Noch einmal, acht Folgen lang, kämpfen Gereon Rath und Charlotte Ritter in "Babylon Berlin" um Liebe, Leib und Leben. Denn all das ist bedroht, als Adolf Hitler im Januar 1933 zum Kanzler ernannt wird und die Nazis die Macht an sich reißen. Wie viel Wahrheit steckt in der letzten Staffel der erfolgreichen Serie?
"Babylon Berlin" geht schwungvoll in die letzte Runde: Gereon Rath (Volker Bruch) und Charlotte Ritter (Liv Lisa Fries) tanzen auf dem Presseball. Aber die politischen Schatten liegen schon schwer auf dem sonst glanzvollen Fest. Reichskanzler Kurt von Schleicher ist zurückgetreten. Und Adolf Hitler wird von Reichspräsident Paul von Hindenburg zum Nachfolger ernannt. Damit stehen Hitler und seinen Nationalsozialisten die Türen zur Machtergreifung offen.
In der Mediathek ist die fünfte und letzte Staffel bereits verfügbar, am Samstag, 19. September, laufen ab 20.15 Uhr die ersten vier Folgen von Deutschlands mutmaßlich erfolgreichsten und (mit vermuteten 200 Millionen Gesamtkosten) teuersten Serie. Die letzten vier Episoden werden linear am Freitag, 25. September, ab 22.20 Uhr, gezeigt. Zudem gibt es am Montag, 21. September, um 22.15 Uhr die Dokumentation "ARD History: Babylon Berlin - Die Doku". Sie schildert die realen Hintergründe dieser dramatischen Tage Anfang 1933, die historisches Ausmaß hatten: Innerhalb von nur 54 Tagen ging die Weimarer Republik und mit ihr die erste deutsche Demokratie zu Bruch.
Wie handhabt die letzte Staffel von "Babylon Berlin" die historischen Fakten?
Welches Geheimnis verbirgt Adolf Hitler?
Zunächst: Real fand der Presseball in den Berliner Zoo-Sälen mit rund 6.000 Gästen am Samstag, den 28. Januar statt. Am selben Tag trat von Schleicher zurück. Bereits am Montag, 30. Januar, machte von Hindenburg Hitler zum neuen Kanzler. 30 Tage später, in der Nacht vom 27. auf den 28. Februar brannte der Berliner Reichstag. Das flammende Inferno bildet das Szenario zum Showdown von "Babylon Berlin". In der Realität war es der Auftakt zur Vollendung der Machtergreifung durch die NSDAP: Bereits am 28. Februar erließ von Hindenburg die sogenannte "Reichstagsbrandverordnung zum Schutz von Volk und Staat", wodurch wesentliche Grundrechte der Weimarer Verfassung außer Kraft gesetzt wurden. Am 5. März erreichte die NSDAP bei den Reichstagsneuwahlen 44 Prozent der Stimmen - und übernahm dank der Koalition mit der kleinen nationalkonservativen Partei DNVP die Regierung. Am 23. März schließlich segnete der Reichstag das Gesetz zur Behebung der Not von Volk und Reich ("Ermächtigungsgesetz") ab und entmachtete sich damit faktisch selbst.
Für die finale Staffel von "Babylon Berlin", die sich am Roman "Märzgefallene" von Schriftsteller Volker Kutscher (64) orientiert, bilden die 30 Tage zwischen Kanzlerernennung und Reichstagsbrand den Rahmen für den neuen und letzten Fall, in dem Rath und Ritter ermitteln. Es geht um einer Mordserie an ehemaligen Frontsoldaten des Ersten Weltkriegs. Es stellt sich heraus, dass es dabei um die Vergangenheit von Adolf Hitler geht. Und um ein Geheimnis, dessen Offenbarung das Image des "Führers" nachhaltig beschädigen würde.
Hitler ein Simulant im Reservelazarett? Das sagt die Forschung
Denn: Hitler war im Ersten Weltkrieg Gefreiter. Er landete im Herbst 1918 als Patient im Reservelazarett Pasewalk. Er behauptet, nach einem Angriff nichts mehr sehen zu können, wird aber von den Kameraden als "Simulant" verunglimpft, der als Meldegänger zudem weit von der vorderen Frontlinie entfernt in relativer Sicherheit agierte. Der strahlende Führer ein Drückeberger - das wäre wahrlich ein Fleck auf der strahlenden Uniform. Entsprechend wird alles getan, um die Krankenakte nicht an die Öffentlichkeit kommen zu lassen.
Was ist dran? Tatsächlich war Hitler in besagtem Reservelazarett und tatsächlich war er während des Ersten Weltkriegs als Meldegänger eingesetzt. Dass er aber im Lazarett mit Hypnose behandelt wurde und dadurch auf die Idee kam, Politiker zu werden, ist nicht überliefert. Das sei, sagte Hanno Hochmuth, Historiker am Leibniz-Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam, dem "Spiegel", nie ein Thema in der seriösen Hitler-Forschung gewesen. Für die Serie allerdings ist die psychiatrische Behandlung Hitlers ein entscheidender Strang.