"Biotreppe": Wie Pläne der Bundesregierung das Heizen mit Gas und Öl verteuern

Der Einbau neuer Erdgas- und Ölheizungen bleibt in Deutschland erlaubt. Allerdings könnte das Heizen damit durch Pläne der Regierung teurer werden, warnen Experten.

Habecks umstrittenes "Heizungsgesetz" - offiziell eine Novelle des Gebäudeenergiegesetzes - wurde im Sommer 2026 durch das neue Gebäudemodernisierungsgesetz (GMG) abgelöst. Der größte Unterschied ist die Technologieoffenheit:  Eigentümer können wieder frei entscheiden, welches Heizsystem technisch und wirtschaftlich zu ihrem Gebäude passt. Die CDU sprach von "Entscheidungsfreiheit im Heizungskeller". 

Bio-Brennstoffe sollen Öl- und Gasheizungen klimafreundlicher machen

Zwar soll der Weiterbetrieb und Neueinbau von Öl- und Gasheizungen nun langfristig möglich bleiben. Allerdings müssen Brennstoffe für Heizungen laut Bundestagsbeschluss ab 2045 komplett klimaneutral sein.  

Bis zum Jahresende soll daher ein neues Gesetz beschlossen werden: Ab 2029 soll Gas oder Öl bei neu eingebauten Heizungen ein verbindlicher Bioanteil beigemischt werden - wegen der langsam steigenden Anteile als  sogenannte "Biotreppe" bezeichnet.

  •  Ab Januar 2029: 10 %
  •  Ab Januar 2030: 15 %
  • Ab Januar 2035: 30 %
  • Ab Januar 2040: 60 %
  • Ab Januar 2045: 100 %

Droht ein massiver Preisanstieg bei Öl und Gas? Und ab wann?

"Wir sehen durchaus die Gefahr, dass das Heizen mit Gas und Öl langfristig erheblich teurer wird", teilt Sandra Duy, Expertin energetisches Sanieren beim Portal Finanztip auf Anfrage der Mediengruppe Bayern mit. Dass erneuerbare Brennstoffe schon heute deutlich teurer sind, zeige bereits eine eigene Finanztip-Auswertung vom Juli 2026.

"Für über 100 Postleitzahlen haben wir Gastarife verglichen. Das Ergebnis: Reines Biogas war mindestens rund 30 Prozent teurer als herkömmliches Erdgas", so Duy. Bei einem jährlichen Verbrauch von 15.000 Kilowattstunden entsprach das einem Unterschied von rund 480 Euro.

Durch die geplante Grüngasquote und die Biotreppe sollen immer größere Mengen dieser erneuerbaren Brennstoffe eingesetzt werden. Anfangs ist die Quote mit 1% ab 2028 und 5% ab 2030 noch sehr niedrig, aber schon ab 2035 steigt sie mit 20% deutlich an und soll 2045 dann bereits bei 100% liegen.  "Gleichzeitig ist das Angebot begrenzt und auch andere Wirtschaftszweige benötigen diese Energieträger. Hinzu kommen noch die weiteren Kostenrisiken für Gasheizungen, beispielsweise durch die CO2-Bepreisung und langfristig steigende Gasnetzentgelte", erklärt Duy.

Wie stark und wie schnell sich das auf die Heizkosten auswirke, hänge von der endgültigen Ausgestaltung der Regelungen und der Entwicklung des Marktes ab. 

Was ist aktuell das beste Heizsystem? 

Welches Heizsystem am besten geeignet ist, hängt laut der Finanztip-Expertin immer vom einzelnen Gebäude ab. "Für viele Ein- und Zweifamilienhäuser ist die Wärmepumpe aus unserer Sicht aber die langfristig wirtschaftlich attraktivste Lösung", so Sandra Duy. Das gelte ausdrücklich auch für viele ältere Gebäude.

Ein Haus müsse weder vollständig saniert sein noch eine Fußbodenheizung besitzen, damit eine Wärmepumpe effizient funktioniert. "Oft reichen schon kleinere Anpassungen, beispielsweise der Austausch einzelner Heizkörper", so die Expertin für energetisches Sanieren.

Entscheidend sei vor allem, mit welcher Temperatur das Heizsystem arbeiten muss und wie hoch der Wärmebedarf des Hauses ist. Auch ein unsanierter Altbau könne für eine Wärmepumpe geeignet sein.
Das bestätigt laut Duy eine Untersuchung des Fraunhofer ISE aus November 2025: "Bei 77 untersuchten Wärmepumpen in Bestandsgebäuden konnten die Forschenden keinen Zusammenhang zwischen dem Baujahr der Gebäude und der Effizienz der Wärmepumpen feststellen", erklärt sie.

In Gebäuden mit sehr hohem Wärmebedarf oder hohen erforderlichen Vorlauftemperaturen können aber erstmal zusätzliche Sanierungsmaßnahmen sinnvoll sein. Auch Fernwärme kann eine gute Alternative darstellen, sofern ein Anschluss verfügbar ist und die Kosten stimmen. Entscheidend ist deshalb immer eine individuelle Betrachtung des Gebäudes und der langfristigen Gesamtkosten.

Wann lohnt sich der Austausch einer Gasheizung - und wann nicht? 

Wer eine funktionierende Gasheizung besitzt, muss sie jetzt nicht allein wegen der neuen gesetzlichen Regelungen sofort austauschen. "Solange sie zuverlässig und wirtschaftlich läuft, kann es sinnvoll sein, sie erstmal weiter zu nutzen", teilt die Expertin auf Nachfrage der Mediengruppe Bayern mit. Allerdings empfiehlt sie, sich frühzeitig mit möglichen Alternativen zu beschäftigen. "Wer dann erst bei einem plötzlichen Heizungsausfall darüber nachdenkt, hat häufig zu wenig Zeit, verschiedene Angebote einzuholen und die wirtschaftlichste Lösung zu finden", gibt sie zu bedenken.

Steht ohnehin ein Heizungstausch an, würde Duy in den meisten Ein- und Zweifamilienhäusern empfehlen, eine Wärmepumpe prüfen zu lassen. "Denn die vermeintlich günstigere Gasheizung kann über ihre Lebensdauer zur Kostenfalle werden", so die Expertin.

Das würden auch eigene Berechnungen von Finanztip aus dem Jahr 2025 zeigen. In einem Modellvergleich über 20 Jahre lagen die Gesamtkosten einer neuen Gasheizung bei rund 81.000 Euro, die einer geförderten Wärmepumpe dagegen bei rund 54.000 Euro. "Die konkreten Zahlen beruhen auf den damaligen Preis- und Förderannahmen und sind keine allgemeingültige Prognose. Sie zeigen aber, wie wichtig es ist, neben den Anschaffungskosten auch die Energiekosten über die gesamte Lebenszeit der Heizungsanlage einzubeziehen", erklärt Duy dazu.

Besonders bei alten, reparaturanfälligen Gasheizungen oder einem hohen Gasverbrauch könne sich ein Wechsel deshalb auch schon vor einem endgültigen Defekt lohnen. Ob sich ein vorzeitiger Austausch rechnet, muss aber immer im Einzelfall geprüft werden.

Vorschaubild: © Bernd Weißbrod/dpa