Die Suche nach dem vermissten Besatzungsmitglied eines Kampfjets wird für die USA zum Wettlauf gegen die Zeit - im Iran werden Kopfgelder ausgesetzt. Die Lage bringt die US-Regierung in Bedrängnis.
Nach dem Abschuss eines US-Kampfjets läuft im Iran die dramatische Suche nach dem vermissten Besatzungsmitglied. Das US-Militär hat Medienberichten zufolge Spezialkräfte in den Süden des Landes geschickt - auch um eine Gefangennahme des Waffenoffiziers der abgeschossenen F-15E durch den Iran zu verhindern. Iranische Medien berichten von hohen Geldsummen, die für die Ergreifung versprochen worden sein sollen.
Derweil gab es neue Luftangriffe. Der Iran meldete unter anderem den Einschlag eines Geschosses in der Nähe des Atomkraftwerks Buschehr. In Israel wurden Einschläge nach iranischen Raketenangriffen gemeldet.
US-Präsident Donald Trump äußerte sich zu der Rettungsmission im Iran bislang nur zurückhaltend. Auf die Frage der britischen Zeitung «The Independent», was er tun würde, falls das vermisste Crew-Mitglied von Iranern gefangengenommen oder verletzt werden sollte, antwortete Trump: «Nun, das kann ich nicht kommentieren, weil - wir hoffen, dass das nicht passieren wird.»
Der Pilot des Kampfflugzeugs konnte übereinstimmenden Medienberichten zufolge gerettet werden. Zwei an den Rettungsmaßnahmen beteiligte Black-Hawk-Hubschrauber wurden demnach ebenfalls vom Iran getroffen. Teheran reklamierte zudem den Abschuss eines weiteren Kampfflugzeugs in der Region des Persischen Golfs nahe der Straße von Hormus für sich.
«Kritische» Rettungsmission der USA
Sollte der Iran das Besatzungsmitglied zuerst finden, wäre das «ein großer Gewinn» für Teheran, sagte Laurel Rapp, Direktorin des Nordamerika-Programms der Denkfabrik Chatham House, der BBC. Der Iran hätte dann «ein sehr starkes Druckmittel». Rapp sprach deshalb von einer «kritischen Mission» für die US-Streitkräfte.
Sollte das Crew-Mitglied in Gefangenschaft geraten und sollten Bilder davon veröffentlicht werden, könnte das die ohnehin schon kritische Haltung der amerikanischen Öffentlichkeit zum Krieg weiter negativ beeinflussen, sagte Rapp, die in der Vergangenheit für das US-Außenministerium tätig war. «Wenn solche Bilder auftauchen würden, hätte das aus amerikanischer Sicht eine enorm verändernde Wirkung», sagte sie.
Im Iran wurde von Kopfgeldern in Höhe von bis zu 100.000 US-Dollar berichtet (umgerechnet rund 87.000 Euro) - in den jeweiligen Provinzen ist das im Extremfall das Tausendfache des monatlichen Durchschnittseinkommens. Hamidreza Azizi, Experte für iranische Sicherheitsfragen am German Institute for International and Security Affairs, sagte der «New York Times», er sehe zwei mögliche Vorgehensweisen, sollte dem Iran die Ergreifung des Besatzungsmitglieds gelingen.