Pillay ist nach Albert Luthuli, Desmond Tutu, Nelson Mandela und Frederik Willem de Klerk die fünfte südafrikanische Persönlichkeit, die den Friedensnobelpreis erhält.
Mächtige Botschaft zur Verteidigung des Völkerrechts
Mit dem Preis wollte die Jury «die Welt daran erinnern, dass die Stärkung des Völkerrechts ein Grundpfeiler für eine friedlichere Welt ist». Der Direktor des Friedensforschungsinstituts Sipri, Karim Haggag, sprach von einer extrem wichtigen Botschaft zur Verteidigung des Völkerrechts, während mächtige Staaten internationales Recht ignorierten und Institutionen bedrohten.
Auch Ole von Uexküll, Direktor der Right Livelihood Stiftung, die die Alternativen Nobelpreise vergibt, nannte die Ehrung «das richtige Signal zum richtigen Zeitpunkt». Pillay habe über Jahrzehnte «einige der wichtigsten Institutionen der regelbasierten globalen Ordnung» gestärkt, die «von den Autokraten dieser Welt immer aggressiver bekämpft» würden.
Der Preis sei «eine wichtige Würdigung der entscheidenden Rolle, die die internationale Justiz als Eckpfeiler eines dauerhaften Friedens spielt», sagte die Präsidentin des Strafgerichtshofs in Den Haag, Tomoko Akane. Besonders die USA setzen das Gericht unter Druck und haben Sanktionen gegen es verhängt.
Von der Busfahrertochter zur UN-Spitzenjuristin
Pillay wurde 1941 als Tochter eines Busfahrers im südafrikanischen Durban geboren. Weil sie als indischstämmige Frau während der Apartheid keine Anstellung als Anwältin fand, eröffnete sie 1967 als erste Frau in der damaligen Provinz Natal ihre eigene Kanzlei. Sie verteidigte Gegner des Apartheidregimes und setzte sich für die Rechte politischer Gefangener ein.
1995 wurde sie als erste nichtweiße Frau zur Richterin an einem südafrikanischen Obergericht ernannt. Im selben Jahr wechselte sie an das UN-Kriegsverbrechertribunal für Ruanda, dem sie später vier Jahre lang vorstand. Dort wirkte sie 1998 an einem wegweisenden Urteil mit, das Vergewaltigung erstmals als mögliche Form des Völkermords anerkannte.
Von 2003 an war Pillay Richterin am Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag, bevor sie 2008 das Amt der UN-Hochkommissarin für Menschenrechte übernahm. Bis 2014 blieb sie im Amt. Für ihre Arbeit erhielt sie zahlreiche Auszeichnungen und Ehrendoktorwürden.
2021 übernahm Pillay den Vorsitz einer UN-Untersuchungskommission zu Israel und den besetzten Palästinensergebieten. Im September 2025 kam das Gremium zu dem Schluss, dass Israel im Gazastreifen Völkermord begangen habe. Israels Regierung wies die Vorwürfe als voreingenommen und falsch zurück. Die Vorwürfe der Voreingenommenheit wiederum wies Pillay mit Verweis auf die Beweislage von sich.
Die Vergabe des Friedensnobelpreises an Pillay kritisierte Israel scharf. Das Komitee habe «die größte Lüge des 21. Jahrhunderts» belohnt, teilte das israelische Außenministerium auf der Plattform X mit. Die Entscheidung sei «die groteske Instrumentalisierung einer Auszeichnung, um antiisraelischen Hass und Vorurteile zu legitimieren». Der nationalsozialistische Propagandaminister Joseph Goebbels applaudiere «sicher aus der Hölle», hieß es weiter.
Streit um Pillays Haltung zu Israel sorgte auch in Deutschland für Kontroversen. 2022 sollte sie in Berlin die Otto-Hahn-Friedensmedaille erhalten. Nach lautstarker Kritik wurde die Veranstaltung im Roten Rathaus gestrichen.
Der Friedensnobelpreis gilt als wichtigste Auszeichnung der Welt. In diesem Jahr waren 287 Kandidaten für den Preis nominiert. Dotiert ist er mit umgerechnet etwas mehr als einer Million Euro.