TV-Tipp: Dieser Filmklassiker eines Meisterregisseurs entlarvt bürgerliche Doppelmoral

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Das Biest muss sterben
Komplizierte Beziehung: Charles (Michel Duchaussoy) liebt Hélène (Caroline Cellier), die Kronzeugin des Unfalltods seines Sohnes.
Les Films la Boétie

Ein böser, entlarvender Chabrol-Klassiker über Lynchjustiz in der Bourgeoisie.

Noch ein Jahr vor seinem Tod brachte er "Kommissar Bellamy" auf die Leinwand und den Ehrenpreis Berlinale Kamera aus Deutschland mit nach Hause: Claude Chabrol, der 2010 verstorbene französische Regisseur und Mitbegründer der Nouvelle vague, wurde Zeit seines Lebens nicht müde, Kritik an der Doppelmoral des Bürgertums zu üben und die Abgründe der Seele zu ermessen. Sein bevorzugtes Genre: der Krimi. In "Das Biest muss sterben", einer Arbeit von 1969, die ARTE am Montag, 3. August um 20.15 Uhr zeigt, beschreibt Chabrol eindringlich extreme Verhaltensweisen der Menschen und ihre Motivation.

Andere, sozialkritischere Werke jener Schaffensperiode wurden seinerzeit mehr beachtet. Doch auch die Nicholas-Blake-Verfilmung hat in der filmischen Retrospektive Bestand. Das Thema: Selbstjustiz im Milieu gutbürgerlicher Verhältnisse in der französischen Provinz. Die Identifikationsfigur, den 35-jährigen Literaten Charles Thénier, spielt Michel Duchaussoy. Der Witwer gerät in einen Ausnahmezustand, als sein neunjähriger Sohn von einem Auto überfahren wird und der Fahrer flüchtet.

Charakterstudie und Psycho-Thriller

Bald ist zu sehen, wie der Vater in seinem Tagebuch notiert: "Ich werde einen Menschen töten. Ich kenne weder seinen Namen noch seine Adresse, ich weiß nicht einmal, wie er aussieht. Doch ich werde ihn finden und töten." Vom tauben Gefühl geleitet, Rache üben zu müssen, macht sich Charles auf die Suche nach dem Mörder seines Jungen. Als er von einer Schauspielerin hört, die einen Nervenzusammenbruch erlitt, weil ihr Mann ein Kind überfuhr, findet er bald den Täter. Ein zynischer Sadist, dem seine Mitmenschen ohnehin nach dem Leben trachten.

Chabrol changiert gekonnt zwischen entlarvender Charakterstudie und fesselndem Psychothriller, er setzte Nicholas Blakes Romanvorlage "The Beast Must Die" mit sicherem Gespür für Atmosphäre und Spannung in Szene. Sein Film wurde später zu einer wichtigen Inspirationsquelle für Sean Penns "The Crossing Guard - Es geschah auf offener Straße" (1995).

Quelle: teleschau – der mediendienst