Ein Spaziergänger findet in Domagen die Leiche des 14-jährigen Yosef. Er starb an Stich- und Schnittverletzungen. Hat ihm diese ein Kind zugefügt?
Nach dem gewaltsamen Tod des 14-jährigen Yosef in Dormagen (Nordrhein-Westfalen) steht ein Kind unter Tatverdacht. Das gab die Polizei am Freitag (6. Februar 2026) bekannt. Aus Gründen des Persönlichkeits- und Jugendschutzes würden Staatsanwaltschaft und Polizei zunächst keine weiteren Details nennen, hieß es.
Nach dpa-Informationen handelt es sich um einen 12 Jahre alten Jungen mit deutscher Nationalität. Nun werden weitere Details zu den möglichen Hintergründen des Tötungsdelikts in der zwischen Köln und Düsseldorf gelegenen Stadt bekannt.
Update vom 6.2.26, 14.41 Uhr: Tötung geschah laut Sicherheitskreisen nicht im Affekt
Die Tötung des 14-jährigen Yosef in Dormagen soll nicht im Affekt geschehen, sondern eine von einem anderen Kind geplante Tat gewesen sein. Das erfuhr die dpa aus Sicherheitskreisen. Tatverdächtig ist ein 12-Jähriger. Demnach habe es Streitigkeiten zwischen den Kindern gegeben. Der 12-Jährige soll sich schikaniert gefühlt haben.
Es gebe keine Hinweise darauf, dass die Tat rassistisch motiviert sei, hieß es. Der getötete 14-Jährige stammt aus Eritrea. Der tatverdächtige Junge befinde sich in der Obhut des Jugendamtes, sagte eine Sprecherin der Polizei. Dort seien weitere Maßnahmen getroffen worden. Weitere Angaben machte sie zunächst nicht.
Dormagens Bürgermeister Erik Lierenfeld (SPD) sagte, der Tatverdächtige sei zuvor offenbar nicht polizeilich auffällig geworden. Der Kommunalpolitiker geht nach eigenen Worten davon aus, dass der gewaltsame Tod des Jugendlichen die Stadt noch lange beschäftigen werde.
Fall Yosef: Polizei Dormagen ermittelt nach Tötungsdelikt gegen 12-jähriges Kind
"Wir müssen davon ausgehen, dass unsere Stadt durch dieses Ereignis, durch diesen schlimmen Tod von Yosef, nachhaltig traumatisiert sein wird", sagte Lierenfeld bei einer Pressekonferenz am Freitagmittag an einem Sportplatz der Stadt. "Dass ein Minderjähriger mutmaßlich diese Tat begangen hat, ist etwas, das uns umso betroffener macht und was uns auch das Blut in den Adern gefrieren lässt".
Die Ermittler hatten erst am Vormittag bekanntgegeben, dass ein Kind tatverdächtig ist. Laut Kreispolizeibehörde Rhein-Kreis Neuss wurde im Zusammenhang mit dem Tötungsdelikt in Dormagen, das einen 14-jährigen Jugendlichen betrifft, am Donnerstag, 5. Februar 2026, ein Tatverdächtiger ermittelt. Wie die Polizei am Freitag, 6. Februar 2026, um 10.32 Uhr mitteilte, handelt es sich bei dem Tatverdächtigen um ein Kind.
"Aus diesem Grund sowie aus Gründen des Persönlichkeits- und Jugendschutzes geben die Staatsanwaltschaft und die Polizei keine weiteren Auskünfte zu der Person oder zu den konkreten Umständen der Tat", erklärt die Behörde in der Meldung weiter.
Hilfskonto eingerichtet
Für Freitagnachmittag hat die Stadt im Rheinland zu einer öffentlichen Trauerfeier eingeladen. Diese sei nicht nur ein Abschied, sondern auch ein Startpunkt für die Zeit der Verarbeitung, sagte der Bürgermeister weiter. Die anschließende Beerdigung soll unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden.
Die Leiche des 14-Jährigen war Ende Januar an einem See in Dormagen von einem Spaziergänger gefunden worden. Die Obduktion hatte nach Angaben der Behörden ergeben, dass der Junge an Stich- und Schnittverletzungen starb. Bereits seit mehreren Tagen ermittelt die Mordkommission "Waldsee". In Zusammenarbeit mit Schule und Vereinen hat die Stadt ein Hilfskonto eingerichtet, um die Familie des Opfers finanziell zu unterstützen. Zwei Kondolenzbücher für Bürgerinnen und Bürger wurden ausgelegt - eines im Eingangsbereich des neuen Rathauses, das andere im Geschäftszimmer des Fußballvereins FC Delhoven.
Dormagen liegt im Rhein-Kreis Neuss zwischen Düsseldorf und Köln und zählt etwa 65000 Einwohner. Die Stadt ist vor allem für ihre chemische Industrie und die Nähe zum Rhein bekannt.
Die Mordkommission "Waldsee" untersucht bereits seit mehreren Tagen den Tod des Jugendlichen. Die Obduktion des Jungen hatte laut Angaben der Behörden ergeben, dass er an Stich- und Schnittverletzungen starb.
Die Leiche des 14-Jährigen aus Eritrea wurde Ende Januar von einem Spaziergänger an einem See in Dormagen entdeckt. Am Wochenende hatten nach Polizeiangaben etwa 2000 Menschen an einem Trauermarsch für den getöteten Jugendlichen teilgenommen. Für Freitag wurde in Dormagen eine öffentliche Trauerfeier angekündigt. Die Beisetzung soll anschließend im Familienkreis erfolgen.
Die Stadt Dormagen zeigte sich zutiefst erschüttert. Der 14-Jährige habe seit dem Jahr 2018 in einer städtischen Unterkunft in Dormagen gelebt. Er habe eine städtische Schule besucht und sei vollständig in die Stadtgemeinschaft integriert gewesen.
Keine Hinweise auf rassistische Tat
Auch der Fußballverein des Jugendlichen äußerte seine Trauer: "Yosef war ein äußerst beliebter Junge, der nicht nur im Verein, sondern auch in der ganzen Dorfgemeinschaft hochgeschätzt wurde. Sein strahlendes Lächeln und sein außergewöhnlicher Teamgeist haben ihn zu einem wertvollen Mitglied in unserem Verein gemacht", hieß es auf der Homepage.
Der 14-Jährige war zuletzt am Mittag des 28. Januars lebend gesehen worden. Gegen 17 Uhr entdeckte ein Spaziergänger seine Leiche. Nach übereinstimmenden Medienberichten von Reportern, die mit der Mutter des Jungen sprachen, habe dieser ihr gesagt, er wolle nur kurz zu seinem Schützenverein gehen.
Ermittler suchten bis in die Nacht hinein und am folgenden Tag akribisch nach Spuren am Fundort und sicherten diese. Für eine rassistische oder rechtsextreme Tat gibt es bislang keine Hinweise, sagte Staatsanwältin Janne Jakobek. ami/sl/dpa
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