Von der medizinischen zur gesundheitspolitischen Influencerin: Die Kinderärztin Bea Merscher trägt ihren Kampf gegen Einsparungen im Gesundheitssystem heute vor den Reichstag. Eine Äußerung von Kanzler Merz gibt ihrer Kampagne Auftrieb.
Eine Dreiviertelmillion Menschen folgt ihr auf Instagram. In einer Diskussion auf RTL legte sie sich mit Bundeskanzler Friedrich Merz an. Am heutigen Samstag (5. September 2026) macht die Kinderärztin Bea Merscher mit ihrem Kampf gegen Einsparungen im Gesundheitssystem mit einer Demo vor dem Reichstag weiter. Von 13 bis 17 Uhr wollen sie und ihre Unterstützer sich versammeln.
"Nutznießerin" des Gesundheitssystems hatte Merz sie geschimpft. Die Ärztin hat dem Kanzler in einer TV-Debatte zuvor vorgeworfen, mit den Einsparungen im Gesundheitssystem seinen Amtseid zu verletzen und menschenverachtend zu handeln. Und auch hinter den Kulissen sollen die beiden nach ihrem Streit vor einem Millionenpublikum noch einmal aneinandergeraten sein.
"Ha, ha, ha. Ganz sicher nicht"
Merscher sagt, sie habe den Kanzler zu ihrer Demo am 5. September vor dem Reichstag eingeladen. Auf die Frage, ob er komme, habe dieser gesagt: "Ha, ha, ha. Ganz sicher nicht." Vom Kanzler gibt es keine weitere Reaktion auf diese angebliche Aussage und die Behauptung der Medizinerin.
Wie viele Menschen nun am Samstagnachmittag in Berlin gegen die geplanten Einsparungen im Gesundheitssystem und für eine bessere Gesundheitsversorgung der Menschen im Land demonstrieren werden, ist unklar. Die Unterstützung im Vorfeld ist jedenfalls groß. Bislang haben mehr als eine halbe Million Menschen Merschers Petition gegen die verpflichtende Krankschreibung ab Tag eins unterzeichnet. Und für die Demonstration in Berlin hat sie nach eigenen Angaben rund 140.000 Euro an Spenden eingesammelt.
Die Demonstration selbst ist eine Art Bewegung aus dem Gesundheitssystem von unten. Knapp 30 Rednerinnen und Redner haben sich für den 5. September vor dem Reichstag angemeldet. Namen von prominenten Unterstützern oder oppositionellen Politikern sucht man auf der Liste vergebens. Hebammen, Rettungssanitäter und Ärztinnen und Ärzte planen, ihre Anliegen vorzutragen.
Augsburger Frauenärztin bei Demo in Berlin dabei
Auch ein Arzt und eine Ärztin aus Bayern sind dabei. Die Augsburger Frauenärztin Wiebke Cornelius wird auf der Demo-Website zitiert mit den Worten: "Eine Reform besteht nicht aus wahllosen Kürzungen mit der Axt. Eine Reform bedeutet eine Umstrukturierung eines kompletten Systems mit einem erkennbaren und klar definierten Ziel." Dieses fehlt ihr offenbar bei den geplanten Einsparungen bei den Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung.
Außerdem ist da der Münchener Schönheitschirurg Manuel Dichtl, der das "profitgetriebene Krankenhaussystem" hinter sich gelassen hat. Er fordert ein "Investment in ein Gesundheitssystem, in dem Menschen menschlich versorgt werden und der Mensch mehr Bedeutung hat als monetäre Aspekte."