Eisenkot wäre daher auf die Unterstützung arabischer Parteien angewiesen - entweder als Koalitionspartner oder durch deren Duldung einer Minderheitsregierung. Dazu sind allerdings nicht alle Parteien des Oppositionslagers bereit.
Scheitert die Regierungsbildung, könnte Netanjahu zunächst an der Spitze einer Übergangsregierung im Amt bleiben. Israel droht damit eine Rückkehr zu einer politischen Dauerkrise mit immer neuen Parlamentswahlen, wie sie das Land bereits in der Vergangenheit erlebt hat.
Es geht auch um Netanjahus persönliche Zukunft
Für Netanjahu steht bei der Wahl auch persönlich viel auf dem Spiel. Gegen ihn läuft seit 2020 ein Korruptionsprozess, in dem er sich wegen Bestechlichkeit, Betrugs und Untreue verantworten muss. Er bestreitet sämtliche Vorwürfe.
Zwar schützt ihn sein Amt nicht vor einer Verurteilung. Als Ministerpräsident verfügt er jedoch über mehr politischen Spielraum, um Einfluss auf die Rahmenbedingungen des Verfahrens zu nehmen. Ende 2025 beantragte er zudem eine umstrittene Begnadigung durch Präsident Izchak Herzog.
Experte hält Regierung ohne Netanjahu für möglich
Politikwissenschaftler Jonathan Rynhold glaubt, eine künftige Regierung ohne Netanjahu sei durchaus möglich. Netanjahus Lager werde sich vermutlich keine absolute Mehrheit sichern können. Es gebe auch einen klaren Konflikt zwischen rechtsorientierten Parteien, die sich Netanjahu anschließen könnten, und den strengreligiösen Parteien, die eine Befreiung junger Männer von der Wehrpflicht durchsetzen wollen. Der Streit um die Wehrpflicht zählt zu den zentralen gesellschaftlichen Konfliktthemen und spaltet auch das konservative Lager.
Anders als Netanjahu könne Eisenkot seine Regierung durch die arabischen Parteien dulden lassen. «Eine Minderheitsregierung unter Eisenkot hätte bessere Überlebenschancen als eine Minderheitsregierung unter Netanjahu», sagt Rynhold.
Allerdings sei Netanjahu «mit Abstand der geschickteste Politiker Israels». Eine Koalition zu schmieden, wenn man selbst über weniger als ein Viertel der Sitze in der Knesset verfügt, erfordere «großes politisches Geschick und viel taktisches Manövrieren».
Was ein Machtwechsel für Israel bedeuten würde
Sollte Netanjahu die Macht verlieren, würde dies auch einen Stopp des Justizumbaus in Israel bedeuten, der das Volk zutiefst gespalten hat, so der Experte. «Die Bedrohung für die liberale Demokratie in Israel würde gestoppt.» Außerdem würde der gefährliche Abwärtstrend im internationalen Ansehen gebremst.
Sollte Netanjahu jedoch mit derselben, in Teilen rechtsextremen Koalition an der Macht bleiben, sei mit dem Gegenteil zu rechnen. Rynhold hält es dann auch für wahrscheinlich, dass sich der Trend einer Abwanderung junger, hoch qualifizierter Menschen fortsetzt und verschärft.