Die USA feiern Geburtstag. Zu diesem Anlass wiederholt 3sat den ebenso informativen wie dramatischen Politthriller "Thirteen Days" mit Kevin Costner über eine Zeit, in der die Welt dem Ende wohl so nah wie nie war.
250 Jahre ist es am 4. Juli 2026 her, dass die USA sich mit der Unterzeichnung der Unabhängigkeitserklärung vom britischen Imperium lossagten und ihren eigenen Aufstieg zur Weltmacht begannen. 3sat widmet dem Jubiläum einen ganzen Thementag und zeigt amerikanische Klassiker und Dokumentationen über das Land der unbegrenzten Möglichkeiten. In der Primetime wiederholt der Sender den Realo-Thriller "Thirteen Days" (2000) über eine Zeit, in der die Kuba-Krise die USA und die Welt beinahe an den Abgrund trieb.
Roger Donaldsons "Thirteen Days" taugt dabei als Geschichtsunterricht. Recht akribisch hält sich das spürbar sauber recherchierte Drehbuch von David Self an die realen Ereignisse von damals, als die Menschheit nur ein paar falsche Worte von ihrem Ende entfernt war.
Eigentlich wäre das ein typischer Fall für Oliver Stone gewesen. Euphorisch hätte er seinen Helden John F. Kennedy feiern können, der damals das Richtige tat. Viel Raum gibt die Geschichte für Spekulationen und Spektakuläres. Emotionale Zugänge zum Thema fänden sich viele: vom verängstigten Volk, das Vorratskäufe tätigte und zu Millionen in die Kirchen strömte, bis hin zu den jungen Kennedy-Brüdern, die plötzlich gemeinsam mit der russischen Führung das Schicksal der Welt in ihren Händen hielten. - Aber: Wie gut, dass Stone diesen Film nicht gedreht hat. So wurde aus "Thirteen Days" kein subjektives Urteil über die Historie, sondern ein sachliches, höchst informatives und dabei glaubwürdiges Drama mit dokumentarischen Zügen.
Wie die Kuba-Krise die Welt fast in den Abgrund stürzte
Chronologisch berichtet der Film über die Krise. Im Oktober 1962 entdecken amerikanische Aufklärungsflugzeuge über Kuba Truppenbewegungen. Es wird klar, dass die UdSSR 32 nukleare Raketen stationiert, die innerhalb weniger Minuten alle Großstädte der USA zerstören könnten. Präsident John F. Kennedy (Bruce Greenwood) ruft seinen Krisenstab zusammen. Was folgt, ist Politik. Pure Politik, die vielfach aus Reden, aus Diskussionen, aus persönlichen Interessen, aus unterschiedlichen Erfahrungen und emotionalen Zuständen aller Beteiligten resultiert.
Den Zugang ins Oval Office öffnet dabei Kenneth O'Donnell (Kevin Costner), persönlicher Sicherheitsberater des US-Präsidenten. Eine authentische Figur, die vom "Wall Street Journal" einmal als "wichtigster Mann im Weißen Haus neben dem Präsidenten" bezeichnet wurde. Später, nach den Morden an Bobby und John F. Kennedy, zerbrach auch er, begann zu trinken und starb früh. Im Film nun steht er mal als Ratgeber, mal nur als Beobachter da und ist dabei das Bindeglied zwischen der Regierung und dem Volk, das ansonsten vollkommen unbeachtet bleibt. Er wird Zeuge der Dynamik, die Politik entwickeln kann, leidet spürbar unter der Angst vor dem drohenden Konflikt und ist gleichzeitig neben Bruder Bobby (Steven Culp) wichtigste Bezugsperson des Präsidenten.
Dem gegenüber steht ein Militär, das in "Thirteen Days" ganz anders als sonst im amerikanischen Kino keine Heldenrolle hat. Der Film ist reich an Szenen, die deutlich machen, wie umstritten der Präsident damals bei den Hardlinern war. Belegt ist das durch eine Reihe von Zeugenaussagen und Tonbandaufzeichnungen, die der Autor mitunter im Originaltext ins Drehbuch übernommen hat.
Thirteen Days - Sa. 04.07. - 3sat: 20.15 Uhr