Rekord bei Batteriespeichern: Was der Boom für Stromkunden bedeutet

2026 gibt es einen Boom bei den Speicher-Batterien. Die hohe Zahl an Speichern führt dazu, dass die Stromnetze stabiler werden. Was allerdings noch fehlt, ist eine intelligente Steuerung.

Der Energiewende-Trendsetter 1KOMMA5° meldet einen Boom bei den verkauften Speicher-Batterien für Strom aus Wind und Sonne. Den Rekordzuwachs bestätigt auch eine aktuelle Auswertung von Daten der Bundesnetzagentur durch den Bundesverband Solarwirtschaft (BSW-Solar).

Ein Wermutstropfen bleibt allerdings: Intelligente Stromzähler (Smart Meter) und Steuerungen fehlen immer noch. Damit bleibt ein enormes Potenzial der Batterien für das Stromnetz ungenutzt.

Stromversorgung: Batteriespeicher stabilisieren die Energiewende

Batteriespeicher unterstützen die Energiewende, weil sie die schwankende Stromerzeugung aus erneuerbaren Quellen wie Wind und Sonne ausgleichen. In Zeiten des Überangebots an Strom speichern sie die Energie, um sie dann in Zeiten hoher Nachfrage wieder ins Netz einzuspeisen.

Das Ergebnis ist überzeugend: Die Batteriespeicher leisten einen wesentlichen Beitrag zur Stabilisierung des Strommarktes. Sie sichern darüber hinaus die Energieversorgung und ermöglichen zugleich eine effizientere Nutzung von Strom aus erneuerbaren Energien. Die Alternative zu Speichern ist, dass die großen Energieerzeuger viele Milliarden Euro aufwenden, um teure Reserve-Gaskraftwerke vorzuhalten, die sie nur gelegentlich nutzen.  Diese sollen dann einspringen, wenn die Sonne nicht scheint (sogenannte "Dunkelflauten") oder der Wind nicht bläst.

Bezahlen sollen diese Kraftwerke die Stromverbraucher mit einer neuen Umlage beim Strompreis. Experten gehen davon aus, dass 10 bis 15 Erdgas-Kraftwerke so entstehen werden. Ein entsprechendes Gesetz, nämlich das Strom-Versorgungssicherheits- und Kapazitätengesetz (StromVKG), hat der Bundestag inzwischen verabschiedet. Kritik daran kommt von der Umweltschutz-Organisation Greenpeace: "Statt Milliarden in fossile Kraftwerke zu stecken, sollte die Bundesregierung Kosten und CO₂ sparen, indem sie Anreize schafft, Energie klug und sparsam zu nutzen", erklärt Mira Jäger, die Energieexpertin der Organisation. Die Bundesregierung setze auf veraltete fossile Technik anstatt auf klimafreundliche Lösungen wie Batteriespeicher

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Gründe für den Batterien-Boom

Das Hamburger Unternehmen 1KOMMA5° meldet, dass Deutschland innerhalb des Jahres 2026 voraussichtlich rund 37 % mehr Speicherkapazität aufbauen wird. Der monatliche Batteriezubau erreichte im März 2026 einen Allzeit-Rekord von 1.099 Megawattstunden (MWh). Ausschlaggebend für diesen Spitzenwert war unter anderem die Inbetriebnahme neuer Großspeicher. Aber auch die Heimspeicher legten zu. Bereits im März hatte sich die Nachfrage nach Solaranlagen mit Speicher bei 1KOMMA5° im Vergleich zum Vormonat verdoppelt. 

"Wir sehen bei Verbraucherinnen und Verbrauchern eine klare Reaktion auf die globalen Ereignisse", sagt Jannik Schall, Produktchef und Mitgründer von 1KOMMA5°. "Mit Beginn des Iran-Kriegs und den darauffolgenden Preissprüngen bei fossilen Energien ist das Interesse an Unabhängigkeit wieder gestiegen. Wer sich vor den Preisschocks der fossilen Märkte schützen will, setzt auf die Kombination aus Steuerung und Speicher", berichtet er.

Hinzu kommen der Preisverfall bei Home-Batterie-Speichern und die steigende Nachfrage nach Strom durch mehr E-Autos. Außerdem haben große KI-Rechenzentren einen immensen, konstanten Strombedarf. Schall plädiert außerdem für bessere Managementsysteme: "Solange wir diese Speichermengen nicht durch einen flächendeckenden Roll-out von Smart Metern und intelligenter Steuerung vernetzen, fahren wir die Energiewende mit angezogener Handbremse."  

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Batteriespeicher-Kapazität steigt auf Rekordwert von 28 GWh

Insgesamt wuchs der Batteriespeicherbestand in Deutschland auf etwa 28 Gigawattstunden (GWh), verteilt auf rund 2,5 Millionen Anlagen. Diese Speicherkapazität reicht rechnerisch aus, um den durchschnittlichen privaten Tagesstromverbrauch von rund drei Millionen Privathaushalten in Deutschland zu decken. Rund 75 % entfallen auf private Heimspeicher. "Batteriespeicher können den Bedarf an teuren Reserve-Gaskraftwerken deutlich reduzieren", erklärt Carsten Körnig, Hauptgeschäftsführer des BSW-Solar.

Und er fährt fort: "Batteriespeicher dürfen in den kommenden Kraftwerksauktionen nicht durch ungeeignete Ausschreibungskriterien gegenüber Gaskraftwerken benachteiligt werden. Stattdessen sollten Speicher gezielt gestärkt werden." Die Online-Zeitung taz berichtete, dass die Ausschreibungsunterlagen für die Gaskraftwerke offenbar vom baden-württembergischen Energiekonzern EnBW für das Wirtschaftsministerium erstellt wurden. Deutschland habe erst einen Bruchteil der benötigten Speicherkapazitäten erschlossen, so die Analyse des BSW-Solar.

Die vorhandenen Speicherkapazitäten zu nutzen, entspricht im Übrigen auch dem  erklärten Wunsch in der Bevölkerung, wie aus der Repräsentativbefragung hervorgeht. In der vom BSW-Solar in Auftrag gegebenen YouGov-Umfrage rangierten bei den Antworten auf die Frage, wie diese Schwankungen bei Wind- und Solarkraftwerken in Zukunft verstärkt ausgeglichen werden sollen, Batteriespeicher mit 42 % an erster Stelle. Ebenfalls relativ hohen Zuspruch erfahren Biomassekraftwerke (32 %) und Wasserstoff-Gaskraftwerke (31 %). Eher gering fiel der Zuspruch bei den insgesamt 2190 Befragten für Erdgaskraftwerke aus (17 %).

Vorschaubild: © Jan Woitas/dpa