In der türkischen Oppositionshochburg Izmir protestieren Tausende gegen die Absetzung des CHP-Parteichefs Özgür Özel. Für seinen Nachfolger finden sie scharfe Worte.
In der türkischen Küstenmetropole Izmir haben Tausende gegen die gerichtliche Absetzung des Chefs der größten Oppositionspartei CHP, Özgür Özel, protestiert. Die Polizei setzte dabei Wasserwerfer gegen Demonstrierende ein, um die Menge zu zerstreuen, wie eine dpa-Reporterin vor Ort berichtete. Bereits zuvor hatten die Behörden den Platz der Republik, auf dem Özel sprechen wollte, abgesperrt.
Die Demonstration wurde anschließend an einen nahe gelegenen Ort verlegt und verlief friedlich. Özel, der sich von einem Bus aus an seine Unterstützer wandte, sprach von Zehntausenden Teilnehmern. Die Küstenmetropole gilt als Hochburg der säkularen Opposition.
Absetzung der Parteispitze
Vergangene Woche hatte ein Gericht den CHP-Parteitag 2023 für ungültig erklärt und Özel als Parteivorsitzenden abgesetzt. Im Raum stehen Vorwürfe, dass Delegierte bestochen wurden, um für Özel zu stimmen. Der CHP-Flügel um Özel weist die Vorwürfe zurück und legte Einspruch beim Obersten Gerichtshof ein. Als CHP-Chef setzte das Gericht vorläufig Özels umstrittenen Vorgänger Kemal Kilicdaroglu ein. Das löste bereits in der vergangenen Woche Proteste in der Hauptstadt Ankara aus.
Die türkische Regierung stellt die Ereignisse als innerparteilichen Konflikt dar. In einer ersten Reaktion hatte der Sprecher der Regierungspartei Ömer Celik am Montag gesagt, in der CHP herrsche «weitaus mehr Chaos» als im Nahen Osten. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan äußerte sich bislang nicht dazu.
Özel fordert baldigen Parteikongress
Auf der Kundgebung in Izmir forderte der 51-jährige Özel seinen 77-jährigen Nachfolger Kilicdaroglu auf, schnellstmöglich einen außerordentlichen Parteikongress abzuhalten. Dort würde er sich den rund zwei Millionen Parteimitgliedern erneut zur Wahl stellen.
Wie die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu meldete, plant Kilicdaroglu das erste Treffen des Parteirats für den 1. Juni. Dort kann über die Ausrufung eines Parteikongresses entschieden werden.
Özel kritisierte auch den Zeitpunkt seiner Absetzung: «Nach 47 Jahren haben wir es geschafft, die Partei auf den ersten Platz zu bringen. Spaltet die Partei nicht, haltet uns nicht auf bei unserem Weg an die Regierung.» Er bezog sich dabei auf den überraschenden Erfolg der CHP bei den Kommunalwahlen im Jahr 2024 - ein Jahr nach Özels Wahl zum Parteivorsitzenden.