord und Totschlag ist ein besorgniserregender Trend.

Die Ursachen sind komplex und reichen von psychischer Belastung über familiäre Probleme bis zu gesellschaftlichen Faktoren. Die Debatte um eine Senkung der Strafmündigkeit bleibt umstritten, während Prävention und Hilfsangebote immer wichtiger werden, so das Bundeskriminalamt.