Lea (27) spricht in ARD-Doku offen über ihre Porno-Sucht: "Bezug zur Realität komplett verloren"

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Pornosucht
Junge Menschen haben durch das Internet heute oft unkontrolliert Zugang zu Pornografie.
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Bereits als junges Mädchen kommt Lea erstmals mit Pornos in Kontakt. Was als Schock beginnt, wird später zur Sucht. Die 27-Jährige erzählt nun in einer ARD-Doku, wie der Konsum ihr Selbstbild verändert hat.

"Ich schau mich an, und denke mir: unbeschwert", erzählt Lea. In ihren Händen hält die junge Frau ein Foto aus ihrer Kindheit. Doch der Eindruck täuscht. "Ich weiß, da war schon wirklich ein Zentner Last auf mir." Lea leidet unter einer Pornonutzungsstörung. Erst nach vielen Gesprächen fasst sie den Mut, ihre Geschichte vor laufender Kamera zu erzählen. In der "ARD Story"-Doku "Pornoflut und erste Liebe - Zwischen Verbot und Aufklärung" spricht die heute 27-Jährige über ihre Erfahrungen mit der Pornosucht.

"Mein Name ist Lea. Ich bin 27 Jahre alt und ich kam mit Pornos in Berührung, da war ich sieben oder acht Jahre alt", erzählt sie. Ihre ersten Reaktionen seien Schock und Angst gewesen. Gleichzeitig habe sie das Gefühl gehabt, dass ihr etwas "Verbotenes" offengelegt werde. "Als Kind kannst du das ja nicht wirklich verarbeiten", erklärt Lea. Für sie sei das Gesehene ein "Tor zu einer ganz anderen Welt" gewesen.

"Bezug zur Realität komplett verloren"

Richtig schlimm sei es schließlich geworden, als Lea ihr erstens eigenes Handy bekam. Plötzlich hatte sie "Zugriff zu allem". Grenzen habe es für sie kaum noch gegeben. Bald merkte Lea, dass ihr ein Porno nicht mehr reichte. Der Konsum wurde immer extremer: "Es wurde teilweise einfach zu einer Gewaltverherrlichung." Damals habe sie geglaubt, das alles sei normal und richtig.

Auch ihre Vorstellung von Liebe und Beziehungen sei zunehmend von den extremen Bildern geprägt gewesen. Sie dachte, dass auch ihre Romanzen so aussehen müssten. "Mein Denken war in dem Sinne so zerstört, dass ich den Bezug zur Realität komplett verloren habe. Das, was da gezeigt wurde, war für mich real."

Die Bilder habe sie ständig im Kopf verarbeitet. Aus Angst und Scham begann Lea zudem, sich immer weiter zu isolieren. Niemand habe von ihrem Pornokonsum erfahren sollen. Sie fürchtete, sofort "abgestempelt" zu werden und dass andere von ihr denken könnten, sie sei "der letzte Dreck der Gesellschaft".

"Ich habe teilweise einfach geweint, weil ich gespürt habe, das ist ekelhaft"

Dabei hatte Lea sich als kleines Kind zunächst noch ihrer Mutter anvertraut. Letztere habe damals liebevoll reagiert und ihr klargemacht, dass Pornos in die Welt der Erwachsenen gehören würden. Als Leas Konsum im Teenageralter zunahm, schwieg sie jedoch aus Scham. Immer wieder habe sie sich selbst gesagt: "Ich bin dreckig. Ich bin schmutzig." Sie erinnert sich: "Ich habe teilweise einfach geweint, weil ich gespürt habe, das ist ekelhaft. Aber trotzdem konnte ich das nicht ablegen."

Heute möchte Lea nach eigener Aussage nie wieder Pornos sehen. Sie ist inzwischen glücklich verheiratet und blickt auf eine Zeit zurück, in der die Bilder aus dem Internet ihre Vorstellung von Liebe und Sexualität massiv beeinflusst hatten. Während Pornos für sie lange Zeit Gewalt und Schmerz vermittelten, erlebt sie heute eine andere, "schöne" Realität.

Die Reportage ist im Streamingportal der ARD verfügbar.

Quelle: teleschau – der mediendienst