Jojo (Maja Bons) träumt von einem Studium an der Münchner Kunstakademie. Doch dort erwarten sie knallharte Konkurrenz, Demütigung, Enttäuschung und die Frage: Bin ich auf dem richtigen Weg? ARTE zeigt das nachdenkliche Coming-of-Age-Drama erstmals im Fernsehen.
"Kunst entsteht aus Unbehagen" - diesen Satz nimmt Regisseurin Camilla Guttner in ihrem Drama "Die Akademie" (2024) mehr als wörtlich. Denn für ihre Protagonistin Jojo Benz (Maja Bons) wird der Traum vom Kunststudium schnell zum Albtraum: geklaute Bilder, schreckliche Professoren und Kommilitonen, die Freundschaften für den eigenen Erfolg links liegen lassen. ARTE zeigt den Spielfilm nun erstmals im Fernsehen und bereits ab Freitag, 3. Juli, in der Mediathek.
Dabei scheint zunächst alles perfekt: Jojo wird vom renommierten Professor Robert Coopley (Jean-Marc Barr) an der Kunstakademie in München angenommen. Doch ihr erstes Mal in den alt-ehrwürdigen Fluren der Akademie läuft so gar nicht, wie es sich die naive 19-Jährige vorgestellt hat, denn die Welt hier ist umkämpft und elitär - gegönnt wird niemandem etwas. Umso besser also, dass sie in Siri (Luise Aschenbrenner), die bereits im höheren Semester studiert, eine echte Freundin gefunden zu haben scheint.
Die hat indes mit ihrem eigenen Professor zu kämpfen. Norbert Roeg, herrlich widerlich gespielt von Andreas Lust, ist übergriffig, schreit, trinkt und schmeißt sie kurzerhand aus seiner Klasse. Um eine Chance auf eine Karriere in der Kunst zu wahren, nutzt Siri schließlich die gutmütige Jojo aus. Die wiederum verliert zwischen der Akademie, Arbeit, ihrer kranken Oma, der abwesenden Mutter und ihrer bröckelnden Beziehung immer mehr den Halt. Plötzlich muss sie sich fragen, ob das Studium unter dem wechselhaften Coopley der richtige Weg für sie und für ihre Kunst ist.
Einblick in eine absurde, skurrile Welt
Die Geschichte braucht ein wenig, um in Fahrt zu kommen, und auch dann ist es kein mitreißender Plot, sondern ein nachdenklicher Blick auf das Erwachsenwerden in einer umkämpften Welt, die nicht jeder unbedingt versteht. Maja Bons spielt Jojo dabei mit passender Naivität und Unsicherheit. Für ihre Performance wurde sie im vergangenen Jahr mit dem Bayerischen Filmpreis als beste Nachwuchsdarstellerin ausgezeichnet.
Zum Cast gehört auch Michael Brandner, den die meisten wohl als degradierten Polizisten Girwidz aus der Erfolgsserie "Hubert und/ohne Staller" kennen. In "Die Akademie" ist er in einer kleineren Rolle als gutmütiger Kunstgeschichtsprofessor Werner König zu sehen. Doch während er, wie die meisten der anderen doch sehr exzentrischen Nebenfiguren, dazu beiträgt, Jojos skurrile Welt lebendig zu machen, lenken einige eher von der Geschichte ab, als dass sie zu ihr beitragen. So etwa der Künstler Robert (Christoph Luser), der lange Zeit wie eine Einbildung Jojos erscheint.
Die Absurdität, aber auch die Emotionalität der Kunstwelt trifft Guttner in "Die Akademie" allerdings auf den Punkt. Kein Wunder, kennt sie doch die Räume der Akademie der Bildenden Künste in München (diese distanziert sich im Abspann ausdrücklich vom Film) selbst nur zu gut. Die inzwischen 33-Jährige studierte dort unter dem Maler Sean Scully, bevor sie sich an der Hochschule für Fernsehen und Film ihrem Regiestudium widmete. Die Gemälde, die Jojo im Film malt, sind größtenteils von der Regisseurin selbst gefertigt.
Die Akademie - Fr. 10.07. - ARTE: 23.15 Uhr