Wie steht es um die Kontrolle gefährlicher Inhalte auf Social Media? Dieser Frage geht Jochen Breyer in der ZDF-Reportage "Die Wahrheit über Social Media" auf den Grund. Er trifft Menschen, die im Auftrag der Plattformen Inhalte kontrollieren sollen - das Fazit fällt jedoch ernüchternd aus.
Was machen Social-Media-Plattformen mit der Gesellschaft und vor allem mit jungen Nutzerinnen und Nutzern? Dieser Frage ist Jochen Breyer in der ZDF-Reportage "Die Wahrheit über Social Media - mit Jochen Breyer" auf den Grund gegangen. Er fragt bei Schülerinnen und Schülern nach und spricht mit Menschen, die von TikTok als Content-Moderatoren eingesetzt werden. Die berichten von erschreckenden Missständen.
Feststeht: Viele Jugendliche verbringen den Großteil ihres Tages online. Bei dem Besuch in einer Schule erzählen einige der Schülerinnen und Schüler Jochen Breyer, dass sie zehn, elf oder sogar 19 Stunden am Tag im Internet sind. Doch nicht nur die lange Verweildauer der jungen Nutzerinnen und Nutzer ist alarmierend - sondern auch die konsumierten Inhalte.
So berichtete eine Schülerin Videos angezeigt bekommen zu haben, in denen sich Menschen das Leben nehmen. Eine andere erinnert sich daran, nach der Brandkatastrophe in Crans Montana Videos von eingeschlossenen Opfern gesehen zu haben. Eigentlich sollten solche Inhalte von den Plattformen gemeldet und gelöscht werden. Dafür werden Content-Moderatoren eingesetzt. Doch funktioniert dieses System?
Jochen Breyer trifft sich in Lissabon mit Leonie aus Deutschland. Durch eine Stellenanzeige erfuhr sie von einem Sub-Unternehmen in Portugal, das die Content-Moderation für TikTok für den deutschen Markt übernimmt. Auf die Nachfrage Breyers, warum dies in Portugal und nicht in Deutschland geschehe, vermutet Leonie: "Ich geh davon aus, dass das daran liegt, dass man die Leute hier sehr viel billiger anstellen kann." So erhalte sie für ihre Arbeit einen Stundenlohn von "knapp unter fünf Euro". Dazu gebe es Zuschüsse für Essen und Miete.
"Ich habe noch nie in so einem unseriösen Arbeitsumfeld gearbeitet"
Angestellt seien vor allem "sehr, sehr junge Leute" zwischen 18 und 21 Jahre alt. Leonie weiß: "Die nehmen jeden - ist egal. In zwei Wochen kommt eh wieder ein Neuer, falls der nichts taugt." Jochen Breyer hakt genauer nach und möchte wissen: "Auf einer Skala von eins bis zehn - wie seriös, wie professionell wird Content-Moderation hier durchgeführt?" Leonies Antwort folgt prompt: "Eins. Ich habe noch nie in so einem unseriösen Arbeitsumfeld gearbeitet."
Dem ZDF-Team wird eine Aufnahme zugespielt, die eine Nachtschicht in dem Unternehmen zeigen soll. Das Video wurde heimlich aufgezeichnet. Darin ist ein Großraumbüro zu sehen, in dem die Angestellten von 23 Uhr bis in den frühen Morgen ununterbrochen TikTok-Videos anschauen, bewerten und gegebenenfalls sperren müssen.
Geprüft werden solle dabei nicht nur das Alter der Nutzerinnen und Nutzer, sondern auch die Inhalte. Pornografische Inhalte, Gewaltszenen, Waffen, rechtsextreme Symbole und Zeichen oder selbstverletzendes Verhalten - all dies müssen die jungen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen binnen weniger Sekunden erkennen. Die Inhalte haben es in sich. Breyer erklärt: "In den zugespielten Aufnahmen sind auch Videos, die so brutal sind, dass wir sie nicht zeigen können - oder wollen."