Auf TikTok und Instagram geht ein Berliner Lehrer als "Herr Reff" viral. Und auch hinter seiner Handykamera kommt er bei seinen Schülerinnen und Schülern gut an. In einer "37°"-Reportage erklärt er, was er mit seinen Videos erreichen will - und wie sein eigenes Schicksal ihn beeinflusst.
An einer Brennpunktschule in Berlin ist eigentlich schon Pause, doch in einem Klassenzimmer sind die Stühle noch nicht leer. Die Schülerinnen und Schüler bleiben freiwillig sitzen, um ihrem Lehrer (42), der im Internet als Herr Reff bekannt ist, beim Videodreh für seine Social-Media-Kanäle zu helfen.
Inzwischen folgen ihm dort auf allen Plattformen über eine Million Menschen. Dort, wie auch in der Schule, hat er ein Ziel: Respekt, Demokratie und Miteinander vermitteln. Die ZDF-Reportage "Ein Lehrer geht viral" begleitet den 42-Jährigen zwischen Klassenzimmer, Social Media und seiner eigenen Vergangenheit.
Seine Schülerinnen und Schüler sind Fans von Reff, das wird schnell klar. "Er ist halt ein mitfühlender Mensch", erklärt ein Mädchen. "Er respektiert uns. Nicht so wie alle Lehrer", sagt ein anderes. Sie feiern die Videos des Geografie-, Politik- und Ethiklehrers, aber auch seinen Unterricht. Der ist manchmal etwas unkonventionell, denn Reff ist überzeugt, dass lernen nur mit Schulbüchern nicht funktioniert. So kommt es schon mal vor, dass er eine Klasse mit Eiern nach Hause schickt, auf die sie aufpassen sollen. Mit einem Post dazu ging er erst kürzlich viral.
Herr Reff nimmt Hasskommentare nicht hin
Zusätzlich zu seinen Posts geht Reff zweimal in der Woche live, um mit seinen Followerinnen und Followern so direkt, wie es eben geht, zu sprechen. Damit verdient er etwas Geld dazu - viel ist es aber nicht: "Das sind 10, 20 Euro im Monat. Wenn es hochkommt, 30."
Die Kommentare im Livestream oder unter Reffs Videos seien zu "99,9 Prozent" positiv, freut er sich. Doch wie die meisten im Internet schreiben auch ihm Leute Hasskommentare. Ignorieren will er diese nicht: "Ich gehe satirisch darauf ein und weise auf die Vorurteile so hin", erklärt der 42-Jährige. Denn "es ist nicht in Ordnung, respektlos miteinander umzugehen".
Familiäres Trauma prägte Lehrer Reff
Wie es ist, keinen Respekt zu bekommen, hat Reff am eigenen Leib erfahren: Als Junge wurde er in der Schule gemobbt. "Ich wurde halt verprügelt, ich wurde gejagt", erzählt er. Er habe oft zerrissene Kleidung getragen, denn das Geld war meist knapp.
Und auch sonst war sein Familienleben alles andere als einfach: Seine Eltern flohen aus dem Nahen Osten nach Deutschland, wurden jedoch nach einigen Monaten wieder abgeschoben. Dort tötete eine Bombe ihre zwei Söhne und die Mutter fiel in ein Koma.