Juso-Chef kritisiert Rentenpaket - nach Lanz-Schelte gesteht er: "Da müssen Sie mir aushelfen"

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Markus Lanz
Philipp Türmer redete sich zum aktuell vorgestellten Rentenkonzept um Kopf und Kragen.
ZDF / Markus Hertrich
Markus Lanz
Während sich CDU-Politiker Pascal Reddig (rechts) für das Rentenkonzept starkmachte, argumentierte Philipp Türmer, dass es "ungerecht" sei.
ZDF / Markus Hertrich

Bei "Markus Lanz" im ZDF drehte sich am Dienstagabend alles um das neue Rentenpaket. Während Juso-Chef Philipp Türmer mehr Fairness für Menschen mit harten Jobs forderte, forderte Lanz den Politiker mit spitzen Fragen heraus.

Bundeskanzler Friedrich Merz und Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas haben angekündigt, die insgesamt 33 Vorschläge der Rentenkommission vollständig umzusetzen. "Sie bilden ein Gesamtkonzept, das nur in seiner Gesamtheit funktioniert", erklärte Merz. Vorgesehen sind unter anderem eine Anhebung des Renteneintrittsalters, der Einstieg in eine kapitalgedeckte Zusatzrente sowie eine Ausweitung des Kreises der Beitragszahler.

Am Dienstagabend wollte ZDF-Moderator Markus Lanz deshalb von seinen Gästen wissen, was sie von dem Rentenkonzept halten. Journalistin Kerstin Münstermann gab zu, dass es "eine große Überraschung im politischen Berlin gewesen" sei, denn: "Keiner hätte auf diese Kommission gewettet, weil sie innerhalb eines schwierigen politischen Umfelds entstanden ist."

Die Journalistin zeigte sich zudem beeindruckt vom Anspruch des Pakets: "Ich habe noch nie ein Konzept erlebt, das tatsächlich die Idee hatte, das gesamte System mal neu anzugehen." Lanz reagierte sichtlich amüsiert: "Das ist doch großartig, wenn da nicht Philipp Türmer wäre!"

Der Juso-Vorsitzende ordnete ein, dass er in dem Konzept "Licht und Schatten" sehe. Was er konkret zu bemängeln hatte? "Dass von dieser Rente vor allen Dingen so Leute profitieren würden wie ich", so Türmer. Lanz fragte ungläubig: "Was haben Sie gegen sich?" Der Juso-Chef erklärte, dass er "relativ spät, erst mit Ende 20, angefangen" habe, "in die Rentenversicherung einzuzahlen - und trotzdem müsste mein Kollege aus der Grundschule, der mit 19 angefangen hat, als Lagerist zu arbeiten, genauso lange (...) in die Rente einzahlen, um ohne Abschläge rauszugehen". Für Türmer sei dies ein Gerechtigkeitsproblem. "Weil ich finde, wer länger einzahlt, wer länger arbeitet, der sollte auch früher rausgehen können."

Philipp Türmer: "Ich finde es richtig, dass das Rentenniveau steigen soll"

Philipp Türmer legte nach: "So Leute wie ich, die in akademischen Berufen arbeiten, die sollten länger arbeiten." Eine Vorlage für Lanz, der CDU-Politiker Pascal Reddig ins Spiel brachte: "Herr Reddig, wie konnte das passieren, dass Sie jetzt Herrn Türmer so derart verschont haben?" Reddig, selbst Mitglied der Rentenkommission, konterte ironisch: "Das, was Philipp Türmer gerade beschrieben hat, ist der Grund, warum ich eigentlich der Meinung war, dass Politiker nicht in die Kommission sollten." Lanz lachte: "Hat ja gut geklappt, wenn man Sie anschaut!"

Reddig erinnerte schließlich daran, warum die Kommission überhaupt eingesetzt wurde: "Weil es in den letzten Jahren und Jahrzehnten eigentlich nie gelungen ist, wirklich große Rentenreformen in Deutschland zu machen." Seine Warnung? "Wenn wir jetzt anfangen, alles zu zerreden, dann landen wir genau da, wie in den letzten Jahren immer: dann wird es keine Reformen geben und jedenfalls keine, die das Land besser macht."

Türmer hielt dagegen: "Ich möchte auch nicht alles zerreden. Ich finde es richtig, dass das Rentenniveau steigen soll, (...) aber trotzdem nehme ich mir heraus, zu kritisieren, wo ich der Meinung bin, dass man es besser machen kann in der Umsetzung." Der Juso-Chef formulierte daraufhin sein Gegenmodell: "Ich finde, ein besseres Konzept wäre gewesen, wenn berücksichtigt worden wäre, wie lange jemand einzahlt und berücksichtigt wird, wie gesund, wie fit er ist. (...) Die Leute sollten nicht so lange arbeiten müssen, bis es gesundheitlich gar nicht mehr geht."

Lanz schoss energisch zurück: "Herr Türmer, warum tun Sie ständig so, als wäre das die Idee? Das verstehe ich nicht! Das ist nicht die Idee!" Türmer erklärte, auf "einen wichtigen Zusammenhang" hinweisen zu wollen: "Die allgemeine Lebenserwartung ist ein statistischer Durchschnittswert, aber die Lebenserwartung steigt nicht für alle gleich. Die Lebenserwartung ist eine Verteilungsfrage."

"Ich habe das Gefühl, ich bin heute ein bisschen hier beim Schätz-Quiz gelandet"

Der Juso-Chef führte aus, dass die Lebenserwartung "für Leute mit guter Qualifikation, gut bezahlten Jobs" stark ansteige, während "die Lebenswartung von Menschen, die hart arbeiten, die häufig stärker belastet sind", stagniere. Lanz wollte konkrete Zahlen: "Wie viel Prozent betrifft das, von denen, die in Rente gehen?" Türmer antwortete: "Das dürften dann um die 20 Prozent sein."

Der Moderator hielt sofort dagegen: "Nur zehn Prozent der Dachdecker arbeiten überhaupt jenseits von 60. Da kann man doch nicht sagen, das ist ein zutiefst ungerechtes System!" Türmer reagierte gereizt: "Das sage ich nicht, Herr Lanz!" Er ergänzte, er sei "schockiert darüber", wie sehr die "einfache These" polarisiere, "dass ein Rentensystem darauf achten sollte, wie gesund jemand ist".

Lanz drängte weiter auf konkrete Daten und wollte wissen: "Von allen, die neu in Rente gehen, wie viel Prozent davon nehmen die Möglichkeit einer Rente mit 63 in Anspruch?" Sarkastisch erwiderte Türmer: "Zukünftig gar niemand mehr." Als Lanz nachsetzte, stichelte der Juso-Chef: "Herr Lanz, ich habe das Gefühl, ich bin heute ein bisschen hier beim Schätz-Quiz gelandet!" Lanz zeigte sich unbeeindruckt: "Wenn Sie es nicht wissen, ist es schätzen, richtig." Er mahnte: "Wenn man so hier argumentiert, muss man doch die Basiszahlen irgendwie draufhaben!"

Türmer wich jedoch weiter aus und betonte erneut die Perspektive der körperlich hart Arbeitenden, bis Lanz die Frage wiederholte: "Von allen, die neu in Rente gehen, nehmen wie viele ungefähr die Rente mit 63 in Anspruch?" Türmer gab schließlich auf: "Herr Lanz, da müssen Sie mir aushelfen." Zum Schluss lieferte der Moderator selbst die Zahl und offenbarte: "Es sind ungefähr 30 Prozent. (...) 270.000 gehen Jahr für Jahr vorzeitig in den Ruhestand."

Quelle: teleschau – der mediendienst