Nach einem tödlichen Überholmanöver in Brandenburg sind die Eltern der Teenager zu einem Gedenkgottesdienst gekommen. Der Ministerpräsident spricht sein Mitgefühl aus.
Bei einem frontalen Zusammenprall eines Autos mit drei Mopeds in Brandenburg kamen vier junge Menschen ums Leben. Der tragische Unfall ereignete sich am Mittwochabend, dem 7. Oktober 2026, in der Nähe von Biesenthal im Landkreis Barnim, wie die Polizei berichtete. Laut deren Angaben versuchte ein Autofahrer, mehrere Fahrzeuge zu überholen, und kollidierte dabei mit drei der vier entgegenkommenden Mopeds. Anschließend fing das Fahrzeug Feuer.
Die drei Fahrer der Kleinkrafträder sowie eine Mitfahrerin erlitten laut Polizei bei der Kollision so schwere Verletzungen, dass sie noch an der Unfallstelle starben. Bei den Toten handelte es sich um ein 14-jähriges Mädchen und drei junge Männer im Alter von 15, 16 und 19 Jahren. Der Fahrer des vierten Mopeds konnte dem Wagen ausweichen und blieb unverletzt. Der 61 Jahre alte Autofahrer wurde schwer verletzt mit einem Rettungshubschrauber in ein Krankenhaus gebracht. Die Unfallstelle befindet sich etwa 40 Autominuten nordöstlich vom Berliner Alexanderplatz.
Update vom 09.10.2026: "Alle sind total geschockt" - Reaktionen nach Unfall in Biesenthal
Die Eltern der getöteten Jugendlichen, zahlreiche Schüler, Lehrkräfte und viele weitere Menschen kamen am Abend zu einer Gedenkveranstaltung in die Marienkirche im benachbarten Bernau. Die Kirche war bis auf den letzten Platz gefüllt. Viele standen vor dem Eingang. Drei Pfarrer leiteten die Andacht.
"Alle sind total geschockt. Das ist eine ganz schlimme Tragödie", hatte Biesenthals Bürgermeister Carsten Bruch (CDU) zuvor gesagt. Viele Blumen und Kerzen liegen am Tag nach dem Unfall an der freigeräumten Unfallstelle, Trauernde halten dort inne. Schwarz verkohltes Gras ist noch im Straßengraben zu sehen, gelbe Markierungen auf dem Asphalt sollen das Unfallgeschehen festhalten.
Auf der Plattform Instagram äußerte sich am Nachmittag auch Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD). "Heute fehlen vier junge Menschen in ihren Familien, in ihren Freundeskreisen, in ihrer Nachbarschaft", schrieb er über das Profil der Staatskanzlei. "Für ihre Familien und Freunde ist von einem Moment auf den anderen nichts mehr wie zuvor. Dafür gibt es keine passenden Worte. Ich möchte allen, die trauern, mein tief empfundenes Mitgefühl aussprechen."
In einem Pendlerland wie Brandenburg gehören Verkehrsunfälle zum Alltag, doch der Einsatz am Mittwochabend nahe der Kleinstadt Biesenthal ist auch für die Rettungskräfte besonders belastend. Notfallseelsorger und speziell geschulte Teams betreuen Einsatzkräfte, aber vor allem Angehörige, die am Abend an der Unfallstelle sind. Gegen den Autofahrer ermittelt die Polizei wegen fahrlässiger Tötung. Der Unfallhergang soll von Gutachtern rekonstruiert werden.
Der unverletzte Mopedfahrer wird laut Polizei ein wichtiger Zeuge sein. Ihm soll angesichts der Tragik aber auch Zeit gegeben werden, bevor er ausführlich befragt werde. Die beteiligten Fahrzeuge - Auto und Mopeds - sind für die Ermittlungen der Kriminalpolizei beschlagnahmt. Gerade im ländlichen Raum hätten viele junge Menschen die Mopeds der Marke Simson wiederentdeckt, erzählt Bürgermeister Bruch. Die zu DDR-Zeiten in Suhl produzierten Mopeds der Marke Simson wie die Schwalbe oder die S51 sind für viele Liebhaber Kult. Er habe selbst einen 15 Jahre alten Sohn, der mit einer sogenannten Schwalbe unterwegs sei, sagte Bruch. "Das geht einem sehr nah."
Es müsse sich um ein "riskantes Überholmanöver" gehandelt haben, meint Bruch. Auf der Strecke sei eine Geschwindigkeit von 100 Kilometern pro Stunde erlaubt. Es handele sich um eine gerade Strecke mit einer Senke, die eigentlich gut einzusehen sei. Laut Erkenntnissen des Verkehrsministeriums in Potsdam soll es sich bei der Unfallstelle auf der Landstraße L 200 nicht um einen Unfallschwerpunkt handeln.
Dekra: Fehleinschätzung oft Unfallursache
Der genaue Unfallhergang ist aber noch unklar. Unfallforscher der Prüforganisation Dekra betonen allgemein: "Überholmanöver sind eine der kritischsten Fahrsituationen überhaupt. Beim geringsten Zweifel ist Überholen deshalb keine Option." Unfälle beim Überholen seien häufig das Ergebnis von Fehleinschätzungen.
Der Landrat des Kreises Barnim, Daniel Kurth, spricht tief erschüttert von einem "furchtbaren Unglück". Der Landkreis biete den betroffenen Schulen Hilfe an. Zudem wurde Trauerbeflaggung an Schulen und Dienststellen des Landkreises angeordnet. Bis Freitag sollen die Fahnen als Zeichen der öffentlichen Trauer auf halbmast wehen. Eine große geplante Tanzparty am Wochenende wurde abgesagt.
Ursprungsmeldung vom 08.10.2026: Auto kollidiert mit drei Mopeds – nur der vierte Fahrer kann ausweichen und überlebt unverletzt
Der tödliche Crash passierte am Mittwoch gegen 19.40 Uhr zwischen Biesenthal und Wullwinkel. Rettungsdienst, Feuerwehr und Polizei eilten zur Unfallstelle. Für alle sei es ein besonders schwerer Einsatz gewesen, sagte der Sprecher.
Der fast vollständig ausgebrannte Wagen lag auch Stunden danach noch immer auf dem Dach im Straßengraben neben der von Feldern und Wiesen gesäumten Landstraße, wie eine dpa-Reporterin schilderte. In der Umgebung des Unfallortes habe das Feuer nur wenige Spuren hinterlassen. Die Fahrbahn auf der Landesstraße 200 blieb auch in der Nacht zum Donnerstag weiter für die Bergungsarbeiten und die Unfallaufnahme voll gesperrt.
Notfallseelsorger und Einsatznachsorge-Teams betreuten Angehörige der tödlich Verunglückten, die zum Teil an der Unfallstelle erschienen waren, und auch Einsatzkräfte.