Die Eskalation in Nahost wirkt sich erheblich auf den internationalen Luftverkehr aus. Zahlreiche Lufträume wurden aus Sicherheitsgründen geschlossen, Tausende Reisende saßen fest oder mussten umgeleitet werden. Nach Angaben der Plattform Flightradar24 wurden an sieben großen Flughäfen mehr als 3.400 Flüge gestrichen - darunter an den internationalen Drehkreuzen Dubai, Abu Dhabi und Doha.
Israel und USA verteidigen ihr Vorgehen
Die israelische Armee hat Chamenei nach eigenen Angaben am Samstag gezielt getötet, als er sich mit hochrangigen Funktionären der Staatsführung in einem Gebäudekomplex im Zentrum Teherans aufhielt. Einem Bericht der «New York Times» zufolge gab der US-Auslandsgeheimdienst CIA den entscheidenden Hinweis auf seinen Aufenthaltsort.
Der Iran hat mittlerweile bestätigt, dass auch hochrangige Militärs wie Generalstabschef Abdolrahim Mussawi getötet wurden. Die israelische Armee teilte mit, bei den ersten Angriffen am Samstag insgesamt 40 iranische Kommandeure getötet zu haben. Auch Irans Ex-Präsident Mahmud Ahmadinedschad kam laut Staatsmedien ums Leben.
Israel und die USA begründen ihre Angriffe mit der Bedrohung, die vom Iran und der bisherigen Führung ausgehe. Die Attacken begannen kurz nach neuen Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran über Teherans umstrittenes Atomprogramm, durch das sich Israel in seiner Existenz bedroht sieht. Experten sehen in den Angriffen auf den Iran einen Bruch des Völkerrechts.
Europas gespaltene Reaktion
China und Russland, beide wichtige Unterstützer des Irans, verurteilten die Tötung von Chamenei. Kremlchef Wladimir Putin sprach von einem «zynischen Verstoß gegen alle Normen der menschlichen Moral und des Völkerrechts». Das chinesische Außenministerium sieht eine Verletzung der Souveränität des Irans und rief zur Einstellung aller militärischer Handlungen auf.
In Europa fielen die Reaktionen auf die israelisch-amerikanischen Angriffe unterschiedlich aus. Deutschland - gemeinsam mit Frankreich und Großbritannien - verurteilte die iranischen Angriffe auf Staaten in der Region. Die Regierungschefs von Spanien und Norwegen verurteilten nicht nur die iranischen Gegenschläge, sondern auch die Angriffe auf den Iran in aller Schärfe.
Der Tod von Religionsführers Chamenei markiere einen «entscheidenden Moment» in der iranischen Geschichte, teilte die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas mit.
Merz: Vorgehen der USA und Israels «nicht ohne Risiko»
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) wies auf Risiken der Angriffe Israels und der USA gegen den Iran hin. «Die Militärschläge sollen das zerstörerische Spiel eines geschwächten Regimes beenden», sagte er. «Das ist nicht ohne Risiko.» Man wisse nicht, «in welche Eskalation die harten iranischen Gegenschläge die Region noch ziehen werden». Zur völkerrechtlichen Einordnung der Militärschläge der USA und Israels äußerte er sich zurückhaltend. Es sei jetzt «nicht der Moment, unsere Partner und Verbündeten zu belehren», sagte Merz. «Bei allen Zweifeln teilen wir viele ihrer Ziele, ohne selbst imstande zu sein, sie auch tatsächlich zu erreichen.»