Damit hatte der "Bares für Rares"-Verkäufer nicht gerechnet. Aber seine Insekten-Brosche ließ die Händler-Gebote in die Höhe schießen ...
"Wow", entfuhr es Horst Lichter in der Mittwochsausgabe von "Bares für Rares", als er ein außergewöhnliches Insekt zum Anstecken erblickte. Expertin Wendela Horz war von dem "Gute-Laune-Stück" ebenfalls total begeistert. Im Händlerraum überschlugen sich die Gebote schließlich und die Händler feierten die "schönste Brosche ever".
Die Brosche stammte aus dem Nachlass von Rolands verstorbener Frau. Sie hatte das außergewöhnliche Schmuckstück einst von einer Tante geerbt. "Der Familiengeschichte zufolge wurde es beim Münchner Juwelier Hemmerle gekauft", berichtet der Verkäufer aus Wilstedt. Das Unternehmen gehörte zu den renommiertesten Schmuckherstellern weltweit.
Noch mehr als die Brosche selbst faszinierte Lichter der weiße Körper des Insekts. "Das ist doch keine Perle, oder?", fragte er angesichts der ungewöhnlichen Form. Doch Expertin Wendela Horz klärte auf: "Das ist eine Perle." Lichter konnte es kaum glauben: "Echt? Wow." Tatsächlich handelte es sich um eine Mabé-Perle, erklärte die Expertin. Am Rand der Austernschale gezüchtet, waren Mabé-Perlen hohl. Die Bläschen-Perlen wurden anschließend mit Perlmutt und Kitt gefüllt und zu Schmuck verarbeitet - in diesem Fall zu einem süßen Käfer. "Wahnsinn", staunte Lichter weiter.
"Genau das soll die Brosche bewirken: gute Laune", lächelte Horz. Besonders in der Nachkriegszeit habe man sich wieder nach verspielten Motiven gesehnt. Die Vorbilder für solche Schmuckstücke reichten jedoch bis um 1900 zurück. "Damals waren sogenannte Novelty-Broschen mit lustigen und kuriosen Objekten sehr beliebt", erklärte die Expertin.
Brosche begeistert Händler: "Ui, ui, ui, ist das ein tolles Tier"
Als Augen trug der Käfer zwei Smaragde, die auch an eine Fliege erinnern ließen. Zudem bestand die Insekten-Brosche aus 750er Gold und wurde "komplett in Handarbeit" gefertigt. Für Horz stand fest: "Das war eine Auftragsarbeit. Ob das der ganz große Name der Schmuckmanufaktur Hemmerle war, ist aber schwer zu beurteilen."
"So ganz ohne Punzen ist aber eher untypisch für Hemmerle", wusste Horz, die deshalb eine andere Herkunft vermutete - trotz der hochwertigen Verarbeitung und den edlen Materialien. Neben 750er Gold und Smaragden war die Brosche mit zahlreichen Diamanten an Flügeln, Kopf und Körper besetzt: "Das sind insgesamt um die zwei Karat."
Auf dem Körper des Käfers entdeckte Horz eine Blume aus Silber mit Diamantrosen. "Das ist Teil eines alten Schmuckstücks aus dem 19. Jahrhundert, das jemand auf der neuen Brosche haben wollte", erklärte sie die "sehr, sehr charmante Gestaltung". Zudem lobte die Expertin den noch immer sehr guten Zustand der "herrlichen Brosche". Roland hoffte auf 2.000 Euro für sein Schmuckstück. Allein der Goldwert lag bei 1.400 Euro. Insgesamt schätzte die Expertin die Brosche, die "mit der emaillierten schwarzen Zeichnung am Kopf auch an eine Honigbiene erinnert", auf einen Wert zwischen 2.500 und 3.000 Euro. Der Verkäufer zeigte sich von dieser Einschätzung sichtlich überrascht.