Falls die USA nun tatsächlich wieder eine öffentliche Hinrichtung durchführen, würde sie das in die Nähe von Staaten rücken, deren Vorgehensweisen sie an anderer Stelle gerne anprangern. Im vergangenen Jahr fanden nach Angaben der Menschenrechtsorganisation Amnesty International mindestens 17 öffentliche Hinrichtungen statt: sechs in Afghanistan und elf im Iran.
Ein solcher Vorgang - zumal per Livestream übertragen - wirft viele Fragen auf, etwa ob es Zugangsbeschränkungen geben wird, um zu verhindern, dass beispielsweise Kinder die Hinrichtung verfolgen.
Demokrat geschockt: «Was ahmt er nach?», den IS?
Der Senator der Demokraten Chris Murphy zeigte sich in einem Interview des US-Senders CNN sichtlich geschockt, als er von Hegseths Ankündigung hörte: «Das ist widerlich. Was ahmt er nach? Hinrichtungen durch (die Terrormiliz Islamischer Staat) IS?» Er verstehe zwar, dass es in den USA die Todesstrafe gebe - «aber öffentliche Hinrichtungen sind mittelalterlich». Das sei einer der Vorgänge, den die USA an terroristischen Gruppen verabscheuten, kritisierte er.
Der Präsident der US-amerikanischen Bischofskonferenz, Paul Coakley, zeigte sich «schockiert und zutiefst betrübt». Dem Nachrichtenportal «Vatican News» sagte er, diese Entscheidung sei eine «barbarische Förderung einer Kultur des Todes», die überdacht werden müsse. «Unser Gott ist ein Gott des Lebens.» Er fügte hinzu: «Die öffentliche Hinrichtung selbst eines Menschen, der schweres Unrecht begangen hat, wird das moralische Gefüge unserer Nation nur noch weiter untergraben und das Gewissen ihrer Bevölkerung beflecken.»
Auch US-Vizepräsident JD Vance äußerte am Freitag zumindest Zweifel an der angekündigten Live-Übertragung der Hinrichtung. Er wisse nicht, ob es tatsächlich dazu kommen werde, sagte er vor Journalisten. Man müsse abwarten, was im Dezember geschehe. Zugleich sagte er: «Wenn es per Livestream übertragen wird, werde ich es mir nicht ansehen.»
Die letzte Militärhinrichtung in den USA fand 1961 statt
Das US-Militär hat nach Angaben des Death Penalty Information Center im Jahr 1961 zuletzt einen Armeeangehörigen hingerichtet, der erhängt wurde. US-Medien zufolge war der Mann für die Vergewaltigung und den versuchten Mord an einer Elfjährigen während seines Einsatzes in Österreich zum Tode verurteilt worden war.
Falls das Urteil gegen Hasan vollstreckt wird, wäre es demnach auch die erste Hinrichtung auf Bundesebene seit Januar 2021. Damals ließ Trump in den letzten Wochen seiner ersten Amtszeit 13 Häftlinge exekutieren.
Bei einem Wahlkampfauftritt in Texas pries Trump am Mittwoch (Ortszeit) die geplante Hinrichtung Hasans, den er als «bösartigen Mörder» bezeichnete.
Das Massaker von Fort Hood
Im November 2009 hatte Hasan als Psychiater des US-Heeres auf dem Stützpunkt Fort Hood das Feuer eröffnet und zwölf Soldaten sowie einen Zivilisten getötet und Dutzende Menschen verletzt, bevor er selbst angeschossen und festgenommen wurde.
Hasan gab laut «New York Times» an, den Angriff im Namen des Dschihads, des sogenannten Heiligen Krieges, verübt zu haben. Die Kriege in Afghanistan und Irak habe er illegal genannt. Der Anschlag ereignete sich auf dem Höhepunkt des Anti-Terror-Kampfes nach dem 11. September 2001. Hasan wurde laut US-Medien in den USA als Sohn palästinensischer Eltern geboren und habe sich vor dem Anschlag zunehmend radikalisiert.
Für seine Tat wurde er 2013 von einem Militärgericht zum Tode verurteilt. Er habe keine Reue gezeigt und den Wunsch geäußert, bei dem Anschlag selbst gestorben zu sein, um als Märtyrer zu gelten. Hasan ist laut dem Death Penalty Information Center einer von vier Todeskandidaten im Militärjustizsystem.
Die gemeinnützige Organisation weist darauf hin, dass er noch die Möglichkeit hat, sein Todesurteil vor Bundesgerichten anzufechten, die keine Militärgerichte sein. Ein solcher Schritt könnte seine Hinrichtung demnach für unbestimmte Zeit aufhalten.