Grönland und Venezuela in Rot-Weiß-Blau, kostspieliges Abo für Trumps "Friedenspakt": Beim Versuch, den Größenwahn des amerikanischen Präsidenten zu erklären, bleibt so manchem Experten in der ZDF-Talkshow "Maybrit Illner" nur noch der Griff zu Shakespeare's Hamlet oder zum Dichtermeister Schiller ...
Das Aufatmen war in ganz Europa zu spüren, als der US-amerikanische Präsident Donald Trump am Rande des Weltwirtschaftsforums in Davos von seinen Plänen abwich, Grönland einzunehmen, und stattdessen einen Deal verkündete. Grund dafür könnte "der Zusammenhalt der Europäer und ein gutes Angebot, die Reaktionen an der Börse und der fehlende Rückhalt zu Hause" gewesen sein, analysierte die Wirtschaftswissenschafterin Stormy-Annika Mildner (Direktorin des Aspen Institut Deutschland) am Donnerstagabend bei "Maybrit Illner" im ZDF. Dort ging es um die Frage "Trumps Größenwahn - wer hält dagegen?"
"Wir machen immer wieder den Fehler, über die irrsinnigen Äußerungen dieses Präsidenten so lange nachzudenken - europäisch grübelnd - bis man sagen kann mit Hamlet: Ist es nicht Wahnsinn, so hat es doch Methode . Wir haben einen Grund gefunden", wollte sich der Journalist und ehemalige ZDF-Moderator Claus Kleber damit gar nicht aufhalten. Trump wäre schlicht und einfach "verliebt in den Gedanken, Amerika zu vergrößern": "Da ist schon auch Irrsinn dabei", sprach er Klartext.
Dass die Annexion Grönlands und damit das Einfärben der Insel in die Farben Rot-Weiß-Blau der amerikanischen Flagge wirklich hinter uns liege, davon war er nicht überzeugt. Eines aber gehöre seiner Ansicht nach klar der Vergangenheit an: Das transatlantische Bündnis "wird nie wieder so kommen, wie es einmal war - an diesem Punkt kommen wir nicht zurück". Zu sehr würde sich Amerika auf andere Geometrien im globalen Wechselspiel der Mächte konzentrieren: "Die Automatik, dass Amerika als Erstes mit Europa kuschelt, das ist vorbei!" Das sei die große Herausforderung, die von Politikern in Deutschland und Europa eine Menge Mut verlange.
"Wir müssen in Europa handlungsfähig werden", ergänzte CDU-Außenpolitiker Armin Laschet und sah darin auch eine Aufgabe für große Nationen wie Deutschland und Frankreich, eine Vorreiterrolle einzunehmen. Bisher scheitere die EU aber genau daran: "Wir haben diese Woche wieder belegt, wie unfähig wir sind", bezog er sich auf den jüngsten Rückschlag beim Abkommen zwischen der EU und den Mercusor-Staaten. Gerade erst feierlich unterzeichnet muss das Freihandelsabkommen jetzt - auf Antrag vor allem der Linken und Grünen - vom Europäischen Gerichtshof überprüft werden und könnte ganz scheitern. "Wenn jedes Mal 25 Jahre gebraucht werden, dann braucht Europa über die Handlungsfähigkeit nicht zu reden", schimpfte Laschet.
"Es wäre ein starkes Zeichen gewesen", fand auch Mildner schade, dass eben dieses Signal nicht gesendet wurde. Sie empfahl generell, sich um den Binnenmarkt zu kümmern und so von Amerika unabhängiger zu werden. Mit Maßnahmen gegenüber der USA, die noch immer der wichtigste Export- und zweitwichtigster Importpartner seien, müsse man hingegen vorsichtig sein, warnte sie: "Wenn man so abhängig ist, schadet jede Maßnahme auch uns - und wir müssen überlegen, wie lange wir durchhalten."
Herfried Münkler: "Von des Gedankens Blässe angekränkelt beschreibt Europäer sehr gut!"
"Wenn man von vornherein denkt, das tut uns weh, dann hat man von vornherein verloren", setzte der Politikwissenschaftler Herfried Münkler dem entgegen. Man müsse vielmehr wie Trump das Vertrauen haben, dass Drohungen wirken, um in dieser neuen "machtbasierten Ordnung, die auf Gewaltdrohungen basiert" mitzuspielen.
"Diese Debatten kommen mir erbärmlich vor", nahm Claus Kleber kein Blatt vor den Mund. Hätte die Ukraine in Kenntnis der Macht ihres Angreifers Russland ähnlich gedacht, hätte sie gesagt: "Na gut, dann schickt einen Gouverneur, der uns regiert, dann werden wir wieder so eine Art Sowjetrepublik." Doch das Gegenteil sei passiert. Für ihn sei das "Erschütterndste" die Rede von Selenskyj gewesen, "aus dem 20 Minuten lang die schiere Verzweiflung über die Unentschlossenheit von Leuten, denen es sau gut geht, zum Hals raushängt nach vier Jahren".