Kremlkritiker Nawalny starb vor zwei Jahren in einer Strafkolonie. Die Behörden sprachen von einer natürlichen Todesursache. Deutschland und andere Europäer berichten nun etwas ganz anderes.
Der vor zwei Jahren in russischer Haft gestorbene Alexej Nawalny ist Analysen zufolge mit einem starken Nervengift getötet worden. Außenminister Johann Wadephul (CDU) und seine Kolleginnen und Kollegen aus Großbritannien, Frankreich, Schweden und den Niederlanden beschuldigten Russland, den Kremlkritiker umgebracht zu haben. Die Witwe Julia Nawalnaja sagte bei einem Auftritt am Rande der Sicherheitskonferenz in München, nun habe man den Beweis, dass Kremlchef Wladimir Putin ein Mörder sei.
Nawalnaja hatte bei einem aufsehenerregenden Auftritt auf der Münchner Sicherheitskonferenz vor fast genau zwei Jahren angesichts der Berichte über den Tod ihres Mannes zum Kampf gegen den russischen Machtapparat von Putin aufgerufen.
Wadephul sagte, nun wisse man: «Alexej Nawalny wurde in russischer Gefangenschaft vergiftet.» Seine sterblichen Überreste hätten ein besonders starkes Nervengift, Epibaditin, enthalten. Die Wirkung des im Hautdrüsensekret von Baumsteigerfröschen in Ecuador, sogenannten Pfeilgiftfröschen, vorkommenden Giftes sei 200 Mal so stark wie Morphium. «Es lähmt die Atemmuskulatur, die Opfer ersticken qualvoll», sagte Wadephul.
Was ist Epibatidin?
Epibatidin ist ein Nervengift. Die hochgiftige Substanz wurde vor Jahrzehnten im Hautdrüsensekret bestimmter Pfeilgiftfrösche entdeckt. Inzwischen lässt sich der Giftstoff im Labor herstellen. Am effektivsten wirkt eine solche Substanz bei Injektion ins Blut, ist aber auch bei oraler Aufnahme - also bei Verschlucken - wirksam. Der Tod tritt durch Atemstillstand ein.
Wadephul: Russland hat seine hässliche Fratze gezeigt
«Niemand außer Putins Schergen wird uns sagen können, wie dieser 16. Februar 2024 in der russischen Strafkolonie im Einzelnen abgelaufen ist», sagte Wadephul. «Klar ist: Die russischen Behörden hatten die Möglichkeit, das Motiv und die Mittel, Nawalny das Gift zu verabreichen.» Nawalny sei nicht nur das mutige Gesicht der russischen Opposition gewesen, sondern schon einmal das Opfer eines hinterhältigen Giftanschlags. Anschließend war er in der Berliner Charité behandelt worden und kehrte trotz allem danach nach Russland zurück.
Auf die Frage einer Journalistin, warum die Analysen, an denen auch Frankreich teilgenommen hatte, so lange gedauert hätten, sagte Wadephul, es sei ein kompliziertes Verfahren gewesen, das mit verschiedenen europäischen Partnern habe abgestimmt werden müssen. Mit Blick auf jene in der deutschen Politik, die von der Bundesregierung immer wieder Gespräche mit Russland forderten, sagte der Minister: «Wir sind bereit, mit Russland zu sprechen, aber Russland hat seine hässliche Fratze hier gezeigt».
Wadephul kritisierte, Putin seien auch seine Verpflichtungen nach dem Chemiewaffenübereinkommen völlig egal. Die Vergiftung Nawalnys müsse Folgen haben, forderte er. Darum müsse es jetzt in den zuständigen Gremien gehen. Deshalb habe man auch den Generaldirektor der Organisation für das Verbot chemischer Waffen über die Erkenntnisse informiert.