Keine Deadline, keine Länder: Mit gravierenden Maßnahmen wollte US-Präsident Trump den Iran in die Knie zwingen. Nach einem Auftritt seines Finanzministers bleibt aber viel unklar.
In ihrem «Wirtschaftskrieg» gegen den Iran will die US-Regierung Teheran komplett von der Weltwirtschaft isolieren. Die neuen Sanktionen zielten darauf ab, jede potenzielle Einnahmequelle der iranischen Revolutionsgarden zu unterbinden, sagte US-Finanzminister Scott Bessent. Der Fokus liege auf digitalen Vermögenswerten, Technologie, Gold, der Luftfahrt und der Schifffahrt. Konkrete Maßnahmen gegen Länder, die Handelspartner Irans sind, nannte er nicht, nachdem im Krieg von US-Präsident Donald Trump gegen den Iran seit Wochen keine sichtbaren Ergebnisse zu erkennen sind.
Der US-Finanzminister drohte zudem, dass jede Institution, die im Auftrag des Irans Geldwäsche ermögliche, aus dem US-Dollar-System ausgeschlossen werde. Er stellte gegenüber Journalisten in Aussicht, dass bis Ende dieser Woche eine «große Ankündigung» über die Sanktionierung eines Finanzinstituts bekanntgegeben werde.
Irans Parlamentspräsident Mohammed Bagher Ghalibaf kritisierte auf X, dass die USA wirtschaftlich nicht in der Lage seien, ihre Beziehung zu anderen Ländern weiter einzuschränken. Die Handelspartner des Irans hätten deutlich gemacht, dass sie die Äußerungen der USA in keiner Weise berücksichtigten.
«Wirtschaftlicher D-Day für den Iran»?
Unklar blieb zunächst, was genau an den neuen Sanktionen verheerend sein wird. Noch vergangene Woche sprach Trump von «Maßnahmen historischen Ausmaßes» und der «verheerendsten Wirtschaftsoperation», die jemals gegen ein Land veranlasst worden sei. Sein Vorhaben verglich er mit einem «wirtschaftlichen D-Day» für den Iran.
Der sogenannte D-Day am 6. Juni 1944 mit der Landung der alliierten Truppen in der Normandie markierte den Auftakt der Befreiung Frankreichs und Westeuropas von der Nazi-Herrschaft im Zweiten Weltkrieg. Darauf angesprochen und gefragt, warum er nicht heute Sanktionen verhänge, entgegnete Bessent: «Warum sollte ich das globale Finanzsystem sprengen wollen?»
Das Finanzministerium habe «jeden Knotenpunkt, jeden Vermittler und jedes Netzwerk erfasst, das der Iran für Ölschmuggel und die Umgehung von Sanktionen genutzt hat», sagte Bessent weiter. Mitarbeiter des Finanzministeriums, des Außenministeriums sowie des Militärs der Vereinigten Staaten träfen sich derzeit mit «internationalen Partnern», um die Erwartungen Washingtons zu adressieren. Diese sollten ihre Zusammenarbeit mit Teheran einstellen. Konkrete Länder nannte Bessent nicht - ebenso lehnte er eine Antwort auf die Frage ab, in welchem Zeitraum die ungenannten Maßnahmen zu erfüllen sein sollen.
Sanktionen gegen Firmen und Personen
Parallel dazu kündigte die US-Regierung Sanktionen an - nicht gegen Länder, sondern gegen einzelne Firmen, Personen und Schiffe, die Iran dabei unterstützen sollen, Einnahmen aus dem Ölgeschäft zu erzielen.