Heidi-Hysterie meets Wiesn-Wahnsinn. Mit ihrem "HeidiFest" (RTL) stimmte Heidi Klum München und seine Schickeria auf das am Samstag startende Oktoberfest ein. Wer die Festivität im Hofbräuhaus überstand, müsste für die echte Wiesn bestens gerüstet sein.
"HeidiFest" bei RTL bot 24 Künstlerauftritte in 135 Minuten, also 17 Hits mehr in 60 Minuten weniger als "The Masked Singer" am Vorabend - und dazu noch zwei Werbepausen weniger! Aber, das muss man schon sagen: auch ein paar richtig peinliche Momente mehr. Zwischendurch schaute sogar mal Heidi Klum schräg - und die ist normalerweise die gute Laune in Person.
Das "HeidiFest" wurde zum erwarteten Fiebertraum. Aber der begann schon vor dem Showstart mit dem "Exclusiv Spezial", bei dem Frauke Ludowig jeden auf dem grünen Teppich zum Kurzinterview stellte, der nicht schnell genug vorbeihuschte. Oder die Moderatorin - wie Heidi Klum auf dem Weg zum Familienfototermin - rüde aus dem Weg schubste. Das Gespräch mit Olivia Jones, als Kuh gekleidet, ebnete niveaumäßig den weiteren Weg. Später grölte "La Jones" noch "Jetzt muss ich gemolken werden" ins weite Runde. Top Bewerbung für "Promi-Büßen", aber nicht als Moderatorin.
"Das wird a Mords Gaudi", hatte Heidi Klum (53) als Motto ausgegeben. Als sie gegen 19.30 Uhr mit Mama Erna in der Fahrradrikscha vorfuhr, war die Dirndlschürze noch gelb und die Welt in Ordnung. Dann lud Dimitrios Adamopoulos GNTM-Model Barbara Meier und Schlagerstar-Spross Achim Petry zum traditionellen Nagelspiel und erklärte etwas holprig: dreimal nageln und "wer's mehr drin hat, kriegt ein Geschenk". Barbara gewann - ein Lebkuchenherzl mit "I Heidi gern"-Aufschrift.
Bill Kaulitz blieb dem "HeidFest" fern
Mit 900 geladenen Gästen sowie 24 Acts aus Heidis persönlicher Lieblingsplaylist der 70er- bis 90er-Jahre drehte "HeidiFest" das feiererprobte Münchner Hofbräuhaus auf links. VIP-Gäste von Anna Ermakova bis Jana Wosnitza und Stars von Dr. Alban bis Vicky Leandros sorgten für Glamour und tolle (Vicky!) bis schräge (Dr. Alban, La Bouche, Jenny von Ace of Base) Auftritte. Der Sound, zumeist Playback, war schlecht. Das Licht der Kameraleute arbeitete nach dem Refrain aus dem "Schunder-Song" von den Ärzten, also tief ins Gesicht rein.
Erst musste noch eine bange Frage geklärt werden. "Wo ist Bill?" Heidis Schwager war nicht da. "Der ist unterwegs", erklärte Gustav Schäfer, Bills Tokio-Hotel-Kumpel und seit "Let's Dance" selbst Star. "Das hat nicht in seinen Terminkalender gepasst." Dann schritt Heidi, mit nun ganz unschuldigem brautweißen Dirndl, zum Anstich. A bisserl nervös war sie schon, denn: "Letztes Jahr ging's mitten ins Gesicht." Diesmal aber: Nur ein kleiner Spitzer beim ersten Schlag, nach dem zweiten passte es, der dritte war Sicherheitsschlag. Sie war so stolz, dass sie das übliche "O'zapft is!" vergaß. Nicht aber "meine lieben Freunde von ProSieben" zu grüßen.
Bruce Darnell versagt beim Schuhplatteln
Heidi nahm sich diesmal aus der Moderation ein wenig zurück, überließ ihren Dragqueen-Freunden um Candycrush das Labern. War bunt und schrill, aber mitunter nicht die beste Wahl. Aber so hatte Heidi Zeit, an Einlagen wie Kuhglockenbimmeln oder gefaktem Maßkrugstemmen mitzumachen und vor allem, sich an ihren Tom zu kuscheln und mit ihm zu tanzen. Ihre Tochter Leni war auch da, ging aber irgendwie in der tobenden Meute verschütt. Ihre Oma Erna und Bruder Henry hielten länger aus.
Jubel, Trubel, Heiserkeit. Gefakte Stimmung, wo immer die Kamera mit Rotlicht hinschwenkte. Nur Realitystar Gina-Lisa Lohfink fühlte es wirklich. Die wäre fast, oder wenigstens Teile von ihr, vor Freude geplatzt. Aber Heidi nahm alles mit stoischer guter Laune, süppelte am Bier und groovte mit und begnügte sich auch mit nur einem atonalen Anheizen zum "Prosit der Gemütlichkeit".