"Der ist wie ich!" Jürgen Klopp setzt auch im Kinderfernsehen neue Interview-Maßstäbe

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KiKA
Bundestrainer Jürgen Klopp stand KiKA-Reporter Charlie am DFB-Campus in Frankfurt Rede und Antwort.
KiKA / ARD / ZDF

Wie sagt man einem Schüler der Generation Smartphone, dass Bewegung keine schlechte Sache ist? Jürgen Klopp hat die Aufgabe im KiKA-Interview bravourös gelöst. Wenn der DFB klug beraten ist, macht er ein Lehrvideo daraus.

In seinen DFB-Pressekonferenzen hat Jürgen Klopp ab Tag eins eine Virtuosität an den Tag gelegt, nach der sich seine Nationalspieler auf dem Platz noch ein wenig strecken müssen. Reden kann der neue Bundestrainer wie keiner seiner Vorgänger. Allerdings war ihm bislang die ultimative Herausforderung beim Peinlichkeitsvermeiden auch erspart geblieben: ein Interview mit einem Kinderreporter.

Beim DFB-Campus in Frankfurt am Main hatte nun ein blonder Junge namens Charlie ein paar Fragen an den Übungsleiter der deutschen Fußballnationalmannschaft. Und was soll man sagen? Jürgen Klopp hat auch im Kinderkanal von ARD und ZDF neue Maßstäbe gesetzt. Der knapp fünfminütige KiKA-Clip kann künftig als Lehrvideo für Medienschulungen dienen.

Jürgen Klopp erzählt "aus einer anderen Zeit"

Mit einer nicht aufgesetzt wirkenden Lockerheit plaudert Klopp über ein Praktikum als Sportstudent in der Gehörlosenschule ("Wir haben alles gemacht außer Fußball gespielt") und verrät seine Lieblingsfächer aus der Schule: Englisch und Französisch. "Ich auch", sagt Charlie, und da erntet er zur Belohnung das ganz breite Kloppo-Lachen: "Ich hab mir schon gedacht, wo ich dich hab dribbeln sehen: Der ist wie ich!"

"Warum finden Sie für Kinder Sport so wichtig?", will der Kinderreporter außerdem wissen. Das ist eine Frage, die sich einerseits quasi von selbst beantwortet, aber andererseits genau deshalb eine Spießigkeitsfalle ist. Klopp erkennt das sofort und leitet seine im Grunde altväterliche Botschaft mit einer Verbeugung auf Augenhöhe ein: "Jetzt erzähl ich aus einer anderen Zeit, und das ist immer ein bisschen doof, wenn man jungen Leuten erzählt, wie es früher war."

Aber er sei eben auch mal ein Kind gewesen, "auch wenn man sich das nicht mehr vorstellen kann", und damals hätten Kinder jeden Tag sehr viel Gelegenheit gehabt, sich viel zu bewegen. "Weil, und jetzt kommt's: Wir hatten keine Handys, keine Computerspiele. Das klingt jetzt so, als wäre es eine ganz schreckliche Zeit gewesen, war's aber nicht."

Wenn's nach dem Bundestrainer geht: zwei Stunden Schulsport täglich

Heute sei das Leben ein bisschen anders. "Macht nix, ist auch gut. Aber jetzt müssen wir das mit der Bewegung wieder hinkriegen, weil das braucht jeder Körper." Wenn es nach ihm gehe, so Klopp, würden Schulen zwei Stunden Sport täglich anbieten. Das klingt für Charlie nicht schlecht. Wahrscheinlich besser als Social-Media-Verbot.

Danach verpasst es Klopp auch nicht, die Karte Selbstironie zu ziehen ("Ich wollte Arzt werden. Ist gut für alle Patienten, dass es mit dem Fußball geklappt hat.") und darf zuletzt auch noch Trainerwissen über Charlies Position auf dem rechten Flügel ausbreiten. "Wahnsinnig wichtige Position. Durfte ich nur nie spielen. Dass du die spielen kannst, ist schon mal gut", findet der Bundestrainer. Und: "Arbeite an deinem Linken, das ist ein guter Tipp von mir!"

"Mach ich", sagt Charlie, und beim Leuchten seiner Kinderreporteraugen hat man da auch nicht den geringsten Zweifel.

Quelle: teleschau – der mediendienst