Körperlichkeit, Galligkeit, dagegen halten. Tugenden, die Fans der deutschen Nationalmannschaft im WM-Sechzehntelfinale der Nationalelf gegen Paraguay erwarteten. Trainer Nagelsmann ging mit bestem Beispiel voran - und ein ZDF-Experte auch.
Das erste Duell gewann Julian Nagelsmann knapp. Da stand er allerdings noch alleine auf dem Rasen des Stadions in Foxborough. Und Nagelsmann kickte auch nicht, sondern redete. Mit ZDF-Reporterin Lili Engels. Der begegnete der Coach mit einer Galligkeit, die seinen Kickern im verlorenen Gruppenspiel gegen Ecuador gut zu Gesicht und Beinen gestanden hätte. Viel hätte nicht gefehlt und Nagelsmann hätte Engels umgegrätscht. Von der verbalen Körperlichkeit ließ sich dann auch noch ein ZDF-Experte im fernen Berlin anstecken.
Lili Engels begann forsch und fröhlich. "Undav für Musiala", feierte die Fachfrau die einzige wirklich gravierende Formationsänderung gegenüber dem Ecuador-Kick. "Ist das ein Eins-zu-eins-Wechsel?" Aber Nagelsmann war nicht zum netten Geplauder gekommen. "Ja, generell ja, weil einer für den anderen reinkommt", bügelte er die Klischee-Frage recht barsch ab und erklärte die Unterschiede im Spielertypus.
Er ließ auch ins Seelenheil der beiden Spieler blicken. "Deniz hat immer Bock zu spielen, auch wenn er von der Bank kommt." Und "der Jamal" habe seine Pause "gut aufgenommen". Die auch eine Chance sei. Weil das Spiel bei einer Einwechslung vielleicht mehr Raum und weniger verbissene Verschleißduelle für ihn biete.
Heißes Interviewduell von Coach Nagelsmann und Reporterin Engels
Er erwarte von seinem Team mehr "Galligkeit" und dass sie sich gegen die "südamerikanische Mentalität durchsetzen" müsse. Davon, dass man sich spielerisch durchsetzen werde, sei er überzeugt, aber: Bei der Körperlichkeit und auch "was die Drecksackmentalität" angehe, müsse man "auf Paraguay-Niveau kommen".
Engels rang um ein positives, gut gelauntes Schlusswort. Es müsse ja kein 6:0-Sieg wie beim entscheidenden WM-Quali-Spiel geben. Aber ein Sieg sei schon Pflicht, oder? Nagelsmann guckte kurz erstaunt und hielt dann voll dagegen: "Ja, das ist bei einem K.o.-Spiel immer so. Du musst gegen jeden gewinnen, um weiterzukommen." Wo er recht hat, hat er recht.
"Wir werden keine Torwartdiskussion führen"
Die robustere Zweikampfführung im Interview nahm im ZDF-Studio auch Experte Christoph Kramer auf. Als Katrin Müller-Hohenstein nochmals den Zug des Manuel-Neuer-Bashings durchs Studio treiben wollte, machte Kramer nicht mit. Da konnte KMH noch so sehr Zahlen bemühen ("Seit dem WM-Finale 2014 neun WM-Spiele und keins ohne Gegentor", "Bei der WM 2026 gab's sieben Schüsse, vier waren drin").
Kramer nannte es "schöne Spielerei", dass mehrmals erwähnt wurde, dass er (und Kollege Mertesacker) beim letzten gewonnenen WM-K.o.-Spiel noch dabei waren. Aber: Das mit der Diskussion um Neuer sei "so eine Medienspielerei. Dass wir in den letzten Turnieren in allen Spielen Tore gefangen haben, ist heute egal." Dann stellte er KMH ins Achtung: "Wir werden keine Torwartdiskussion führen." Basta!