Peter Giesel hatte sich schon auf die Schnorcheltour am Great Barrier Reef gefreut. Aber der Trip entpuppt sich bei "Achtung Abzocke" eher als Besuch eines "versandeten Fußballplatzes unter Wasser".
"Wenn wir umweltverträglich schnorcheln - toll!", freut sich Reporter Peter Giesel. Für ihn und sein Team geht es im Rahmen der Kabel-Eins-Sendung "Achtung Abzocke - Urlaubsbetrügern auf der Spur" nach Cairns in Australien. Das Ziel: das Great Barrier Reef - das größte Korallenriff der Erde. Was nach einem paradiesischen Schnorchel-Abenteuer klingt, entwickelt sich allerdings schnell zum absoluten Touristen-Fiasko.
Für die vierstündige Schnorcheltour muss Giesel zunächst 120 Dollar, umgerechnet rund 70 Euro, auf den Tisch legen. Bevor es losgeht, betont er: Es sei ihm "ganz wichtig", dass jemand dabei ist, der ihm sage, worauf er beim Schnorcheln achten müsse. Schließlich seien die Korallen Lebewesen. Giesel wirkt voller Vorfreude, doch er ahnt noch nicht, dass die Suche nach den Korallen zu einer regelrechten Odyssee werden wird.
Die gebuchte Tour startet, doch von einem echten Tourguide fehlt offenbar jede Spur. Stattdessen entpuppt sich der vermeintliche Guide als Angestellter. Informationen über das einzigartige Gebiet gibt es lediglich über einen Fernseher an Bord. Das Boot bringt die Touristen schließlich zu einer Insel, auf der Giesel endlich ins Wasser darf. Doch die Ernüchterung folgt prompt.
"Von wegen Weltnaturerbe, das hier ist ein versandeter Fußballplatz unter Wasser"
"Das ist jetzt nicht euer Ernst, oder?", fragt er sein Team fassungslos. Statt farbenprächtiger Korallen erwartet ihn unter Wasser offenbar vor allem Sand. "Von wegen Weltnaturerbe, das hier ist ein versandeter Fußballplatz unter Wasser", urteilt Giesel. Für ihn ist klar: Dafür sollte niemand um die halbe Welt fliegen und 70 Euro auf den Tisch legen. "Das ist kein Schnorchel-Trip, das ist eine Frechheit." Doch Giesel gibt nicht auf. Die Korallen will er sich schließlich nicht entgehen lassen. Also bucht er direkt die nächste Tour für den nächsten Tag. Diesmal für stolze 170 Euro.
Der zweite Ausflug verspricht deutlich mehr: Gleich zwei Stopps stehen auf dem Programm. Zunächst geht es zu einer künstlich angelegten, schwimmenden Plattform mitten im Ozean. Danach soll Fitz Roy Island auf dem Programm stehen. Doch schon die Überfahrt sorgt bei Giesel für Ernüchterung. Immer wieder wird er angesprochen und dazu gedrängt, zusätzliche Angebote zu seiner Tour zu buchen. "Diese Überfahrt ist im Prinzip sowas wie eine maritime Kaufveranstaltung", fasst er das Geschehen zusammen.
Halbe Stunde Schnorcheln für 170 Euro
Immerhin: Bei der schwimmenden Plattform zeigt sich Giesel zunächst begeistert. "Cool", lautet sein erster Eindruck. Doch bevor er selbst ins Wasser darf, gibt es erst einmal das volle Touristenprogramm: eine Fahrt im Glasbodenboot, bei der er die Korallen zumindest von oben betrachten kann, und anschließend eine U-Boot-Fahrt, die Giesel eher an eine "Attraktion aus dem Freizeitpark" erinnert.
Dann ist es endlich so weit: Giesel darf schnorcheln. Allerdings nur für eine halbe Stunde. Und auch dabei bleibt ihm der Massentourismus nicht erspart. Kaum im Wasser, wird er von einem Fotografen umkreist. Das Fazit: Zwar sei der Ausflug super gewesen, doch für den Preis sei die Zeit im Wasser einfach viel zu kurz - und Korallen habe er auch keine gesehen.