Der Tod Chameneis stürzt den Iran in eine ungewisse Zukunft. Viele Menschen hoffen auf einen Machtwechsel und bessere Zeiten. Zugleich wächst die Sorge vor Instabilität und Chaos.
Ein Land zwischen Trauer und Jubel, zwischen Hoffnung und Angst: Nach dem Tod von Staatsoberhaupt und Religionsführer Ajatollah Ali Chamenei sind die Gefühle der Menschen im Iran gespalten. Als erste Gerüchte über Chameneis Tod kursierten, brachen in Teheran lautstarke Jubelfeiern aus. Aber nicht alle trauen sich, ihre Freude offen zu zeigen. Die 23‑jährige Sadaf und ihre Freundinnen versuchen, ihr Gefühl zu verbergen: «Wir tragen Schwarz, aber in uns ist es bunt», sagt die Architekturstudentin.
Sadaf gehört zur Generation Z, die nicht nur die islamische Staatsideologie, sondern zunehmend auch den Islam selbst ablehnt. «Mit Chameneis Tod sterben hoffentlich auch diese überholten islamischen Sitten», sagt sie.
Freudenschreie aus den Fenstern
Ajatollah Ali Chamenei wurde am Samstag bei einem israelischen Luftangriff in Teheran getötet. Er war 1989 als Nachfolger des Revolutionsführers Ruhollah Chomeini zum Obersten Führer ernannt worden. Laut Verfassung war er damit Staatsoberhaupt, und er hatte das letzte Wort in allen strategischen Fragen. Für seine Anhänger war er eine heilige Figur, für seine Gegner ein Diktator. Mit dem Tod des 86-Jährigen endet eine Epoche, die auf islamischen Prinzipien beruhte.
Die Nachricht seines Todes war unter anderem von iranischen Exilmedien verbreitet worden, die im Iran über Satellit empfangen werden können. Bewohner der iranischen Hauptstadt berichteten von Menschen, die vor Freude aus ihren Fenstern schrien. Auf den Straßen waren Hupkonzerte zu hören.
Die Staatsmedien bestätigten den Tod des Religionsführers erst Stunden nachdem Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und US-Präsident Donald Trump ihn für tot erklärt hatten. Er sei als «Märtyrer» getötet worden, hieß es.
Für den Bankangestellten Ramin ist es dagegen «der Beginn vom Ende dieses Regimes und all unserer Leiden», wie er sagt. Fürchtet er nicht eine ungewisse Zukunft? «Nein, dunkler als Schwarz kann es ja nicht werden.»
Nicht alle teilen die Euphorie
Doch nicht alle teilen die Euphorie. Staatsmedien verbreiten Aufnahmen, die Menschenmengen beim Trauern um Chamenei zeigen sollen. Auch auf Fotos sind Trauernde zu sehen. Und es gibt staatlich organisierte Trauerfeiern wie beispielsweise an der Universität in Teheran. Landesweite Feierlichkeiten werden bis zur Beisetzung und - wie es im Islam Brauch ist - bis zum 40. Tag nach dem Tod andauern.