Ameisen-Alarm: Fränkische Gemeinde kämpft gegen Ausbreitung

2 Min
Ameisen-Alarm in Hösbach: Fränkische Gemeinde kämpft gegen Ausbreitung
Die Gemeinde Hösbach hat rund 30.000 Euro in ein Gerät investiert, das mit bis zu 120 Grad heißem Wasser gegen die Ameisen vorgeht.
SplitImage 1783514292
Gemeinde Hösbach
Ameisen-Alarm in Hösbach: Fränkische Gemeinde kämpft gegen Ausbreitung
Die Gemeinde Hösbach hat rund 30.000 Euro in ein Gerät investiert, das mit bis zu 120 Grad heißem Wasser gegen die Ameisen vorgeht.
Die Gemeinde Hösbach hat rund 30.000 Euro in ein Gerät investiert, das mit bis zu 120 Grad heißem Wasser gegen die Ameisen vorgeht.
Gemeinde Hösbach
Ameisen-Alarm in Hösbach: Fränkische Gemeinde kämpft gegen Ausbreitung
Die Große Drüsenameise ist einheitlich schwarz gefärbt und zeigt unterschiedlich große Arbeiterinnen, von zwei bis etwa fünf Millimetern Länge.
Große Drüsenameise
Gemeinde Hösbach

Die rasante Ausbreitung einer Ameisenart stellt eine fränkische Gemeinde vor große Herausforderungen. Vor Ort setzt man sich nun mit ungewöhnlichen Mitteln zur Wehr.

Die Große Drüsenameise (Tapinoma magnum) ist längst nicht mehr nur ein Problem in Baden-Württemberg – auch in Franken ist die potenziell invasive Art angekommen. Der Markt Hösbach im Landkreis Aschaffenburg gehört zu den betroffenen Gemeinden. Dort ist die Ameise bereits deutlich verbreitet. Auf dem örtlichen Friedhof zeigt sich, wie massiv das Problem sein kann. Die Gemeinde reagiert seit Monaten mit gezielten Maßnahmen. "Die Ameisenart ist auf unserem Friedhof zwar deutlich vertreten, doch wir sind bereits seit fast einem Jahr aktiv, um ihre Ausbreitung einzudämmen", heißt es vom Markt Hösbach.

Ein Grund für die rasante Ausbreitung ist die besondere Lebensweise der Art. Tapinoma magnum bildet sogenannte Superkolonien: weit verzweigte Netzwerke aus zahlreichen Nestern mit mehreren Königinnen. Diese Kolonien können Hunderttausende bis Millionen Arbeiterinnen umfassen. Zwischen den Nestern gibt es keine Konkurrenz – sie funktionieren wie eine einzige Einheit. Dadurch breitet sich die Art besonders schnell und flächig aus und ist schwer zu bekämpfen. Auch der Eichenprozessionsspinner breitet sich in Franken zunehmend aus. In Nürnberg geht sogar eine Spezialfirma gegen den Befall vor. 

Hösbach kämpft gegen Ameisen-Ausbreitung: Fränkische Gemeinde setzt Spezialgerät ein

In Hösbach setzt die Gemeinde auf eine kontinuierliche Bekämpfung der Ameisen. Ein spezielles Heißwassergerät, mit bis zu 120 Grad Celsius, kommt regelmäßig zum Einsatz. "Ein extra dafür angeschafftes Heißwassergerät wird von einem Mitarbeiter des Bauhofes täglich von Montag bis Freitag zum Einsatz gebracht", heißt es weiter von der Gemeinde auf Facebook. Ziel der Maßnahmen sei es, die Population einzudämmen und Schäden an Anlagen und Umgebung möglichst gering zu halten.

Ursprünglich stammt die Große Drüsenameise aus dem Mittelmeerraum, "hat sich von dort aber über Warenlieferungen auch bis nach Deutschland verbreitet. Die Einschleppung erfolgt überwiegend mit mediterranen Großgehölzen (zum Beispiel Oliven- und Feigenbäume, Palmen), die zunächst in Gärtnereien und Gartencenter geliefert werden", schreibt das Umweltbundesamt.

Die Ameise sei für Menschen zwar ungefährlich, "kann beim Eindringen in Gebäude zum einen Schäden an Fassaden und der Elektrik verursachen, zum anderen führt ihr massives Auftreten zu starker Belästigung in Gebäuden und Gärten", schreibt das Amt weiter. "So kam es in Kehl bereits zu Stromausfällen, weil sie ihre Nester auf elektrische Anlagen ausbreitete", schreibt das Naturkundemuseum Stuttgart.

 Große Drüsenameise: "Potenziell invasive Art" für Deutschland

Im Gegensatz zu heimischen Arten bleibt Tapinoma magnum auch bei niedrigen Temperaturen aktiv, wie das Umweltbundesamt schreibt. Sie sei bereits ab etwa 3 Grad Celsius unterwegs und suche bei Kälte gezielt Gebäude auf. Das macht sie selbst im Winter zu einem Problem und unterscheidet sie deutlich von heimischen Ameisenarten.

"Die Art Tapinoma magnum über ihr Aussehen sicher zu bestimmen, ist sehr schwierig", dafür brauche es technische Ausrüstung und Erfahrung, hält das Naturkundemuseum Stuttgart fest. "Aber die gute Nachricht ist, viele Arten der Gattung Tapinoma kann man selbst als Laie bei genauem Hinsehen zuordnen. So lassen sich viele zunächst scheinbar verdächtige Ameisenfunde mit etwas Beobachtung und Auge fürs Detail bereits ausschließen", erklärt das Museum.

"Da sie in einigen EU-Ländern wie Spanien und Italien heimisch ist, kann sie nicht in die Liste invasiver gebietsfremder Art von unionsweiter Bedeutung aufgenommen werden", schreibt das Umweltbundesamt. Die naturschutzfachliche Bewertung durch das Amt sehe die Art aber als "potenziell invasive Art" für Deutschland. "Diese Bewertung beruht allein auf naturschutzfachlichen Kriterien wie ein hohes Reproduktionspotential, einen expansiven Ausbreitungsverlauf, eine mögliche Monopolisierung von Ressourcen und der Förderung durch den Klimawandel", erklärt das Amt. Weitere Nachrichten aus Aschaffenburg und Umgebung findest du in unserem Lokalressort.