Autozulieferer in der Krise: Bosch ordnet Konzern neu

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Autozulieferer in der Krise: Bosch ordnet Konzern neu
Die Bosch-Zentrale in Gerlingen (Baden-Württemberg).
Autozulieferer in der Krise: Bosch ordnet Konzern neu
Jan-Philipp Strobel/dpa

Bei Bosch wechseln rund 62.500 Beschäftigte in neue Tochtergesellschaften. Was bedeutet die Neuordnung für den Konzern?

Der Technologiekonzern Bosch plant eine Neuausrichtung in Deutschland und strukturiert die Mobilitätssparte, die zentralen internen Servicebereiche, die IT sowie den Immobilienbereich in eigene Gesellschaften um. Insgesamt sollen etwa 62.500 Mitarbeiter in die neuen Tochtergesellschaften wechseln, wie das Stiftungsunternehmen in Gerlingen mitteilte.

Der Großteil der Beschäftigten stammt aus der besonders von Krisen betroffenen Mobilitätssparte. Die Arbeitsbedingungen bleiben unverändert. Es gibt den Angaben nach keine Änderungen bei der Bezahlung. Die bestehenden Arbeitsverträge sollen auf die neuen Tochtergesellschaften übergehen.

Ausgliederungen bei Bosch: Mobilitätssparte wichtigster Geschäftsbereich

Der neue Bosch-Chef Christian Fischer sagte, es gehe darum, die Ertragskraft der gesamten Gruppe nachhaltig zu steigern, damit man auch künftig technologische Durchbrüche aus eigener Kraft finanzieren könne. "Klar ist: Alle Einheiten bleiben auch in ihrer neuen Rechtsform ein integraler Bestandteil der Bosch-Gruppe." 

Bereits heute bestehen in dem Stiftungskonzern für die Geschäftsfelder in den Unternehmensbereichen Industrietechnik, Konsumgüter Energie- und Gebäudetechnik eigene Tochtergesellschaften. Die Neuordnung soll bis Ende 2027 abgeschlossen werden. Als eigenständiges Tochterunternehmen werde die Mobilitätssparte innerhalb der Bosch-Gruppe ihre Geschäfte noch stärker integrieren und bereichsübergreifend steuern, hieß es weiter. Sie bleibt weiterhin der größte Unternehmensbereich. Er trug 2025 mit 55,8 Milliarden Euro rund 60 Prozent zum Gesamtumsatz bei. 

Bosch-Chef Fischer sagte, Bosch Mobility könne als eigenständige Gesellschaft künftig schneller auf Marktveränderungen reagieren und sich noch konsequenter an neuen Kundenbedürfnissen ausrichten. "Zugleich schaffen wir neue Spielräume für strategische Partnerschaften und zukünftige Wachstumsfelder." Bosch sei einer der wenigen Zulieferer, der in allen wesentlichen Weltregionen vorn mit dabei sei. 

Konzern steht weltweit unter Druck

Der Gesamtbetriebsratschef der Mobilitätssparte, Frank Sell, sagte, das Management verspreche sich von der Neuaufstellung mehr Tempo und Wettbewerbsfähigkeit. "Für uns ist jedoch entscheidend, dass dieser Umbau nicht zulasten der Kollegen geht. Das Unternehmen und die Beschäftigten müssen gestärkt daraus hervorgehen." 

Die Herausforderungen, die Bosch auf der ganz großen Bühne beschäftigen, sind nicht neu: Die Weltkonjunktur schwächelt, die geopolitische Lage ist nach wie vor unsicher. Auch die Konkurrenz, gerade durch chinesische Anbieter, hat sich verschärft. Und das nicht nur in der Automobilindustrie, die ohnehin weniger produziert als noch vor ein paar Jahren. 

In diesem Jahr dürften die Folgen des Iran-Kriegs das Unternehmen belasten. Bosch ist nach früheren Angaben in vielen Bereichen mittlerweile nicht mehr wettbewerbsfähig: Der Konzern kann im Vergleich zur Konkurrenz nicht mithalten. Ein weiterer Personalabbau ist mit der Neuaufstellung der Konzernstruktur nach Angaben eines Sprechers nicht geplant.

Proteste und Stellenabbau auch in Franken

Bosch hatte zuletzt angekündigt, in Nürnberg die Hälfte der dortigen 1800 Stellen abzubauen. Die Streichungen gehen über den bereits angekündigten Abbau von konzernweit rund 25.000 Stellen in Deutschland hinaus. Aus Angst um ihre Jobs gingen Beschäftigte auch in Bamberg Ende September auf die Barrikaden.

Der Technologiekonzern und Autozulieferer hatte im ersten Halbjahr keine großen Sprünge gemacht. In den ersten sechs Monaten 2026 stieg der Umsatz im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 3,6 Prozent auf 46,4 Milliarden Euro.

Allerdings kam das Wachstum vor allem durch Zukäufe zustande. Bosch hatte im Laufe des vergangenen Jahres das Heizungs-, Lüftungs- und Klimatisierungsgeschäft von Johnson Controls und Hitachi übernommen. Einen Rückgang gab es bei der Profitabilität. Der bereinigte Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) - Bosch spricht von einem operativen Ebit - sank von 2,3 Milliarden Euro auf 2,2 Milliarden Euro.