Fast 15 Jahre regierte er in Sachsen-Anhalt. Bei "Maischberger" bezog Reiner Haseloff Stellung zur Wahlschlappe seiner CDU. Er selbst hätte sie auch nicht verhindern können, sagte der im Januar zurückgetretene Politiker. Die Menschen hätten Friedrich Merz im Sinn gehabt.
Von April 2011 bis zu seinem Rücktritt im Januar 2026 war er Ministerpräsident des Landes Sachsen-Anhalt. Nun muss Reiner Haseloff eine bittere Wahlschlappe seiner CDU zur Kenntnis nehmen - und 43,8 Prozent für die AfD. "Hätten Sie diesen Wahlerfolg der AfD verhindert?", wollte Sandra Maischberger von ihrem Talk-Gast im Ersten am Dienstagabend wissen.
Haseloff antwortete unumwunden: "Ich glaube nicht, denn wir waren nicht das Thema." Der Ex-Ministerpräsident berief sich dabei auf Umfragen, wonach "fast 90 Prozent jetzt sagen, dass das Thema Bundesregierung und Friedrich Merz auch als Person die entscheidende Rolle gespielt hat". Dies bedeute "nicht, dass Friedrich Merz alles falsch gemacht hat, sondern dass wir das Problem mit ihm auch weiterhin besprechen müssen, wenn es darum geht, diese Wählerinnen und Wähler, zumindest diejenigen, die uns zum letzten Mal verlassen haben, dass wir die wieder zurückholen. Das muss unsere gemeinsame Aufgabe in Deutschland sein."
Wie sehr den 72-Jährigen die politische Lage in seinem Bundesland umtreibt, war bei "Maischberger" kaum zu übersehen. Schon während die Journalisten auf dem Talk-Panel über die Situation nach der Wahl in Sachsen-Anhalt diskutierten, klinkte er sich ein. Während seines Einzelinterviews ließ er dann einen Studio-Zuschauer zu Wort kommen und beantwortete dessen Frage.
Reiner Haseloff: "Das kann uns auch keiner wegreden"
Der Gast hatte moniert, dass sich Haseloffs Nachfolger und Noch-Ministerpräsident Sven Schulze zum CDU-Fraktionsvorsitzenden wählen ließ. Dadurch müsse er sich quasi selbst kontrollieren, solange er im Amt sei. Das sei tatsächlich problematisch, gab Haseloff zu. Der Vorgang müsse verfassungsrechtlich geprüft werden.
Inhaltlich steht der Ex-Landesvater jedoch voll und ganz hinter der Sachsen-Anhalt-CDU, wie er deutlich machte: "Unsere Fraktion, die geblieben ist, diese 15 Leute, hat sich klar positioniert: Sie werden an einer Regierungsbildung dieser AfD nicht teilnehmen", versicherte er. "Wir grenzen uns ab von Politikansätzen, die schlicht und einfach mit unserem moralischen und politischen Kodex und mit unserem Grundsatzprogramm nicht übereinstimmen. Das kann uns auch keiner wegreden."
Dass es einen "Überläufer" aus CDU-Reihen geben könnte, der dem AfD-Kandidaten Ulrich Siegmund zur Mehrheit bei der Ministerpräsidentenwahl verhelfen würde, schloss Haseloff im ARD-Talk aus. Die schlichte Begründung: "Wieso sollte er das tun?" Der Ex-Ministerpräsident warnte eindringlich: "Wenn das Wahlprogramm der AfD umgesetzt wird, dann ist es ein anderes Land."
Quelle: teleschau – der mediendienst