Viele Beschäftigte in Deutschland bekommen laut einer Studie der Hans-Böckler-Stiftung auch 2025 kein Urlaubsgeld. Besonders ohne Tarifvertrag und im Osten ist die Chance darauf gering.
Nicht einmal die Hälfte der Angestellten in der Privatwirtschaft erhält in diesem Sommer Urlaubsgeld. Eine Untersuchung des WSI-Instituts der gewerkschaftlichen Hans-Böckler-Stiftung zeigt, dass der Anteil der Empfänger bei 44 Prozent liegt – genau wie im Jahr 2025.
Wer unter tariflichen Bedingungen arbeitet, hat deutlich bessere Chancen auf ein Urlaubsgeld. Laut der Analyse bekommen in tarifgebundenen Unternehmen der Privatwirtschaft 73 Prozent der Befragten Urlaubsgeld, während es ohne Tarifvertrag nur 35 Prozent sind. Für die Untersuchung wurden die Angaben von etwa 50.000 Beschäftigten ausgewertet, die zwischen Anfang Mai 2025 und Ende Mai 2026 auf dem Portal Lohnspiegel.de der Böckler-Stiftung gemacht wurden.
Branchenabhängig: Hier gibt es das meiste Urlaubsgeld
"Wenn der Tarifvertrag fehlt, fehlt meist auch das Urlaubsgeld – und auch die Grundgehälter sind im Durchschnitt niedriger", sagt WSI-Lohnexperte Malte Lübker. Umso besorgniserregender ist der Rückgang der Tarifbindung. Diese liegt heute laut dem Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) bei 49 Prozent, während es Mitte der 1990er Jahre rund 80 Prozent waren.
In der Regel erhalten Beschäftigte bei Großunternehmen eher Urlaubsgeld als bei kleinen Firmen, die seltener tarifgebunden sind. Ebenso gibt es Unterschiede zwischen den Geschlechtern: Während nur 38 Prozent der weiblichen Angestellten Urlaubsgeld erhalten, sind es bei den Männern 49 Prozent. Gleichzeitig erhalten 46 Prozent der Beschäftigten in Westdeutschland den Zuschuss, während es im Osten inklusive Berlin nur ein Drittel (33 Prozent) sind.
Die Höhe des Urlaubsgeldes hängt von den Regelungen in den Tarifverträgen ab. Die Bandbreite reicht von 186 Euro in der Landwirtschaft in Mecklenburg-Vorpommern bis 2.904 Euro in der Holz- und Kunststoff verarbeitenden Industrie in Westfalen-Lippe. Während laut Studie auch in der Papier-, Metall- und Druckindustrie sowie dem Kfz-Gewerbe Urlaubsgelder von über 2.000 Euro gezahlt werden, stehen die Süßwarenbranche, das Hotel- und Gaststättengewerbe und die Landwirtschaft am unteren Ende.
Ohne Tarifvertrag kein Urlaubsgeld: Niedriglohnsektor geht oft leer aus
Dort, wo Gewerkschaften gute Tarifabschlüsse durchgesetzt haben, fällt auch das Urlaubsgeld höher aus, sagt der Leiter des WSI-Tarifarchivs, Thorsten Schulten. "In den klassischen Niedriglohnbranchen wird in der Regel nur ein niedrigeres Urlaubsgeld gezahlt."
In einigen Branchen oder Großunternehmen, in denen bundesweite Tarifverträge gelten, gibt es beim Urlaubsgeld keine Ost-West-Unterschiede mehr, so die Böckler-Stiftung. Dazu zählen etwa Versicherungen, das Gebäudereinigungshandwerk und die Deutsche Bahn AG. Auch in der Druck- und Chemieindustrie wird ein einheitliches Urlaubsgeld gezahlt.