Das Satelliten-Internet Starlink nutzten im Ukraine-Krieg beide Seiten intensiv - auch wenn Russland eigentlich nie eine Erlaubnis dafür hatte. Nun wurde dem russischen Militär der Zugang abgedreht.
Nach einer Reihe von aufsehenerregenden Schlägen des russischen Militärs gegen den Nachschub der Ukrainer wurden Moskaus Streitkräfte nun vom Internetsystem Starlink abgeschaltet. Erste Reaktionen russischer Militärblogger zeigen, dass dies ein harter Schlag für die angreifenden Truppen ist. Doch warum ist das System so wichtig und was sind die Folgen der Blockade? Einige Fragen und Antworten:
Wie funktioniert Starlink?
Das Rückgrat des Systems bildet ein Netzwerk aus Tausenden Satelliten. Nutzer benötigen eine Empfangs- und Sendeeinheit mit integrierter Routerfunktion und einer flachen Satellitenantenne. Damit erhalten sie dann rund um den Globus unabhängig von herkömmlicher Telekommunikations-Infrastruktur Zugang zu schnellem Internet. Die Geschwindigkeit beträgt etwa 1 Gigabit pro Sekunde - und ist damit mit der 5G-Technologie vergleichbar.
Welche Bedeutung hat Starlink im Ukraine-Krieg?
Starlink ist für beide Kriegsparteien ein wichtiges Instrument für die Kommunikation und Steuerung von Einheiten und Waffensystemen. Die Nutzung von gewöhnlichem mobilem Internet an der Front ist ineffektiv und gefährlich zugleich, weil einerseits oft überhaupt keine Verbindung besteht und andererseits solche Verbindungen schnell geortet werden können.
Die Ukraine setzt das Starlink-System bereits seit 2022 erfolgreich im Krieg für die Verteidigung gegen die russischen Angriffe ein. Grundlage waren etwa 1.000 von SpaceX zur Verfügung gestellte Starlink-Antennen. Inzwischen soll das ukrainische Militär mehr als 40.000 Terminals besitzen.
Wie ist Russland an die Technologie gekommen?
Offiziell ist die Nutzung von Starlink in Russland nicht erlaubt. Es gibt weder eine Zulassung für das System in Moskau, noch verkauft Elon Musk seine Technologien an Russland. Dennoch tauchten ab 2023 die ersten Starlink-Terminals auch bei den unter massiven Kommunikationsproblemen leidenden russischen Truppen auf. Diese wurden zumeist über Länder am Persischen Golf oder in Zentralasien nach Russland geschmuggelt.
Warum wurde Starlink für die Russen ausgerechnet jetzt blockiert?
Speziell in den vergangenen Wochen hat das russische Militär dank der Starlink-Technologie erfolgreich eine Reihe von Drohnenangriffen gegen die Versorgung der ukrainischen Einheiten geführt. Getroffen wurden zahlreiche mobile Einheiten, die für den Nachschub der Verteidiger wichtig waren. Die Straße von Dnipro nach Pokrowsk im Gebiet Donezk wurde so zur Todesfalle.
Attackiert wurden unter Nutzung von Starlink aber auch wichtige Verteidigungspunkte an der Front selbst. Das System erlaubte dabei nicht nur die Steuerung der Drohnen, sondern lieferte auch in Echtzeit die Videoübertragung von Einschlägen. Das war ein wichtiges taktisches Mittel, um russischen Sturmtrupps anschließend Geländegewinne zu ermöglichen. Die Drohnen lieferten damit die Luftunterstützung, die die russische Luftwaffe aufgrund der bis heute nicht vollständig ausgeschalteten ukrainischen Flugabwehr den Bodentruppen nicht bieten kann.