Die Straße von Hormus bleibt umkämpft: Der Iran greift Ölanlagen in den Emiraten an, die USA versenken iranische Schnellboote. Was wird aus der Waffenruhe?
Erstmals seit Beginn der Waffenruhe im Iran-Krieg vor knapp vier Wochen haben sich die Spannungen am Persischen Golf wieder deutlich zugespitzt. Die Vereinigten Arabischen Emirate meldeten, dass nach einem iranischen Drohnenangriff in einem Industriegebiet der Hafenstadt Fudschaira ein Großbrand ausgebrochen ist.
Insgesamt habe die Flugabwehr zwölf ballistische Raketen, drei Marschflugkörper und vier Drohnen bekämpft, hieß es in einer Mitteilung des Verteidigungsministeriums. In mehreren Regionen des Golfstaats war am Montag die Flugabwehr zu hören gewesen. Die Bevölkerung wurde aufgefordert, sich in Sicherheit zu bringen.
Der Iran bestätigten den Angriff auf Ölanlagen im Hafen von Fudschaira. Er sei zunächst nicht geplant gewesen, sagte ein namentlich nicht genannter Militärvertreter dem staatlichen iranischen Rundfunk. Als Begründung nannte er eine «illegale Passage» von US-Kriegsschiffen durch die Straße von Hormus.
Bundeskanzler Friedrich Merz schrieb dazu auf X: «Diese Angriffe verurteilen wir scharf. Unsere Solidarität gilt den Menschen in den Vereinigten Arabischen Emiraten und unseren Partnern in der Region.» Die Emirate waren schon zu Kriegsbeginn besonders von iranischen Angriffen betroffen, mit denen Teheran seinerseits auf Angriffe der USA und Israels reagiert hatte.
Die USA berichteten, mehrere Schnellboote der Islamischen Republik zerstört zu haben. Präsident Donald Trump schrieb auf Truth Social von sieben Schiffen, der Kommandeur des Regionalkommandos Centcom, Admiral Brad Cooper, berichtete von sechs versenkten Booten. Trump schrieb zur Begründung, der Iran habe einige in dem Krieg unbeteiligte Nationen angegriffen – darunter ein südkoreanisches Frachtschiff.
Berichte über Vorfälle häufen sich
Seit dem Wochenende haben sich die Spannungen in der vom Iran kontrollierten und von den USA blockierten Straße von Hormus, durch die normalerweise ein wesentlicher Teil des weltweiten Ölhandels erfolgt, wieder verschärft:
- US-Präsident Donald Trump hatte am Sonntag den Start einer Initiative mit dem Titel «Projekt Freiheit» für Montag verkündet. Sie sollte darauf abzielen, die Meerenge wieder für die Schifffahrt freizumachen. Zerstörer seien durch die Straße von Hormus in den Persischen Golf eingefahren, teilte Centcom später mit. Zwei Handelsschiffe unter US-Flagge hätten das Seegebiet verlassen können. Unabhängige Bestätigungen gab es nicht.
- Die iranischen Revolutionsgarden feuerten nach eigenen Angaben mehrere Raketen als Warnung in Richtung der US-Kriegsschiffe ab, die sich im Meer vor der Südküste befunden haben sollen. Aus Teheran kamen auch Berichte, wonach zwei Raketen ein US-Schiff getroffen hätten. Die USA dementierten diese Angaben.
- Die Vereinigten Arabischen Emirate meldeten zusätzlich einen iranischen Angriff mit zwei Drohnen auf einen Tanker des staatlichen Energiekonzerns ADNOC. Verletzte habe es dabei nicht gegeben.
- Südkorea prüft nach Angaben der Nachrichtenagentur Yonhap Informationen, wonach ein Schiff einer südkoreanischen Reederei in der Straße von Hormus angegriffen wurde. Auf dem unter panamaischer Flagge fahrenden Schiff, das in Gewässern nahe den Vereinigten Arabischen Emiraten vor Anker lag, sei nach einer Explosion ein Brand ausgebrochen.
- Der Oman meldete einen Angriff auf ein Wohngebäude. Die staatliche Nachrichtenagentur Oman News Agency berichtete, dass der Angriff die Region um Buch getroffen habe. Dabei handelt es sich um einer vom übrigen Staatsgebiet getrennte Exklave an der Straße von Hormus. Zunächst war nicht klar, von wem der Angriff ausging. Dabei seien ausländische Arbeiter verletzt worden.