Mit der Slapstick-Komödie "Immer Ärger mit Bernie" hatte Jonathan Silverman seinen großen Durchbruch. Kollege Andrew McCarthy hatte sich schon ein Standbein aufgebaut. Was aber wurde aus den beiden nach "Bernies" Erfolg? Und was aus dem dritten Star des Films - Regisseur Ted Kotcheff?
Ted Kotcheff - diesen Namen verbindet man seit je her mit "Rambo". Der kanadische Regisseur war aber beileibe keine Eintagsfliege, er hatte weitaus mehr gedreht als diesen einen und nebenbei gesagt einen der besten Actionfilme der Filmgeschichte. Kotcheff war längst ein gemachter Mann im Filmgeschäft, als er Vietnam-Veteran John Rambo auf Konfrontationskurs schickte mit einem Dutzend Polizisten-Hinterwäldlern. Und er machte danach noch manch anderen Film, von denen allen voran "Immer Ärger mit Bernie" Kultstatus erlangte - eine Komödie übrigens mit einem Darsteller, wegen dem es sich nun ebenfalls lohnt, an den Klassiker zu erinnern: Jonathan Silverman, der am 5. August 60 Jahre alt wird.
"Immer Ärger mit Bernie" ist ein ebenso turbulenter wie schräger Slapstickspaß mit nicht zu übersehenen Anleihen aus einem weiteren Filmklassiker: Afred Hitchcocks schwarzer Komödie "Immer Ärger mit Harry". Ein makabrer dramaturgische Tanz um eine Leiche ist das verbindende Element. Bei Hitchcock löst der Fund eines toten Mannes eine Kette von Handlungen aus, die wiederum dazu führen, dass der Leichnam Harrys mal begraben, mal wieder ausgegraben wird. Und auch in Kotcheffs Hommage ist die Leiche, Bernie, ein hartnäckiger Geselle, der - tot hin oder her - das Leben der Lebenden gehörig durcheinanderwirbelt. Wie das nun mal so ist mit Leichen - jedenfalls mit ihren Pendants im Kino: Man hat immer nur Scherereien mit ihnen.
Gesellschaft auf der Schippe
Anders als Harry ist Bernie nicht von Anfang an ein Toter. Er ist quicklebendig und ein Scheusal noch dazu. Bernie Lomax (Terry Kiser) hat als Chef einer New Yorker Versicherungsgesellschaft Geld, viel Geld veruntreut, was seine neuen, jungen und ehrgeizigen Angestellten Richard (Jonathan Silverman) und Larry (Andrew McCarthy) bei einer Bilanzprüfung feststellen. Nichts Böses ahnend, dafür umso stolzer tragen sie ihre Entdeckung ihrem Chef vor - ausgerechnet. Lomax fackelt nicht lange und will die beiden baldmöglichst tot wissen. Der mit dem Job beauftragte Mafiosi (Louis Giambalvo) hetzt einen Auftragskiller aber nicht auf Larry und Richard, sondern auf Bernie selbst, weil er, der Mafiosi, mit ihm, Bernie, noch eine offene Rechnung hat.
Aus dem Schneider sind Larry und Richie damit aber nicht, doch eines erkennen die Einfallspinsel immerhin: Solange die Killer glauben, dass Bernie noch unter den Lebenden weilt, so lange ist genau das ihre Lebensgarantie. Also lassen sie nichts unversucht, um den Toten quicklebendig erscheinen zu lassen. Auf einer Party wird der Humor des Films am bösesten: Bernie mag noch so tot sein, die feierwütigen Hedonisten und Materialisten erkennen das nicht.
Wie erging es McCarthy und Silverman nach dem "Ärger mit Bernie"?
Wie Regisseur Kotcheff waren auch die Hauptdarsteller von "Immer Ärger mit Bernie" keine unbeschriebenen Blätter. Andrew McCarthy hatte sich als Mitglied des von der Presse so bezeichneten "Brat Packs" einen Namen gemacht, einer Gruppe junger Schauspielerinnen und Schauspieler, die privat eine eingeschworene Gemeinschaft gebildet hatten und auch beruflich oft am gleichen Strang zogen, indem sie in wechselnden Konstellationen in Filmen mitwirkten. McCarthy verdiente sich seine "Mitgliedschaft" unter anderem mit dem Teenagerdrama "St. Elmo's Fire" (1985) und den Komödien "Pretty in Pink" (1986) und "Mannequin" (1987).
Nach "Bernie" dauerte es allerdings nicht lange, bis sein Stern zu sinken begann. Zwar gelang es McCarthy noch Anfang der 1990er-Jahre, ein Standbein im europäischen Arthouse-Film aufzubauen - er wirkte in zwei Filmen von Nouvelle-Vague-Legende Claude Chabrol mit ("Stille Tage in Clichy", "Dr. M"). Doch zeugt schon die im Übrigen gefloppte Fortsetzung "Wieder Ärger mit Bernie" (1993) von dem Versuch, an die Erfolge in den 1980er Jahren anzuknüpfen. Einem vergeblichen Versuch, aus dem Zugpferd von Filmproduktion wurde ein Nebendarsteller immer blasserer Filme. Immerhin: Seit Anfang der 2000er-Jahren gelang es McCarthy, sich als Gaststar prestigeträchtiger Serien ("Monk", "Gossip Girl", "The Blacklist") durchzuschlagen.
Jubilar Jonathan Silverman war nie den "Brat Packs" zugerechnet worden, einen Karriereverlauf ähnlich dem McCarthys hatte er dennoch: steigende Erfolgskurve in den 1980er-Jahren, eine fallende danach. Silverman gelang nach ersten kleineren Auftritten in TV-Produktionen schnell ein Paukenschlag: In der Neil-Simon-Adaption "Brighton Beach Memoirs" (1983) spielte er bereits die Hauptrolle. Es folgte die Komödie "Caddyshack II" und dann schon "Immer Ärger mit Bernie". Ab hier dann immer mehr Dutzendware, aus deren Reihe gelegentlich doch manch Nennenswertes herausragte, wie die Lemmon/Matthau-Komödie "Immer noch ein seltsames Paar" (1998) oder die Sitcom "Ein Single kommt selten allein", die gegenüber den quotenstärkeren "Friends" und "Seinfeld" allerdings bald ins Hintertreffen geraten war.