Die Lage in der Straße von Hormus hat sich verschärft, weil die USA Schiffe gegen den Willen Irans befreien wollen. Nun unterbricht Trump die Aktion. Gibt es insgeheim Fortschritte zu einem Frieden?
US-Präsident Donald Trump dringt im Konflikt mit dem Iran auf einen diplomatischen Durchbruch – und fährt dabei einen Schlingerkurs. Erst kündigte er am Dienstagabend (Ortszeit Washington) in einem Schritt zur Deeskalation überraschend an, den am Montag begonnenen US-Einsatz für eine sichere Durchfahrt von Schiffen durch die Straße von Hormus «für kurze Zeit» auszusetzen. Während des Stopps von «Projekt Freiheit» solle geprüft werden, ob ein Abkommen mit dem Iran abgeschlossen und unterzeichnet werden könne. Es habe «große Fortschritte» für ein «umfassendes und abschließendes» Abkommen gegeben.
Wenig später, in einem weiteren Post vom Mittwochmorgen (Ortszeit US-Ostküste) drohte Trump dem Iran aber erneut mit Militärschlägen, falls dieser US-Vorschlägen nicht zustimme. Nach gegenseitigen Angriffen in der Straße von Hormus seit Montag waren Befürchtungen gewachsen, die seit rund einem Monat geltende und von Trump zuletzt einseitig auf unbestimmte Zeit verlängerte Waffenruhe könnte scheitern.
Mit «Projekt Freiheit» wollen die USA die blockierte Straße von Hormus wieder für den Schiffsverkehr öffnen. Die Meerenge ist für die Weltwirtschaft unter anderem wegen der Exporte von Öl und Flüssiggas aus den Staaten am Persischen Golf von entscheidender Bedeutung.
Trump: Seeblockade bleibt bestehen
Am Dienstagabend hatte Trump geschrieben, die US-Blockade gegen Schiffe, die iranische Häfen anlaufen oder verlassen, bleibe aber in vollem Umfang in Kraft. Der vorübergehende Stopp von «Projekt Freiheit» erfolge auf Bitten Pakistans und anderer Länder. Pakistan vermittelt zwischen Washington und Teheran. Die Unterhändler beider Seiten hatten sich am 11. April zu ersten Gesprächen in der Hauptstadt Islamabad getroffen. Diese blieben aber ohne Durchbruch. Eine weitere Verhandlungsrunde platzte. Ein zentraler Streitpunkt ist der Umgang mit Irans Atomprogramm inklusive der Vorräte an hochangereichertem Uran.
Das US-Nachrichtenportal «Axios» schrieb von einem angeblichen Papier mit 14 Punkten, über das derzeit von amerikanischen und iranischen Unterhändlern gesprochen werde. Trump erwarte eine Antwort aus Teheran in den kommenden 48 Stunden. Eine offizielle Bestätigung des Berichts gab es nicht.
Irans Außenamtssprecher Ismail Baghai wies Berichte als überzogen zurück, wonach beide Kriegsparteien kurz vor einem Abschluss eines Abkommens stünden. Ein US-Verhandlungsvorschlag werde geprüft und die Antwort an den Vermittler Pakistan übermittelt, sagte er der iranischen Nachrichtenagentur Isna.
Aus gut informierten Kreisen in Pakistan hieß es am Mittwoch, ein Abkommen sei in Sicht. «Es kann immer noch Tage dauern, wenn nicht eine Woche», sagte eine Quelle, die anonym bleiben wollte. Sowohl Teheran als auch Washington seien bereit, von ihren Maximalforderungen abzurücken.